Dabei kann ich ja verstehen, dass nicht jeder alles von sich im Internet preisgeben will. Ich selbst bin nur mit Pseudonym bei Face-book. Aber ich habe immer noch das Gefühl, selbst steuern zu können, was man dort über mich erfahren kann. Und zwar ohne meinem Umfeld vorzuschreiben, wer was in welchem Rahmen fotografieren oder twittern darf. Wenn zwei Menschen optimistisch genug sind, einander lebenslange Treue zu versprechen, sollten sie darüber hinwegsehen können, wenn Zeugnisse davon auch Jahre später noch gegoogelt werden können. Auch nach der Erkenntnis, dass Kutschen in der Realität nicht so toll wirken wie im Fernsehen bei Schwedens Kronprinzessin Victoria. Und überhaupt: Wer genau soll sich für Bilder von der Hochzeit meiner Bekannten interessieren? Ihre wahnsinnig stilsicheren (aber nicht eingeladenen) Nachbarn, die später über den Stil der Feier spotten könnten? Sich um deren Urteil überhaupt zu scheren, zeugt von ziemlicher Unsouveränität. Denn wer nicht eingeladen ist, hat auch nichts zu sagen.
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Dabei liegt das Problem aus Sicht des Brautpaars aber ja gerade bei den Eingeladenen, und das ist das Traurigste am Social-Media-Verbot. Es geht letztlich um die Angst vor der Niedertracht der eigenen Freunde: Wenn sich die Brautleute noch nicht mal darauf verlassen können, dass die wirklich peinlichen Szenen der eigenen Hochzeit (Tanzpannen, Trinkspiele, Flirtonkels) auch ohne Absprache niemals bei YouTube landen, haben sie eindeutig die falschen Leute eingeladen. Von Freunden, denen man überhaupt erst explizit verbieten muss, ihre Aufnahmen der torkelnden Braut ins Netz zu stellen, kann auch nach der Hochzeit wenig Gutes erwarten. Bei der ersten Ehekrise hinterlassen sie dann vermutlich eher gehässige Kommentare auf der Facebook-Pinnwand des Bräutigams, als sich geduldig die Sorgen des Brautpaars anzuhören. Und solche Freunde braucht nun wirklich niemand, weder bei der Hochzeit noch im Internet.
- Seite 1: Eine Frage des (Ver)Trauens
- Seite 2: Tanzpannen bei Youtube
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18 Uhr 15
Dieser Artikel ist nicht provokant, er ist ein Schlag ins Gesicht all derer, die Wert auf Privatsphäre legen und nicht bereit sind, sich Massenphänomenen zu beugen. Als Journalist sollte Herr Krause sehr wohl wissen was Privatsphäre bedeutet. Der Artikel gehört vielleicht in einen privaten Blog, ist aber ganz sicher kein fundierter journalistischer Beitrag.
18 Uhr 21
Ich stimme dir voll zu, dass es zunächst etwas irritierend wirkt, wenn auf der Einladung zur Hochzeit "Abendgaderobe" und "Verzicht auf Social Media". Man könnte das eigentlich als selbstverständilch ansehen, aber die Zeiten, in denen Menschen dies als selbstverständlich erachteten, sind längst vorbei. Ich denke, dass es eher ein gesellschaftliches sowie ein kirchliches Problem darstellt, da eine Hochzeit nicht ein Fest, sondern eher einen Event sein sollte; man will ja schließlich etwas erleben (bzw. den Gästen was bieten) und sich über andere lustig machen - meist (un)freiwillig.
Außerdem: Warum sollte man deiner Meinung nach überhaupt noch auf eine Hochzeit gehen, wenn ich sie sowieso auf Facebook, Twitter und Youtube ansehen kann?
Zweitens: Wenn zwei Menschen bereit sind, dass Ja-Wort zu geben, zeugt dies garantiert nicht von "Angst, Misstrauen und Kontrollwahn". Man möchte vielleicht etwas Persönliches auch persönlich lassen. Ansonsten wäre die kirchliche Trauung absolut hinfällig.
00 Uhr 08
14 Uhr 00
Und ob mit solchen Autoren ein Recht der informellen Selbstbestimmung Chancen hat ist auch fraglich...
12 Uhr 52
Welch selbstgefällige Aussage, dass ein solides Eheversprechen doch bitteschön gleichzeitig die Bereitschaft zur Verewigung im globalen Speicher bedeuten soll. Es zeuge von Angst, Misstrauen und Kontrollwahn, wenn man seine Gäste darum bittet, keine Fotos ins Netz stellen? Es ist doch wohl eher so, dass es leider nicht mehr selbstverständlich ist, dass die Gäste genau das nicht machen. Dass sich Menschen gegen freie Verfügbarkeit privater Fotos wehren, ist Ergebnis eines gesellschaftlichen Unbehagens und zahlreicher Konflikte, die anscheinend an dem Verfasser vorbeigerauscht sind.
Mit Verlaub: Der Autor behandelt das Problem auf dem Niveau einer Schülerzeitung.
19 Uhr 52
18 Uhr 19
Locker bleiben lieber Autor, es ist ja nur ein Paar, das einmal nicht sein privates Glück für alle ausbreiten muss...und das ist doch heute eigentlich schon wieder erfrischend!