aus Heft 48/2010 Essen & Trinken 18 Kommentare
Tier gewinnt
Vegetarier zu sein ist gerade in Mode. Das kann nerven. Aber sie haben dann eben doch völlig Recht. Ein Essay über die guten Gründe für den Fleischverzicht.
Von Peter Praschl Illustration: Emily Robertson
Es wäre sicher ein schöner Abend unter Freunden geworden. Aber dann konnten wir uns nicht auf ein Restaurant einigen. Lilo wollte partout nicht in diesen neuen Laden, der rauf und runter für seine Steaks gerühmt wurde, Pommer’sches Rind und irgendeine unter Kennern geradezu beraunte irische Rasse. Ihr erwartet doch nicht wirklich von einer Vegetarierin, sagte sie, dass ich euch dabei zusehe, wie ihr eurer atavistischen Blutgier nachgeht und euch den ganzen Abend lang erzählt, wo ihr die besten Steaks eures Lebens vertilgt habt. Josef dagegen wollte nicht einsehen, dass Fräulein Empfindlich sich jetzt sogar schon herausnahm, anderen vorschreiben zu wollen, was sie nicht essen sollten, statt sich einfach ihren üblichen Salat zu bestellen, an dem wir schließlich ja auch nicht herummäkelten, obwohl es dafür weiß Gott genug Gründe gab. Als ob es nicht völlig ausreichen würde, dass man mittlerweile zum Rauchen in die Kälte hinausgeschickt wird. Dann eben ohne Lilo, sagte Josef, wenn wir jetzt nachgeben, haben wir über kurz oder lang die Ernährungsdiktatur, wehret den Anfängen.
Das klang einerseits überzeugend, wenn man sich selbst schon auf ein Steak gefreut hatte. Andererseits war es das Geblaffe eines typischen Fleischessers. Unüberhörbar aggressiv, nicht bereit, vom eigenen Jagdeifer abzusehen. Vielleicht versuchen wir es in ein paar Monaten wieder. Wenn Lilo ihren Fleischverzicht möglicherweise nicht mehr ganz so verbissen betreibt, wie es Konvertiten zu tun pflegen. Und Josef sich nicht mehr von lauter Frauen umzingelt fühlt, die ihm seinen Spaß vermiesen wollen. Er ist in dieser Hinsicht ein wenig empfindlich geworden, seit seine beiden Töchter beschlossen haben, ihn für einen Tierquäler zu halten. Bloß weil er sie dabei hatte zusehen lassen, wie er einen Hummer kopfüber in kochendem Wasser versenkte. Sie hatten sich nicht davon überzeugen lassen, dass das Zappeln nichts zu bedeuten hatte, weil das Vieh davon nicht mehr das Geringste mitbekam. Haben sie denn gedacht, seufzte Josef, dass ihre Hamburger auf Bäumen gewachsen sind?
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Szenen wie diese kommen im Freundeskreis immer häufiger vor. Meistens sind es Frauen, die beschließen, dass es auch ohne Fleisch oder sogar ganz ohne tierische Produkte gehen könnte; und meistens Männer, die sich darüber lustig machen, mit all den Macker-Attitüden und herablassenden Sprüchen, die ihnen bei Bedarf immer so schnell einfallen. Dass es nun einmal in der Natur von Männern läge, ihre Zähne in das Fleisch von Beutetieren schlagen zu wollen und Naturschutz wohl auch dafür gelten müsse, sagen sie, und dass sie keine Weicheier werden wollen wie diese verschnarchten Müslis aus dem Reformhaus, denen man im Gehen die Birkenstocks neu besohlen könne, so langsam wären sie unterwegs; kein Wunder, so ganz ohne die Energie, die in Tierkörpern steckt, Eisenmangel wahrscheinlich, habt ihr ja schließlich auch nach euren Tagen.
