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aus Heft 31/2010 Internet 7 Kommentare

Eine Frage des (Ver)Trauens

Seite 2: Tanzpannen bei Youtube

Von Till Krause  Foto: Getty



Dabei kann ich ja verstehen, dass nicht jeder alles von sich im Internet preisgeben will. Ich selbst bin nur mit Pseudonym bei Face-book. Aber ich habe immer noch das Gefühl, selbst steuern zu können, was man dort über mich erfahren kann. Und zwar ohne meinem Umfeld vorzuschreiben, wer was in welchem Rahmen fotografieren oder twittern darf. Wenn zwei Menschen optimistisch genug sind, einander lebenslange Treue zu versprechen, sollten sie darüber hinwegsehen können, wenn Zeugnisse davon auch Jahre später noch gegoogelt werden können. Auch nach der Erkenntnis, dass Kutschen in der Realität nicht so toll wirken wie im Fernsehen bei Schwedens Kronprinzessin Victoria. Und überhaupt: Wer genau soll sich für Bilder von der Hochzeit meiner Bekannten interessieren? Ihre wahnsinnig stilsicheren (aber nicht eingeladenen) Nachbarn, die später über den Stil der Feier spotten könnten? Sich um deren Urteil überhaupt zu scheren, zeugt von ziemlicher Unsouveränität. Denn wer nicht eingeladen ist, hat auch nichts zu sagen.
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Dabei liegt das Problem aus Sicht des Brautpaars aber ja gerade bei den Eingeladenen, und das ist das Traurigste am Social-Media-Verbot. Es geht letztlich um die Angst vor der Niedertracht der eigenen Freunde: Wenn sich die Brautleute noch nicht mal darauf verlassen können, dass die wirklich peinlichen Szenen der eigenen Hochzeit (Tanzpannen, Trinkspiele, Flirtonkels) auch ohne Absprache niemals bei YouTube landen, haben sie eindeutig die falschen Leute eingeladen. Von Freunden, denen man überhaupt erst explizit verbieten muss, ihre Aufnahmen der torkelnden Braut ins Netz zu stellen, kann auch nach der Hochzeit wenig Gutes erwarten. Bei der ersten Ehekrise hinterlassen sie dann vermutlich eher gehässige Kommentare auf der Facebook-Pinnwand des Bräutigams, als sich geduldig die Sorgen des Brautpaars anzuhören. Und solche Freunde braucht nun wirklich niemand, weder bei der Hochzeit noch im Internet.

Kommentare

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  • Birgit Schmidt (0) Wochen-, monate-, jahrelang reden sich Datenschützer die Lippen wund: "Passt auf Eure Daten im Netz auf. Seid vorsichtig, niemand weiß, wer damit was anstellt. Geht sorgsam damit um." Und kaum fruchten die Warnungen und Mahnungen, kaum ist in den Köpfen angekommen, dass nicht jedes Bild seinen Platz im Web haben muss, ist die Rede von "Angst, Misstrauen und Kontrollwahn".

    Dieser Artikel ist nicht provokant, er ist ein Schlag ins Gesicht all derer, die Wert auf Privatsphäre legen und nicht bereit sind, sich Massenphänomenen zu beugen. Als Journalist sollte Herr Krause sehr wohl wissen was Privatsphäre bedeutet. Der Artikel gehört vielleicht in einen privaten Blog, ist aber ganz sicher kein fundierter journalistischer Beitrag.
  • Alexander Bösl (0) Sehr provkant, was Herr Krause da schreibt.

