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aus Heft 30/2010 Deutschland 12 Kommentare

Geschlossene Gesellschaft

Nur fünf Prozent der deutschen Elite kommen aus dem Osten. Kein Bundesminister, kein wichtiger Chefredakteur, kein DAX-Vorstand. Zwanzig Jahre nach der Wiedervereinigung hat Deutschland ein Diskriminierungsproblem.

Von Christoph Cadenbach und Bastian Obermayer  Foto und Illustration: cyan



Gabriela S. im Büro ihres Anwalts. Sie trägt diese schwarze Perücke, weil sie nicht erkannt werden möchte. Sie will nicht ihr Leben lang die "Minus-Ossi"-Frau sein.

Gabriela S. steht nicht gern im Mittelpunkt, sie würde viel dafür geben, wenn irgendjemand anderes an ihrer Stelle aufgestanden wäre, um zu sagen: So nicht! Sie wollte sich nicht für ihre ostdeutschen Brüder und Schwestern in die Schlacht werfen, sie will keine Schulterklopfer und keine Fanpost, sie will nicht einmal erkannt werden: deswegen Fotos nur mit Perücke und den Nachnamen bitte nicht ausschreiben. Aber diese unfassbare Unverschämtheit lag nun einmal auf ihrem Küchentisch und nirgendwo sonst, und sie konnte sich das nicht gefallen lassen, und sie kann es noch immer nicht.

Vor etwa einem Jahr, am 7. August 2009, kam Gabriela S. von einer Beerdigung nach Hause, der Vater ihrer besten Freundin war gestorben, und ein wenig war Gabriela S. noch in Gedanken, als sie den DIN-A4-Umschlag der Fensterbaufirma aus der Post nahm. Sie wusste, dass es eine Absage war, DIN-A4-Briefe waren immer Absagen. Aber gut, Gabriela S. hatte ja einen Job, sie hatte sich nur bei der Fensterbaufirma beworben, als Buchhalterin, weil in ihrem Unternehmen Entlassungen drohten. In der Küche öffnete sie den Umschlag, sie legte das Absageschreiben beiseite, dann sah sie ihren Lebenslauf. Und sie konnte es nicht glauben: Jemand hatte mit grünem Filzstift »OSSI« darauf geschrieben – und davor ein dickes Minuszeichen gemalt, ein Minuszeichen mit einem Kringel drum herum. An zwei weiteren Stellen stand in der gleichen Handschrift »DDR«. Zwei Mal, Grün auf Weiß. OSSI. DDR, DDR.

Gabriela S. hatte diese DDR 1988 verlassen, noch vor der Wende, damals war sie 27, und in den zwei Jahren zwischen Ausreiseantrag und Ausreise hatte sie Bekanntschaft mit der Stasi gemacht, immer wieder, wie es eben war, wenn jemand ausreisen wollte. Und mehr als zwanzig Jahre später soll sie sich gefallen lassen, dass jemand auf ihren Lebenslauf »OSSI« schmiert?
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Im Juli 2010 sitzt Gabriela S. in der Kanzlei ihres Anwalts Wolfgang Nau in Kirchheim unter Teck, nicht weit von Stuttgart, und erzählt. Sie hat die Firma verklagt, von der sie das Absageschreiben bekommen hatte. Und sie hat verloren. Entscheidend war, dass das Gericht der Meinung war, Ostdeutsche seien keine eigene Ethnie, kein eigener Volksstamm. Deshalb könne das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) auf Ostdeutsche, die wegen ihrer ostdeutschen Herkunft diskriminiert werden, nicht angewendet werden. Verboten ist es laut AGG, jemanden »aus Gründen der Rasse oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität« zu diskriminieren. Hätte hinter dem Minuszeichen »Kurdin« oder »Eskimo« gestanden, »blind«, »lesbisch« oder »nicht katholisch« – sie hätte vor Gericht gute Chancen gehabt. Aber nicht mit »OSSI«.