Was Frauen einmal mehr demonstriert, wie unangenehm Männer werden können, wenn das Gefühl sie anlangt, dass ihnen jemand einen ihrer Altherrengenüsse verderben will; und dass sie, in die Enge getrieben, lieber mit Witzeleien um sich hauen, als sich mit einer Sache ernsthaft auseinanderzusetzen. Die Sache ist ja die: Mit ziemlich allen Argumenten, die Vegetarier für ihren Standpunkt vortragen könnten, haben sie Recht. Sich von Gemüse, Früchten, Getreide zu ernähren, von dem also, was die Erde hergibt, ohne dass man dafür töten müsste, führt nicht zu Mangelerscheinungen – umso weniger, als jene Menschen, die mit ihrem Speiseplan aus dem Mainstream ausbrechen, sich meistens sehr bewusst darüber informiert haben, was der menschliche Stoffwechsel benötigt, um gesund bleiben und gut funktionieren zu können. Auch die gebetsmühlenhafte Mäkelei, dass eine Kost ohne tierische Produkte auf Dauer unerträglich langweilig sei, bezeugt nur den Willen, die Realität nicht zur Kenntnis zu nehmen. Wer sich einmal in einem modernen Bio-Supermarkt umgesehen hat, kommt nicht umhin, mit Erstaunen festzustellen, wie abwechslungsreich und interessant man als zeitgenössischer Vegetarier satt werden kann – auch ohne die albernen Ersatz-Würstchen und Schwindel-Schnitzel, die eine Beleidigung sowohl für Fleischliebhaber als auch für Tofu-Kenner sind.
- Seite 1: Tier gewinnt
- Seite 2: Der kleine Unterschied
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12 Uhr 58
12 Uhr 36
14 Uhr 57
das du es nicht besser machst als die die du hier kritisierst merkst du selbst, oder?
Ein echter Schenkelklopfer ist z.B. dein Satz "Auch hier, kann man sich sämtliche infos schnell und unkompliziert aus allen winkeln des internets besorgen ... nur so am rande" - klar nur so am Rande, denn mit Fußnoten oder einem Link zur jeweiligen belegenden Studie hast du es ja nicht so...
Und deine geniale "Fleischbedarfsrechnung" werde ich ausdrucken und gleich neben die Kellogs Ernährungspyramide hängen- jetzt schon ein Klassiker!
Ein wenig enttäuschen finde ich allerdings, dass du ernsthaft das Ur-Cliché der Anti-Veganenen Propaganda herausgekramt hast: "Man sieht hardcore veganern ihr leiden sehr gut an, sie werden blass und scheinen sich aufzubähen (aufdunsen)".
Also komm...
Mit dem zweiten Teil des Satzes landest du dann schließlich auf dem Niveau der diversen kostenlosen Esotherik-Blättchen die überall ausliegen: "einfach weil die zellen ohne die nötigen fettsäuren immer instabiler werden."
Aber vl gibts da ja nur ein paar Klicks entfernt eine Studie über "Zelluläre Abnormalitäten durch Omega-3 Fettsäuremangel bei vegan lebenden Menschen", die du diesbezüglich als Beweiß heranführen kannst...?
Ein Tip: Dein krudes Argument ein wenig Fleisch zu essen sei lebenswichtig, wird nicht dadurch besser, dass du eine rein pflanzliche Ernährung stümperhaft diskreditierst...
Und wegen Omega 3 und 6: hast du das wirklich verstanden? Du sagst selbst, Nüsse sind ein guter Lieferant (meinst du für das richtige Mengenverhältnis der Fette?), Hanf-, Raps- und Leinöl übrigens auch - was genau soll da jetzt mit einer veganen Ernährung schiefgehen?
Für alle die mal so den Gehalt von Omega-3 Fettsäuren in Fisch und in Pflanzen vergleichen wollen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Omega-3-Fet...
13 Uhr 25
19 Uhr 16
Ich esse mittlerweile relativ wenig Fleisch und kaum noch Wurst, aber wenn ich "Bock" drauf habe, dann mach ich es trotzdem. Und ich bin sicher, dass das ernährungsmäßig auch in Ordnung ist.
16 Uhr 20
Back to topic. Keine ahnung warum es soviel ahnungslosigkeit und unwissen gibt, aber es nervt, in zeiten von google und internet, hochmodernen uni bibliotheken und büchern über absolut jedes thema, ständig den faulen, geistig ermatteten, ihre arbeit abzunehmen und sie aufzuklären.
Jetzt mal butter bei die fische. Der text oben ist fachlich gesehn der letzte fliegenschiss, sowohl aus veganer, als auch aus der sich normal essender bürger. Kommen wir zu erstmal zur wahrheit beim thema, was braucht der menschliche organismus wirklich um reibungslos zu funktionieren.
