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aus Heft 34/2007 Außenpolitik

Wir kamen, sahen und versagten

Maciej Zaremba 

Vor acht Jahren begann im Kosovo ein einzigartiges Experiment: Um das Land vor militanten Serben und Albanern zu retten, besetzten es die Vereinten Nationen. Zum ersten Mal in der Geschichte übernahmen sie eine Regierung, schufen eine neue Verwaltung und trieben Steuern ein. Das Experiment ging schief – die Wirtschaft liegt brach, die Korruption blüht und die Menschen spucken den UN-Soldaten ins Gesicht.

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»Revolution!«, sagt Albin Kurti und kippt seinen Cappuccino hinunter, »wir werden die Bande stürzen.« Als er den Satz zum zweiten Mal wiederholt, horchen einige Gäste im Café auf und drehen sich um. Man kennt ihn, Kurti gilt als Idol der Jugend im Kosovo, einem Land, in dem jeder Zweite jünger als 25 ist. Vor zehn Jahren führte er die Studentenproteste gegen Milosevic an. Als friedliche Aktionen nicht fruchteten, wurde Kurti Ideologe bei der UCK, Kosovos bewaffneter Guerilla. Nun hat er genug Anhänger, um das ganze Land mit der Parole Vetëvendosje zu überziehen: »Selbstbestimmung«, so heißt auch seine Bewegung.

Kurti versichert, die Revolution werde friedlich verlaufen. Hunderttausend Menschen würden die Schaltstellen der Macht belagern, das Hauptquartier der Polizei und den Gerichtshof, um dort auszuharren, so lange wie nötig. So will er die Kolonialmacht verjagen – die Macht, die sein Land »zersplittert, das Volk ausplündert und die Frauen schändet«. Wer wissen möchte, wohin das Geld aus dem Kosovo wandert, müsse sich nur die neu gebauten Prunkvillen in London oder Amsterdam ansehen, behauptet Kurti. Wer etwas über die Moral der Kolonialmacht erfahren wolle, müsse nur die Bordelle zählen. »Die gab es nicht, bevor diese Leute bei uns landeten.«
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Jeeps passieren das Café, Elektrogeneratoren brummen, während Kurti UN-Erklärungen und den amerikanischen Bürgerrechtler Malcolm X zitiert. Man fühlt sich wie im Kongo der Sechzigerjahre, aber wir befinden uns in Pristina, der Hauptstadt des Kosovo. Und die Kolonialmacht, die verjagt werden soll, ist die UNO, die hier seit acht Jahren regiert.

Als die Weltgemeinschaft 1999 eintraf, wurden ihre Mitglieder noch als Befreier begrüßt. Heute kommt es vor, dass ihnen Menschen auf offener Straße ins Gesicht spucken oder ihre Fahrzeuge demolieren. Ein UN-Bulletin mit dem Titel Frühwarnberichte vermerkt, dass nur dreißig Prozent der Kosovaren den Vereinten Nationen vertrauen. Vor vier Jahren waren es noch doppelt so viele. Jeder Zweite erklärt sich heute bereit, an organisierten Protesten gegen die fremde Macht teilzunehmen.

Der Einsatz im Kosovo ist der größte in der UN-Geschichte. Und auch der erste, bei dem sie die volle Verantwortung für ein Land übernehmen, das mehr oder weniger in Schutt und Asche liegt. Die internationale Gemeinschaft sichert nicht nur den Frieden und pumpt Trinkwasser – sie stellt das Land auf ein komplett neues Fundament: Sie baut ein Rechtssystem auf, bildet Polizisten aus, legt Einbahnstraßen fest und erhebt Steuern. Kurz gesagt, sie schafft den ersten UN-Staat der Welt. Viele hoffen, dass durch humanitäre Interventionen wie diese eine bessere Welt entstehen könnte.

Der militärische Eingriff im Kosovo rettete Zehntausende Menschenleben und war zweifellos gerechtfertigt. Aber wie steht es mit dem zweiten Ziel der Mission, der Erschaffung eines UN-Staates nach Grundsätzen wie Ehrlichkeit, Gerechtigkeit und Demokratie? Nach fast acht Jahren UN-Einsatz und Kosten von fast 22 Milliarden Euro blüht der Schwarzhandel, die reguläre Wirtschaft steht vor dem Zusammenbruch. Die Standardausrede lautet: Solange die Unabhängigkeit des Kosovo von Serbien nicht vollzogen ist, wagt niemand, in das Land zu investieren. Klingt plausibel. Aber welche Investitionen sind nötig, um Gurken oder Tomaten anzubauen?
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