Tatsächlich geht der Fall Gabriela S. weit über die Frage hinaus, ob sie als Ostdeutsche diskriminiert wurde. Wenn man das Urteil von allem Blend- und Beiwerk befreit, bleibt eine Erkenntnis, die verstört: Ostdeutsche dürfen diskriminiert werden.

Und wer durch die Leserkommentare der Online-Foren von Zeitungen geht, wer mit Menschen in Leipzig, Berlin oder Jena redet, wer SUPERillu liest oder die Berliner Zeitung, der weiß: Dieser Satz trifft die Ostdeutschen ungeheuer. Gleichzeitig wirft er die Frage auf, ob wirklich zwanzig Jahre nach der Wiedervereinigung noch immer eine Barriere aus Vorurteilen, Missachtung und Spott Deutsche von Deutschen trennt. Und obenauf die Westdeutschen, die überlegen auf die Ostdeutschen herunterschauen.

Einer, der die ostdeutschen Befindlichkeiten seit Jahren studiert, ist der Bielefelder Wissenschaftler Wilhelm Heitmeyer, 64. Er weiß, dass die Ostdeutschen sich zumindest diskriminiert wähnen: In der aktuellen Ausgabe seiner Langzeitstudie Deutsche Zustände sagen noch immer 64 Prozent der Ostdeutschen, sie fühlten sich als Bürger zweiter Klasse, 77 Prozent haben den Eindruck, dass sie im Vergleich zu den Westdeutschen »weniger als ihren gerechten Anteil« bekommen, und ganze drei Viertel fühlen sich gegenüber Westdeutschen benachteiligt.

Nun könnte man diese Aussagen als Gejammere abtun und vorurteilsgemäß als irgendwie »typisch Ossi« einordnen – tatsächlich muss die Selbstwahrnehmung einer Gruppe nicht zwingend den Tatsachen entsprechen. Allein: Heitmeyer hat auch Westdeutsche befragt. Von ihnen sahen sich gerade einmal 13 Prozent als Bürger zweiter Klasse. Aber fast doppelt so viele, 24 Prozent, verfrachteten
die Ostdeutschen in diese Kategorie. Jeder vierte Westdeutsche sieht den Osten als Land mit Bürgern zweiter Klasse. Das ist kaum wegzuargumentieren.

Ähnlich verhält es sich mit den Fakten, auch die sind noch immer verheerend: Im Osten sind im Verhältnis doppelt so viele Menschen arbeitslos wie im Westen, und wenn sie Arbeit haben, verdienen sie im Schnitt 17 Prozent weniger. Selbst wenn man herausrechnet, dass das Leben im Osten billiger ist, bleibt man bei etwa 9,5 Prozent »realem« Lohn-Unterschied. Andererseits gibt es absurderweise in bestimmten Branchen noch immer »Buschzulagen«, also mehr Geld für Westdeutsche, die in den Osten müssen – obwohl das Leben dort billiger ist.

Im Osten ist der Niedriglohnsektor doppelt so groß wie im Westen und die Billiglöhne sind deutlich geringer: 4,86 Euro pro Stunde im Schnitt im Osten, fast sieben Euro im Westen. Im Osten ist der Anteil der Hartz-IV-Aufstocker, also Arbeitender, deren Lohn nicht zum Leben reicht, mehr als doppelt so hoch und die Jugendarbeitslosigkeit fast doppelt so hoch wie im Westen. Dort besitzen die Menschen dafür mehr als dreimal so viel Vermögen wie im Osten. Diese Liste könnte noch weiter und weiter fortgeschrieben werden.