    Ich stimme dir voll zu, dass es zunächst etwas irritierend wirkt, wenn auf der Einladung zur Hochzeit "Abendgaderobe" und "Verzicht auf Social Media". Man könnte das eigentlich als selbstverständilch ansehen, aber die Zeiten, in denen Menschen dies als selbstverständlich erachteten, sind längst vorbei. Ich denke, dass es eher ein gesellschaftliches sowie ein kirchliches Problem darstellt, da eine Hochzeit nicht ein Fest, sondern eher einen Event sein sollte; man will ja schließlich etwas erleben (bzw. den Gästen was bieten) und sich über andere lustig machen - meist (un)freiwillig.
    Außerdem: Warum sollte man deiner Meinung nach überhaupt noch auf eine Hochzeit gehen, wenn ich sie sowieso auf Facebook, Twitter und Youtube ansehen kann?
    Zweitens: Wenn zwei Menschen bereit sind, dass Ja-Wort zu geben, zeugt dies garantiert nicht von "Angst, Misstrauen und Kontrollwahn". Man möchte vielleicht etwas Persönliches auch persönlich lassen. Ansonsten wäre die kirchliche Trauung absolut hinfällig.
  • Steffi Bernbach (0) Ich kann nicht ganz verstehen, wieso der Autor an dieses Thema so gedankenlos herangeht (und ich nutze Social Network teilweise). Bei dieser Thematik sollte man doch etwas tiefer gehen und sich fragen, warum das Ehepaar sich dazu entscheidet, ihren Freunden diese Regel aufzustellen, außer dass es sich um Kontrollwahn und Misstrauen handelt. Eine Argumentation, die mir sehr aus der Luft gegriffen zu sein scheint. Ist es denn nicht eher so, dass es bedenklich ist, dass man extra erwähnen muss, nicht in Social Media auftauchen zu wollen, da jeder nur noch damit beschäftigt ist, sich und andere in diesen zu profilieren. Ist es nicht bedenklich, dass man nicht mal mehr seine Hochzeit in Zweisamkeit oder mit Freunden feiern kann. Und ist es nicht bedenklich, dass jemand es als Misstrauen und Kontrollwahn empfindet, wenn sich ein Ehepaar ein kleines bisschen Privatsphäre in einer Welt behalten will, in der jeder Mensch immer transparenter wird. Es fällt schwer das Niveau der Argumentation des Autors nachzuvollziehen, da er eine Eigenschaft seines Freundes (Kontrollwahn) auf dessen gesamtes Leben und alle anderen Leute zu beziehen scheint. Ich würde mich freuen, wenn in Zukunft über derartige Themen (die durchaus nicht unproblematisch sind) mit etwas mehr Tiefsinn geschrieben wird. Ein kleiner Rat für den Autor: Vielleicht sollte man offensichtliche Unstimmigkeiten, die man mit einem alten Freund hat (immer schon Hang zum Kontrollwahn!) eben auch lieber privat als in der Öffentlichkeit austragen, damit wir in Zukunft wieder etwas gehaltvollere Texte zu lesen bekommen. Es ist allerdings gut zu wissen, dass es noch andere Leute gibt (danke an die übrigen Kommentare), die nicht so denken wie der Autor.
  • Mathias Schweiger (0) Ach ja, Social Media, die weite Plattform der Selbstdarsteller. Dass einem solchen die Teilnahmeverweigerung am globalen Kleinzirkus wie eine persönliche Beleidigung scheint ist klar.
    Und ob mit solchen Autoren ein Recht der informellen Selbstbestimmung Chancen hat ist auch fraglich...
  • Andreas Phieler (0) Wie denkt der Autor über Menschen, die sich konsequent Angeboten wie face-book oder stayfriends verweigern und auch insgesamt dafür Sorge tragen, nicht ständig Spuren im Netz zu hinterlassen. Nach der Logik des Verfassers sind das vermutlich paranoide Zeitgenossen, die ständig die Feindseligkeit ihrer Mitmenschen voraussetzen und glauben, dass alles, was sie je öffentlich äußern, per social network gegen sie verwendet werden kann.
    Welch selbstgefällige Aussage, dass ein solides Eheversprechen doch bitteschön gleichzeitig die Bereitschaft zur Verewigung im globalen Speicher bedeuten soll. Es zeuge von Angst, Misstrauen und Kontrollwahn, wenn man seine Gäste darum bittet, keine Fotos ins Netz stellen? Es ist doch wohl eher so, dass es leider nicht mehr selbstverständlich ist, dass die Gäste genau das nicht machen. Dass sich Menschen gegen freie Verfügbarkeit privater Fotos wehren, ist Ergebnis eines gesellschaftlichen Unbehagens und zahlreicher Konflikte, die anscheinend an dem Verfasser vorbeigerauscht sind.
    Mit Verlaub: Der Autor behandelt das Problem auf dem Niveau einer Schülerzeitung.
  • Karl-Hans Sattler (0) Wer braucht eigentlich Social Media? - Karrieregeile Netzwerker und geschwätzige Tratschonkel und Tratschtanten! Grummelnde Grüße, lieber Autor (einfach vorbildlich, diese höfliche Katrin Lörch)
  • Katrin Lörch (0) Ohje die Herleitung vom Social-Media-Verbot auf das Seelenleben ist ja wirklich weit hergeholt. Ist es nicht sogar eine richtig gute Hochzeits-Regel, die hilft diesen privaten Tag auch weiterhin privat zu halten? Muss denn wirklich immer das ganze Netzwerk alle Lebens-Highlights direkt erfahren?
    Locker bleiben lieber Autor, es ist ja nur ein Paar, das einmal nicht sein privates Glück für alle ausbreiten muss...und das ist doch heute eigentlich schon wieder erfrischend!