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aus Heft 32/2010 Natur

Draußen wohnen

Seite 2: Tim von Lindenau

Johannes Waechter  Magnus Epple/bildmaschine.de; Moment/Agentur Focus

Glaubt man Tim von Lindenau, dann ist es gar nicht so kompliziert, im Wald zu überleben. Lindenau hatte eine Firma für Veranstaltungs- und Messebau in Freiburg, bevor er mit Mitte zwanzig eine Sinnkrise bekam. »Ich fühlte mich fern von mir selbst«, sagt er. »Ich habe beschlossen, raus in die Natur zu gehen, um zu erfahren, wer ich wirklich bin.« Neun Monate lang streifte Lindenau durch den Schwarzwald. Statt eine Hütte zu bauen, schlug er sein Lager immer dort auf, wo es ihm gerade gefiel. Seine Ausrüstung bestand aus einer Decke, einem Fell, einem Regenschutz, einem Messer und ein paar Büchern über essbare Pflanzen. »In dieser Zeit bin ich mit dem Wald verschmolzen«, sagt er.
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Lindenau ernährte sich von dem, was er im Wald fand: Er sammelte Beeren, grub wilde Möhren aus und nagte an Holzäpfeln, die nicht zufällig so heißen. Nach städtischen Maßstäben schmecken viele dieser Waldfrüchte furchtbar - satt machen sie trotzdem. »Man kann fast alles essen oder essbar machen«, sagt Lindenau. Zu verhungern braucht im Wald also niemand, und unbequem muss das Dasein als Waldläufer auch nicht sein. »Wenn man sich unter seinem Wetterdach eine Grube scharrt und die mit Heidekraut füllt, dann ist das genauso gemütlich wie zu Hause auf der Matratze.«

Dem Förster war der Waldschrat verdächtig, den Tieren gefiel sein Geruch. »Nach einiger Zeit habe ich nicht mehr nach Mensch gerochen, sondern nach Wald«, erzählt er. »Danach haben mich die Tiere akzeptiert. Die haben keine Angst vor mir gehabt.« Auch die Pflanzen lernte Lindenau besser kennen. »Wenn man nicht von menschlichen Dingen abgelenkt ist, bekommt man ein ganz anderes Gespür für die Welt und nimmt Dinge wahr, die ein normaler Wanderer nicht bemerken würde.«
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Johannes Waechter

, 40, ging selbst mit 16 in den Wald. Drei Wochen verbrachte er in einer Forsthütte nahe dem Pfälzer Ort Elmstein, als Teilnehmer eines Jugendlagers. Mit rostigen Sicheln hackten die Jugendlichen riesige Farne um, die die Pflanzungen des Försters überwuch

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