Kommentare

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Kommentar:

  • Olaf Baale (0) Ein Ost-Westdeutscher Dialog über unsere sowjetisch-amerikanische Vergangenheit hätte, kenntnisreich geführt, großen Unterhaltungswert. Ihr Westdeutschen habt den Amerikanern einiges zu danken, schließlich waren die Südhänge der Elbe schon mit Industriellenvillen bebaut, als die rheinischen Weinbauern mit ihren sauren Tropfen und permanentem Durchfall knapp über den Winter kamen. Und dann überließen euch die USA - auf dem Weg nach Moskau - auch noch einen Teil ihrer Beute. Die Wiedervereinigung ist gescheitert, die Pläne zum Bau einer McDonald-Filiale auf dem Roten Platz mussten begraben werden. Zumindest ist Deutschland seit dem 15. März 1991 souverän. Wann übernimmt dieses Land endlich Verantwortung?
  • Daniel Weise (0)
    Roland Brinkhoff (0) sagte:
    Seit etwas mehr als 20 Jahren zahlen wir "Wessis" den Soli-Beitrag, die Stadt, in deren Verwaltung ich arbeite, ist unter anderem hoch verschuldet, weil sie 20 Jahre lang Ausgleichsabgaben für den Aufbau Ost zu zahlen hatte, wenn ich in den neuen Bundesländern unterwegs bin, fahre ich auf neu gebauten oder bestens renovierten Straßen, während ich mir hier in NRW die Stoßdämpfer wegen mangelhaft reparierten Schlaglöchern demoliere.


    Vielen Dank für dieses musterartige Beispiel - die Autoren dieses Artikels werden sich in ihren Ausführungen (zurecht) bestätigt fühlen.
    Es ist leider diese bittere Polemik, welche Annäherungsversuche beider Seiten oftmals in ihrem Keim ersticken - dabei sei eben nur zu erwähnen, dass der "Soli" nicht nur von beiden Seiten gespeist wird, sondern zudem auch NICHT zweckgebunden ist; das bedeutet, dass sowohl strukturschwache Regionen in Westdeutschland ebenso davon subventioniert werden, wie auch gänzlich davon abweichende Angelegenheiten.

    Wer meint, dass die erwähnte Diskriminierung damit ende, dass Nach-Wende-Geborene mittlerweile im Berufsleben angekommen sind, dem möchte ich wiedersprechen.
    Ich selbst als 85er-Jahrgang habe während meiner Schulzeit in Westdeutschland ertragen müssen, wie Lehrer vor der gesamten Klasse in diesen Kanon eingestimmt haben und ich dabei mit Aussagen konfroniert wurde, welche niemals aus den Köpfen der Kinder entstammen konnten (Stichwort Solidaritätszuschlag), sondern vielmehr aus denen derer Eltern - das hat sich auch bis heute nicht geändert.
  • Gerhard Mühlhausen (1) Der Westen hat den Kalten Krieg - doch, doch, den gab es - gewonnen. Und seit wann besetzen denn die Sieger nach einem solchen Sieg nicht das Telegrafenamt, die Banken, die Medien,...? Und schreiben die Grundbücher um? Insofern hat der Westen alles richtig gemacht. Und ist nun, da die Führungspositionen besetzt sind, für die weitere Entwicklung seit zwanzig Jahren wesentlich verantwortlich.

    Die Beseitigung der ostdeutschen Eliten war offizielle Politik der Kohl-Regierung. Von vielen anderen aus eigenen Interessen tatkräftig unterstützt. Ein Schnäppchen namens DDR war auf dem Markt zu haben. Die Öffnung der Stasiakten und die umfangreiche Kenntnis westdeutscher Gesetzlichkeit, die dem Osten 1:1 übergeholfen wurde, waren dabei außerordentlich hilfreich.

    Der Westen als Gesellschaft, im Privaten gibt es ganz sicher vielfach andere Erfahrungen, hat bis heute nicht begriffen, mit wem er sich vereinigt hat. Und vermeidet es bis heute zu fragen und zuzuhören. Er kann es eben nicht. Es war und ist der große, wenn auch verständliche und leider zähe Irrtum des Westens zu glauben, die Einheit könnte mit Geld erkauft werden.