Er ist weder auf massen an fleisch, noch auf massen fleischloser kost abgewießen. Der menschliche verdauungstrackt hatte 200K jahre zeit sich an die bedürfnisse der menschen anzupassen. Deshalb ist tatsächlich richtig zu behaupten, das ganz ohne fleisch nicht wirklich gut gehen kann. Jedoch reden wir heir von sehr kleinen mengen. Ein durchschnittlich männlich erwachsener z.b von 1,80m körpergröße und einem gewicht von 75kg bruacht in der woche gerade einmal 450-600g "fleisch" (dazu gehören keine weiterverarbeiteten fleischprodukte wie wurst). Wer sich solche mengen nicht vorstellen kann, 500g hackfleisch kosten im schnitt 2,50? im supermarkt.
Warum ist fleisch wichtig ?
Auch hier, kann man sich sämtliche infos schnell und unkompliziert aus allen winkeln des internets besorgen ... nur so am rande. Ganz einfach, wir sind tierische organismen, haben ergo keine zellwände sondern zellmembrane. Und diese membrane bestehen nun mal fast völlig aus fetten bzw. glycerin-ketten und fettsäuren. In der menschlichen leber gibt es einen so genannten glycerin pool, dort werden je nach bedarf, neue fettmoleküle aus der aufgenommen nahrung, zusammengesetzt. Unser körper synthetisiert also selber fettsäuren die er brauch. Er kann diese jedoch nicht unendlich und völlig beliebig modifizieren, sondern nur teilweise. Deshalb ist das ausgangsprodukt, die fettmoleküle eben von entscheidender wichtigkeit. Das herz z.b ist auf ganz besondere fettsäuren angewießen die der körper nicht selbst synthetisieren kann, omega 3 und 6 fettsäuren die vorallem in fisch und nüssen vorkommen (das ist übrigens der grund dafür, warum japaner (haben den höchsten fischkonsum weltweit) im schnitt 94 jahre alt werden).
Man sieht hardcore veganern ihr leiden sehr gut an, sie werden blass und scheinen sich aufzubähen (aufdunsen), einfach weil die zellen ohne die nötigen fettsäuren immer instabiler werden. Als pt habe ich das schon oft genug gesehn
und kenne auch den teils schon fanatismuss bekennder veganer. Kurz bevor es ganz bergabgeht, lassen sie sich dann aber doch belehren.
Die vegetarier und veganer werden jetzt natürlich aufschreien, aber im grunde genommen haben sie einen deutlich besseren ernährungsplan, global gesehn, als die meisten anderen. Nur die kleine sache, völlig auf fleisch bzw. tierische produkte zu verzeichten, ist wie oben zu lesen, leider eine fehleinschätzung.
Jedoch ist es sehr gesund fleisch so gut wie möglich zu reduzieren (die besagten 500g/woche) und mehr aus gemüse zu machen. Fleisch sollte bestenfalls eine beilage, kein hauptgericht darstellen.
Der übermäßige fleischkonsum der westlichen ländern führt unter anderen mit dazu, das massentierhaltung nötig ist, das regenwald für weideland abgeholzt wird, das die wasserreserven immer kleiner werden und das große ungleichgewischt zwischen den großen industrienationen und afrika/südamerika/indien stetig wachsen. Nur weil viele deutsche und europäer unbedingt jeden tag ihr steak esse wollen, geht es anderen menschen von tag zu tag schlechter.
Das ist die wahrheit, und die tut echt weh, sofern man nicht völlig hirntot ist. Die veganer/vegetarier sollten endlich den fehler ihres konzepts erkennen und anfangen die leute richtig aufzuklären. Eine pseudowahrheit gegen eine andere antreten zu lassen ist nämlich nur eins - sinnlos. Genau wie meisten kommentare hier.
16 Uhr 12
"Lebewesen bei der Herstellung auch pflanzlicher Nahrung ihr Leben lassen. Aber diese werden nicht bedacht, weil di Lebewesen weder bepelzt, noch niedlich, groß oder was auch immer sind. Was ist mit abertausenden von Insekten, die bei der Ernte und der Produktion zerquetscht, zerschnitten und vergiftet werden? Sind sie weniger Leben oder ist ihr Leben weniger "lebenswert" als anderes? "
Es fällt uns gemeinhin leichter etwas zu beschützen, was von uns auch bemerkt wird. Es geht nicht um die Ameise, die man versehentlich zertritt, sondern um das Tier, welches ganz bewusst seinem vermeintlichen Schicksal überlassen wird.
