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aus Heft 27/2010 Das verstehe ich nicht 24 Kommentare

Das recycelte Kleid

Die Welt steckt voller Rätsel. Jede Woche gehen wir hier einem davon auf den Grund. Heute: das recycelte Kleid.

Von Michèle Roten  Fotos: Reuters, dpa




Michelle Obama ist eine von uns. Das war von Anfang an klar. Die Frau kam, und sie lachte mit weit offenem Mund und knuddelte ihren präsi-dialen Ehemann und lieh sich sein Jackett, als ihr kalt wurde, und die ganze Welt dachte: eine von uns. Ganz normal. Wie toll. Denn wir mögen es, das Kleine in den ganz Großen zu entdecken, es macht uns Kleine größer. Das war bisher alles sehr sympathisch. Schien tatsächlich einfach: authentisch. Warum sollte sie denn plötzlich hinter vorgehaltener Hand kichern, nur weil ihr Mann mal eben wichtigster Mann der Welt wurde?
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Aber jetzt das: Michelle Obama recycelt ihre Klamotten. Das Jäckchen, der Rock, die Schuhe. Wird alles mehrmals getragen. Altes neu kombiniert; es ist der endgültige Ratschlag jeder Modezeitschrift in perfekter Umsetzung. Und es ist natürlich einmal mehr genau das, was wir alle tun. Bloß, und das ist der große Unterschied: Wir tun es AUS NOT. Warum aber trägt die First Lady freiwillig den alten Kram auf? Warum nicht jedes Mal etwas Neues, Auf- regendes präsentieren, sich verändern, sich ausprobieren? Ohne großes Risiko, denn da ist doch wohl ein Berater. Man weiß ja nun nicht allzu viel über das Mode- departement im Weißen Haus, aber es ist anzunehmen, dass es so etwas Ähnliches gibt.

Es ist außerdem mit einiger Sicherheit anzunehmen, dass Frau Obama die Ausgaben für Kleider zu Repräsentations- zwecken nicht aus eigener Tasche bezahlen muss. Und selbst wenn sie müsste, sie hätte ja genug Geld. Und es ist absolut klar, dass die Designer der First Lady ihre Entwürfe geradezu hinterherschmeißen. Will das Weiße Haus signalisieren, dass kein Geld verballert wird? Nun ja. Natürlich ist so ein Azzedine- Alaïa-Kleid nicht ganz billig, aber das ist so ein Kampfjet ja auch nicht. Hat sie keine Zeit, shoppen zu gehen? Sie muss es bestimmt nicht selbst tun.

Nein, es ist ganz klar: Die Recyclerei soll die Normalität von Michelle Obama unterstreichen. Und das ist, wenn man darüber nachdenkt, gar nicht mal so sympathisch, sondern irgendwie zynisch. Denn: Sie ist nun mal nicht wie wir. Punkt. Der Versuch, authentisch zu sein, verkehrt sich in dieser Anlage in sein genaues Gegenteil. Michelle Obama ist zwar eine ungekünstelte, natürliche Frau, aber sie ist die Frau des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika. Ihre Aufgabe ist es, zu repräsentieren. Nicht viel mehr als das. Da ist es nicht zu viel verlangt, jeden Tag etwas anderes anzuziehen. Es ist sozusagen ihre Pflicht: Sie könnte damit jedes Mal einem neuen jungen Designer zur großen Chance verhelfen. Eine von uns würde das tun als Präsidentengattin.

Kommentare

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Kommentar:

  • Peter Tomuscheit (0) Na, da bin ich ja froh, dass das meiste zur Blödheit dieses Artikels schon von anderen gesagt wurde. Es ist auch mir unverständlich wie so etwas von Anfang bis Ende Dummes die Qualitätskontrolle passieren konnte. Dass jemand egal, was oder wer er ist, wieviel Geld er hat oder nicht, ein Kleidungsstück einfach öfter trägt, weil es ihm gefällt, nicht einmal dieser einfache Gedanke scheint der Autorin nahe zu liegen. (Auch wir "Armen" tragen unsere Klamotten doch nicht nur deshalb, weil wir es MÜSSEN...) Oh wei!
  • Florian Lederer (1) Der Artikel ist der letzte Mist. Schuld ist aber nicht nur die Autorin, sondern auch der Chefredakteur. Oder ist der eingespart?
  • Gustav Fechner (0)
    Barbara Müller (3) sagte:
    ... Wo kommen wir denn hin, wenn die Erscheinung eines Menschen nach der Auswahl des Kleidungswechsels beurteilt wird. Wenn man wie Frau Obama Qualitätsbewußtsein mit gutem Geschmack verbindet und zudem noch als Repräsentantin ihres Landes signalisiert, daß auch die Präsidentenfamilie die dem Volk zugemuteten Einsparungen beachtet, ist das im höchsten Grade alle Achtung wert.Auch die Queen trägt ihre Kleidung mehrfach, warumauch nicht. Haben wir eigentlich keine anderen Sorgen als für so einen Blödsinn Zeit und Papier zu verschwenden. Was immer Frau Obama trug, sie sah gut aus. Was man diversen Filmstars, die ihre teuren Fummel nur einmal tragen nun wirklich nicht behaupten kann


    Frau Müller, Sie haben vollkommen recht, und dieser Artikel ist wirklich total daneben.
    In unseren Medien (allen voran das "Revolver-Blatt" BILD) ist es aber gängige Praxis, daß genau hingeschaut wird, welcher "Promi" sein "Outfit" schon ein- oder gar mehrmal getragen hat. Das wird dann auch sehr penibel "mit Straße und Hausnummer" dokumentiert. Jüngstes Beispiel war hierfür die Grünen-Koalitionspartnerin von NRW-Möchte-Chefin Kraft, die ihr buntes Jäckchen schon ein oder zwei Tage zuvor getragen hatte. Ja, das sind die immens wichtigen Probleme, die Deutschland beschäftigen ... :-)
  • Tex Grobi (1) Da bin ich ja froh, dass ich nicht der Einzige bin, der dieses Geschreibsel absolut unsäglich fand...
    http://misanthrope.blogger.de/stories/16...
  • N H (0) kann mich nur allen bisherigen Kommentaren anschliessen: dieser Artikel ist oberflaechlich, ueberfluessig, frauenfeindlich, stiehlt Zeit (dieser Artikel ist so schlecht, dass man das SZ-Magazin gar nicht genuf darauf hinweisen kann). Wieso ist die Kleiderwahl einiger Menschen ueberhaupt der Rede wert? Vielleicht mag sie das Kleid einfach nur. Ob das nun so ist, oder nicht, kann uns allen doch sowas von wurscht sein. Ich moechte meine Zeit lieber mit dem Lesen von (normalerweise) wirklich guten Artikeln im Magazin verbringen. Liebes SZ-Magazin, bitte veroeffentlichen Sie nie wieder einen solchen Quatsch!
  • Stephanie Stratmann (1) Wenn ich mir solch eine Meinung anhören/lesen wollen würde (wie die der Verfasserin des Artikels), dann würde ich RTL anschauen oder die BUNTE kaufen - aber doch nicht die Süddeutsche/das Magazin! Ich bin schwer enttäuscht:-((((
  • Hartmut Sklebitz (0) Es ist mir unbegreiflich, dass eine Redaktion mit auch ein wenig Anspruch an die Qualität des eigenen Blattes einen solchen haaresträubenen Unsinn zum Druck zuläßt.
  • christian hübner (0) Frau Roten, geben Sie mir meine fünf Minuten wieder zurück!
  • aNDREAS oSTWALD (1) Darf ich der Redaktion empfehlen diesen Artikel als Auschlußkriterium für Frau Roten zu behandeln .. so viel Bockmist gehört nun wirklich nicht in die Süddeutsche .... bitte bitte wir haben doch gar kein Sommerloch ...
  • Malvin McGrufin (0) @ alle: Forget it. Ich habe mich über den Artikel heute morgen auch geärgert. So ein oberflächlicher Quatsch. Aber wer googelt, findet schnell heraus, dass die Dame ein Troll ist:
    http://mikiwiki.org/wiki/Michèle_Roten
    Sie bezeichnet sich selbst als "Versexte Pimmelnutte", "Anorektische Salatfetischistin" usw.
    Meine Interpretation: eine weibliche Variante von Henryk M. Broder, anscheinend jedoch nicht mit dessen ab und an aufblitzender Klasse ausgestattet ...
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