    Bevor nicht alle DDR-sozialisierten ausgestorben sind, wird es keine Deutsche Einheit geben. Ich vermute allerdings auch dann auf lange Zeit nicht. Die Verwerfungen sind einfach zu groß. Die Verweigerung, die Probleme wirklich zu erkennen, zu benennen und zu klären ebenso. Der Westen müßte über seinen "Schatten" springen. Dies ist nicht zu erwarten.
  • Susi Müller (0) Die Grundaussage "Hier ist etwas im Argen!" ist natürlich überfällig. Und damit die Fragen nach dem Warum.
    Aber dann sprechen/zitieren die Autoren unkritisch von Diskriminierung, obwohl - wie gegen Ende zugegen wird – die Statistiken nur ungerechte Unterschiede, aber eben nicht Diskriminierung (= beabsichtigt) zeigen. Diskriminierung dürfte es obendrein geben (wenn auch nicht so viel), und prompt wird zwischen den Zeilen erklärt, man brauche jetzt die Definition einer neuen Ethnie - denn wenn die Ostdeutschen keine Ethnie sind, wäre es wohl in Ordnung zu diskriminieren, ja?! Nein, die Wahrheit ist da wohl komplexer...

    Allein die Frage nach dem Warum - vielleicht die spannendste Frage wäre hier, ob es wirklich am *ostdeutschen* Hintergrund der Betroffenen liegt. Ob ja oder nein, das ist nicht gleich Diskriminierung. Der ostdeutsche Hintergrund *ist* z.B. noch enorm wichtig: Die Menschen, die heute Führungspositionen übernehmen, sind *alle* in Zeiten der Trennung aufgewachsen, also in völlig unterschiedlichen Kulturen! Daß es da Unterschiede gibt, wie sie sich später benehmen oder wie erfolgreich sie in einer westlich-kapitalistischen Kultur sind, kann da nicht überraschen. Z.B. wird viel Ehrgeiz, Karrierestreben (z.B.: früh anfangen, schon im Schulalter etc.!) usw. in der Familie oder allenfalls der Schule vermittelt. (Selbst Ostdeutsche hielten Wessis in Umfragen vor einigen Jahren z.B. für die härter arbeitende Bevölkerung... weiß nicht, ob sich’s geändert hat. Jedenfalls das Selbstbild: Wir arbeiten nicht so hart. Das erschwert’s!) Problematisch ist, daß auch die nächste Generation noch mit einem gewissen Mentalitätsunterschied – noch verstärkt durch inzwischen eingetretene wirtschaftliche Probleme im Osten – aufwachsen wird. Aber es kann auch positiv sein, etwa die Rolle der Frau. Ist’s Zufall, daß der erste weibliche Kanzler aus dem Osten stammt? Oder eben doch kultureller und Mentalitäts-Unterschied?

    Die große Frage ist aber: Ist das *alles* wirklich typisch Osten? Oder wenigstens hauptsächlich? Nein: Vieles liegt z.B. an Mentalität, Gesellschaftsschicht bzw. Karriere der Eltern, wie sie’s auch im Westen gibt. Auch wer im Westen Eltern hat, die nicht (westdeutsch-"kapitalistische") "Karriere" gemacht haben, hat's deutlich schwerer. Warum sollte das im Osten anders sein? Nur, weil dort leider fast 100% in diese Gruppe fallen??

    Generell erinnert die Frage stark an die zur Frauendiskriminierung (bei der übrigens auch keiner behauptet, Frauen müßten eine eigene Ethnie sein, um diskriminiert zu werden!): Wieviel vom Gehälterunterschied liegt an Männern, wieviel an den schlechter verdienenden Frauen (z.B. wenn deren Priorität nicht das Gehalt oder gar die Karriere ist), wieviel an der Gesellschaft? Oder eben mehr daran, aus welcher Bevölkerungsschicht jemand kommt? Dagegen darf ja leider ebenfalls diskriminiert werden: “Wenn jemand nicht wenigstens aus der Mittelschicht kommt, dann stelle ich ihn nicht” - das ist völlig legal in Deutschland... und gang und gäbe. Nicht, daß die Arbeitgeber sich das bewußt so ausgedacht haben... sondern weil die Mittel- und Oberschichtler eben allzu oft andere Mittel- und Oberschichtlern mehr mögen, für etwas geeigneter halten usw. ... und ja, weil manches eben tatsächlich (!) für Unterschichtler etwas schwerer ist (s.o. z.B. die im Jugendalter schon vermittelte Mentalität).

