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aus Heft 38/2010 Stil leben

Auf Tuchfühlung

Till Krause  Artwork und Produktion: Sarah Illenberger; Assistenz: Max Ganssmann

Wir haben die neuesten Autos bemalt und dann in Stoff eingehüllt - so entfaltet jedes Modell sein ganz eigenes Wesen.

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Bei der Präsentation neuer Automodelle haben große Stofftücher immer die gleiche traurige Aufgabe: Sie verhüllen das Auto bis zu dem Moment, bei dem der Stoff applausumtost weggezogen wird. Das neue Auto gilt dann offiziell als enthüllt, es ist der Star, und das Tuch interessiert keinen mehr.

Wie schade. Denn niemand kommt dem Auto in den spannenden Minuten kurz vor der Enthüllung so nah wie dieses Stück Stoff. Was wäre, wenn ein Auto schwitzen würde unter so einem Tuch, vor Aufregung oder wegen der Scheinwerfer? Welche Spuren würde das auf dem Verhüllungsstoff hinterlassen?

Um das herauszufinden, haben wir die aktuellen Modelle von Audi, Mini, BMW und Smart von den Reifen bis zum Dach mit Fingerfarbe angemalt. Und dann, ganz schnell, bevor die Farbe trocken war, haben vier Leute eine Bahn Nesselstoff über den Wagen gehalten wie einen Baldachin – und vorsichtig abgesenkt, bis das bemalte Auto komplett von dem Tuch bedeckt war.

Wenn man den Stoff nach einer Weile abzieht, kommen Bilder heraus, die zeigen: So ein Tuch kann nicht nur die Form, sondern auch das Wesen der Autos enthüllen: Die blauen Spuren des Audi A5 Sportback auf dem weißen Hintergrund erinnern an den strahlenden Himmel über Ingolstadt, der BMW Z4 hinterlässt einen schicken und sehr coolen Eindruck. Der Mini Countryman wirkt modisch, der Smart bunt und jung. Linienführung, Dynamik, den ganzen Körper eines Autos, um den sich Designer immer so viele Gedanken machen, sieht man, wenn die Form so ausgebreitet vor einem liegt. Und ja, auch die Seele eines Autos.
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Das erinnert an die Bilder des französischen Künstlers Yves Klein. Er hat schon vor mehr als fünfzig Jahren erkannt: Ein Körper ist der beste Pinsel. Statt nackte Models einfach nur zu zeichnen, hat er sie mit Farbe bemalt und auf eine Leinwand gelegt. So entstanden Abdrücke von Armen, Beinen, Brüsten und Haaren, die aufregender waren als jeder Akt. Angeblich hatten die Models danach noch tagelang Farbe auf ihrer Haut.

Das war auch bei unserer Autokunst der größte Spaß: Mit den farbigen Autos in die Waschanlage zu fahren: Kinder winken, Fußgänger fotografieren, Autofahrer hupen. Nach zwei Waschfahrten und einigen Runden mit der Hochdruckspritze haben die Autos wieder geglänzt, als wäre nichts gewesen.

Wie wir das gemacht haben? Das können Sie sich im folgenden kleinen Videofilm anschauen.













(nach einer Idee der Kunststudentin Stacey Chapman)


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