Und sie haben Recht wenn sie behaupten, dass die Abgrenzung (schützenswert, nich schützenswert) ziemlich beliebig ist. Das allein macht jedoch die Diskussion nicht hinfällig und auch das nicht das Handeln.
Man kann sich darüber streiten, ob z.B. schon Sperma, oder schon ein Embryo schützenswert sind. Aber dass ein Baby und ein Mensch es sind, daran gibt es wohl (hoffentlich) keinen Zweifel.
Übertragen auf die Tierrechtsdiskussion bedeutet das: Lass uns nicht zuviel Energie darauf setzen über Insekten etc. zu diskutieren, sondern bei den Wirbeltieren (wo es auch widerrum keinen Zweifel an der Schützenswürdigkeit gibt) anfangen zu handeln.
Freundliche Grüße
Stefan
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16 Uhr 05
Und zu Ihrer zweiten Frage: Nein. Nicht ernsthaft. Und Sie wollen mir das auch nicht ernsthaft unterstellen, oder?
Ich sehe nichtsdestotrotz kein Problem darin ein Tier zu töten, um es zu essen, oder z.B. sein Leder zu verwenden.
Das einzige Argument was ich für Vegetarismus gelten lasse ist, dass wir uns so verhalten müssen, dass unser Planet für uns selbst bewohnbar bleibt. Das ist aber auch der einzige Grund. Es gibt keine andere Motivation Arten zu schützen oder einzelne tierische Individuen zu schützen. Es geht NUR um uns Menschen. Nicht um Schöpfung, nicht um Moral. Die Erde ist dynamisch. Sie wird sich verändern, wie sie dass schon immer getan hat. Es gibt keine Schöpfung, die so erhalten werden muss, wie sie ist.
Sie meinen dagegen unsere Existenz führt zur Ausbeutung der Natur? Völliger Quatsch. Wir gehören zur Natur. Es gibt gar kein natürlich und unnatürlich. Sie reden von der westlich-kapitalistisch geprägten Gesellschaft, in der man NICHT MEHR die Möglichkeit hätte, ein Leben nach gewissen moralischen Massstäben zu führen. Wo sonst kann man oder konnte man dass dann jemals? Als Indianer oder als Kommunist? Glauben Sie vielleicht wirklich an das Bild vom "edlen Wilden" dass es ganz einfach nicht gibt? Menschen haben schon immer ihre Umwelt verändert. Das ist unser Wesen. Jede Art macht das. Und das ist natürlich. Und jede Art, jedes Individuum sorgt dafür, dass es ihm gut geht. Das ist auch natürlich. Ich gebe Ihnen einen Ratschlag. Überdenken Sie vielleicht mal ihre "gewissen moralischen Massstäbe".
14 Uhr 31
Und zu Ihrer Kritik am Christentum: Ich bin selbst Veganer und lehne Religion in jeglicher Form ab. Meiner Meinung nach ist es nämlich eines der größten Übel der momentanen Welt.
Ihre Argumentation zum Töten von Tieren empfinde ich etwas seltsam: Sie fragen, was schlimm am Töten von Tieren ist? Fragen Sie sich ebenso, was schlimm am töten von Menschen ist? Nicht ernsthaft oder?
14 Uhr 18
Ein Beispiel? Sie reden von "Schöpfung". Welche Schöpfung??? Gehören Sie zu den Kreationisten? Und wieso soll das Töten von Tieren schlimm sein, wenn diese tatsächlich artgerecht gehalten wurden?
Ich habe ja nix gegen Leute mit komischen Meinungen, aber mich beschleicht das ungute Gefühl, dass sie Fleischkonsum am liebsten verbieten würden. Es ist schlimm was dieses unterschwellige christliche Denken anrichtet. Also nochmal: Glauben sie ernsthaft an Schöpfung? Wie kann man nur so bräsig sein?
Für mich besteht das Hauptproblem an den ganzen Weltverbesserern ihrer Art vor allem darin, dass sie vor allem Handeln um sich selbst besser zu fühlen. Um nichts anderes geht es hier. Es ist gut für das eigene Gewissen.