    Fazit: Man muß keine Ethnien definieren, um Handlungsbedarf festzustellen!
  • Josef Roedl (0) Was Soziologen, Wissenschaftler und auch die SZ-Journalisten in ihrer Recherche zu den Ost-West-Befindlichkeiten überhaupt nicht erwähnen ist m. E. der Hauptgrund für die großen Unterschiede zwischen West- und Ostdeutschland: die Religiösität.
    Leider hat sich in 40 Jahren Kommunismus in der DDR auch der Atheismus dort tief in die Bevölkerung eingepflanzt und sie damit weitgehend zu Materialisten verkommen lassen.
    Sieht man gerade die führenden westlichen Bundesländer wie Bayern und Baden-Württemberg, so lässt sich eindeutig ableiten, dass es vor allem die heute viel gescholtene katholische Kirche war und ist, die zu den großen Wertetreibern unserer Gesellschaft gehört.
    Dass aus solchen Lebensläufen auch Spitzenkräfte in Wirtschaft, Kultur und Politik erwachsen ist die logische Konsequenz.
    Diesen Unterschied abzubauen, ist für Ostdeutschland vor allen anderen Kriterien die weitaus größte Herausforderung. Leider ist dort gegenwärtig aus Trotz, Neid oder was auch immer genau der entgegengesetzte Trend zu beobachten. Der Atheismus in Ostdeutschland wächst und wächst immer noch. Und so werden auch die Unterschiede zu Westdeutschland eher noch wachsen als schrumpfen.
  • Christoph Urban (0)
    Nikolai Schulz (0) sagte:
    Sorry, der Link funktionierte gerade nicht, vielleicht liegt es am Komma?

    Der südafrikanische Präsident hat kürzlich gesagt, man solle aufhören, der Apartheid immer die Schuld an allen südafrikanischen Übeln geben. Es sei an der Zeit, sich zu eigenen Verantwortung zu bekennen. In Deutschland ist man von einer solchen Einsicht bestimmt noch zwanzig Jahre entfernt und das mit gutem Grund:
    Der Elitenwechsel in Ostdeutschland diente lediglich dazu der zweiten und dritten Reihe der Westdeutschen eine unverdiente Chance zu geben (und hat nebenbei dem ostdeutschen Nachwuchs die Zukunft verbaut). Daran wird der Osten noch eine Weile leiden. Dieses Leiden ist nur ertraeglich mit ein bisschen Humor: http://www.wessi-komplex.de Viel Vergnügen!
  • Christoph Urban (0)
    Nikolai Schulz (0) sagte:
    Sorry, der Link funktionierte gerade nicht, vielleicht liegt es am Komma?

    Der südafrikanische Präsident hat kürzlich gesagt, man solle aufhören, der Apartheid immer die Schuld an allen südafrikanischen Übeln geben. Es sei an der Zeit, sich zu eigenen Verantwortung zu bekennen. In Deutschland ist man von einer solchen Einsicht bestimmt noch zwanzig Jahre entfernt und das mit gutem Grund:
    Der Elitenwechsel in Ostdeutschland diente lediglich dazu der zweiten und dritten Reihe der Westdeutschen eine unverdiente Chance zu geben (und hat nebenbei dem ostdeutschen Nachwuchs die Zukunft verbaut). Daran wird der Osten noch eine Weile leiden. Dieses Leiden ist nur ertraeglich mit ein bisschen Humor: www.wessi-komplex.de Viel Vergnügen!
  • Reinhard Ettel (0) Der Beitrag des Roland Brinkhoff bringt es genau auf den Punkt.
    Die "Wessis" zahlen den Soli für den Osten. Etwas anderes fällt dem "Wessi" dazu nicht ein. Es müßte sich aber langsam herumgesprochen haben, daß auch die "Ossis" zahlen.
    Und wenn man schon beim Thema zahlen ist, sollte man auch darauf hinweisen, daß die Gewinne von Firmen, soweit sie nicht plattgemacht wurden, selbstverständlich in den Westen zurückgeflossen sind, gnau dorthin, wo die Stammunternehmen sitzen.
    Zum Thema Straßen: Was da im Osten teilweise verbrochen worden ist, wäre auch einmal eine Reportage wert. Als Beispiel seien nur Straßen genannt, bei denen man auf das alte Kopfsteinpflaster einfach eine Schwarzdecke aufgebracht hat, die nach jedem Winter erneuert werden muß, weil sie partout nicht halten will. In jedem Frühjahr erlebe ich seit Jahren das gleiche Dilemma.
    Und wenn mir jetzt noch einer mit der Verschwendung öffentlicher Gelder im kommunalen Bereich im Osten kommt, muß er den Artikel noch einmal gründlich lesen. Auch dort wurden Führungspositionen zunächst von "Wessis" besetzt, die als Anerkennung für ihr Bemühen auch noch mit einer Buschprämie belohnt wurden. Und gerade in diesen kommunalen Bereichen waren nicht "SED-Kader", sondern Leute, die von den Bürgern anerkannt waren, präsent.
    Es ist schon ein Kuriosum, daß man einen politischen Kahlschlag so plump begründet. Unter den sog. SED-Kadern waren mit Sicherheit keine Massenmörder, so wie man sie in den Annalen von BND, Bundeswehr, Polizei, Justiz und anderen öffentlichen Bereichen der Bundesrepublik problemlos weiterbeschäftigt hat. Nur hat man darüber bis heute weitestgehend den Mantel des Schweigens gedeckt.
    Noch ein Wort zum Thema Kanzlerin: Sie war kein SED-Kader, hat es in der DDR aber trotzdem weiter gebracht als mancher von denen in seiner Laufbahn. Sie hatte, wie viele andere, eben genau rechtzeitig ihr Mäntelchen in den Wind gehängt.
    Was ich vermisse, wenn man schon eine Verteidigung für die Menschen im Osten versucht, wäre die Beleuchtung der Frage, weshalb die Akten der Stasi zu ihren Zuträgern aus der Bundesrepublik noch nicht offengelegt sind. Gelten hier auch unterschiedliche Gesetze?
  • Roland Brinkhoff (0) Ich will nichts rechtfertigen, die Geschichte mit dem "Ossi" auf dem Bewerbungsschreiben ist ein dicker Hund. Dass die deutsch-deutsche Mentalität so ist wie sie ist, kann ich aber auch verstehen. Seit etwas mehr als 20 Jahren zahlen wir "Wessis" den Soli-Beitrag, die Stadt, in deren Verwaltung ich arbeite, ist unter anderem hoch verschuldet, weil sie 20 Jahre lang Ausgleichsabgaben für den Aufbau Ost zu zahlen hatte, wenn ich in den neuen Bundesländern unterwegs bin, fahre ich auf neu gebauten oder bestens renovierten Straßen, während ich mir hier in NRW die Stoßdämpfer wegen mangelhaft reparierten Schlaglöchern demoliere. Und was gab es als Gegenleistung für all das??? Die Kanzlerin...!
  • Andy Mayer (0) es ist ein skandal...gejammert wird hier aber schon lange nicht mehr...es wird noch 10 jahre dauern, dann haben wir mehr oder weniger unser altes schulsystem hier im osten wieder etabliert und noch ein paar jahre später ziehen wir euch das fell um die ohren...je länger die diskreminierung dauert, desto schmerzhafter wird es später für euch sein...
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