Anzeige

aus Heft 18/2011 Kino/Film/Theater 24 Kommentare

Diener der Wahrheit

Der Amerikaner Peter Joseph dreht Filme, in denen er erklärt, dass der 11. September eine Aktion der US-Regierung war und dass, kein Witz, das Geld abgeschafft gehört. Spinnkram? Irgendwas muss dran sein - immerhin erreicht er mit jedem seiner Filme auf YouTube zig Millionen Zuschauer. Und die feiern ihn als Mann, der endlich die Wahrheit sagt.

Von Christoph Cadenbach 




Peter Joseph antwortet nicht mehr. Er werde bedroht, hatte er geschrieben, und müsse daher »sehr zurückhaltend« mit seinen »Interaktionen« sein, ein Treffen oder Telefonat lehnte er ab. Diese E-Mail war die erste und bisher letzte, die er geschickt hat.

Peter Joseph dreht Filme, Dokumentarfilme. Sie handeln von Lügen und der Religion, vom Mythos um den 11. September, er greift darin die US-Regierung an, die Medien, die Bushs und Rockefellers, er plädiert für eine Abschaffung der Banken und gleich des ganzen Geldsystems. Deshalb wird er nun bedroht: Weil er eine Gefahr für das System ist, weil er die Wahrheit kennt und ausspricht. Zumindest ist das seine Sicht der Dinge.
 
Seine Filme laufen nicht im Kino, sie stehen nicht im Media-Markt-Regal, aber wenn man bei Google oder You-Tube die Wörter »Zeitgeist« und »Movie« eingibt, findet man sie: drei abendfüllende Dokumentationen, insgesamt 406 Minuten lang. Und dazu Hunderte Videos, die sich auf die Zeitgeist-Filme beziehen. »Die Wahrheit über den 11. September«, »Die Neue Weltordnung und die Illuminaten«. Es ist eine Welt wie aus einem Dan-Brown-Roman, in der »Infokrieger« den geheimen Machenschaften der Mächtigen nachjagen.

Spinnerei. Verschwörungstheoriequatsch. Das wäre die einfachste Antwort darauf. Doch ignoriert man damit, was zumindest für die Zeitgeist-Filme gilt: Sie sind ein kulturelles Phänomen mit Millionenpublikum. Seit der dritte Teil der Reihe, Zeitgeist: Moving Forward, am 25. Januar im Netz erschien, haben ihn allein auf YouTube mehr als sechs Millionen Menschen angeklickt. Den ersten Teil, Zeitgeist: The Movie, sollen mehr als hundert Millionen Menschen gesehen haben, ganz genau lässt sich das nicht sagen, weil er tausendfach kopiert über das Netz verstreut ist. Es gibt sogar eine Bewegung, die sich nach den Filmen nennt, das »Zeitgeist Movement« mit rund 430 000 Mitgliedern, ein paar Tausend davon auch in Deutschland, die sich online oder auf Kongressen treffen und ganz real die Welt verändern wollen, und zwar so, wie es der Regisseur Peter Joseph als Lösung bietet.

Wer ist dieser Mann, über den in Zeitungsarchiven kaum etwas zu finden ist? Aber vor allem: Warum schauen sich Millionen seine Filme an?

Auf YouTube erzählt Peter Joseph in einigen Interviews von sich: Geboren in North Carolina Ende der Siebzigerjahre, der Vater bei der Post, die Mutter Sozialarbeiterin. Peter Joseph ist nicht sein voller Name, den will er nicht verraten, viel zu heikel. Er besucht eine Kunstschule, um Musik zu studieren, später zieht er nach New York. Weil er als Musiker kaum Geld verdient, wechselt er in die Werbebranche und verdient nebenbei ein bisschen an der Börse, was ihn auch nicht glücklich macht. 2001 erlebt Joseph dann mit, wie die Türme des World Trade Center zusammenfallen.

Sein erster Film Zeitgeist: The Movie, der im Juni 2007 erscheint, ist nicht die einzige Dokumentation, die die Anschläge des 11. September als »inside job« beschreibt. Die Bush-Regierung, so die Theorie, habe den Angriff inszeniert, um einen Grund dafür zu haben, in Afghanistan einzumarschieren und in der Heimat die Bürgerrechte einzuschränken. Doch Peter Josephs Film bleibt nicht beim 11. September stehen. Für ihn sind die Anschläge nur ein Kapitel in einer schlimmeren Geschichte, die von den angeblich astrologischen Ursprüngen des Christentums über das Notenbanksystem bis zu Mikrochips reicht, die in Zukunft den Menschen eingepflanzt werden, um sie zu überwachen. Eine Verschwörungstheorie im klassischen Sinne, in der die Komplexität der Welt auf eine dramaturgisch stimmige (und spannende) Erzählung heruntergebrochen wird, die auch keinen Zweifel daran lässt, wer verantwortlich ist, wer also die Kontrolle besitzt: eine Elite aus Unternehmer- und Bankerfamilien – die Bushs, die Rothschilds, die Rockefellers.





(Foto: Szenen aus Josephs FIlmen)

Josephs zweiter Film, Zeitgeist: Addendum, erscheint dann im Finanzkrisenherbst 2008 und legt sich vor allem mit den Banken an: »Das Notenbanksystem ist ein System moderner Sklaverei.« Im Bild sieht man dazu Aufnahmen von baumwollpflückenden Schwarzen. Diese Rhetorik ist verständlicher als alles, was Journalisten zur gleichen Zeit über Immobilienblasen und systemrelevante Finanzhäuser schreiben. Und sie gründet sich auf eine Argumentation, in der die Probleme unseres Wirtschaftssystems auf ein Kinderspiel reduziert werden: Geld kommt als Schuld in die Welt, sagt Joseph, weil die Notenbanken Geld nur als Kredite herausgeben. Diese Kredite können aber niemals zurückgezahlt werden, weil es Zinsen gibt.
 
Die Schuld ist also immer höher als das im Umlauf befindliche Geld – es ist wie bei der Reise nach Jerusalem. Josephs Lösung: Das Geld gehört abgeschafft. Und jetzt wird es wirklich verrückt: Im Film sieht man nun satte, grüne, computeranimierte Wiesen, weiße Gebäude, die wie riesige Smarties auf dem Ozean liegen, eine Magnetschwebebahn gleitet durchs Bild – »Stellen Sie sich vor: in zwei Stunden von Washington DC nach Peking«. In dieser Welt, erfährt man, wächst das Gemüse in Hochhäusern, es wird verteilt, nicht verkauft, weil sämtliche Güter frei zur Verfügung stehen. Es wird keinen Neid mehr geben und keinen Diebstahl, keine entfremdende Arbeit und keinen Stress. Weil nur fünf Prozent der Bevölkerung nötig sein werden, um das System am Laufen zu halten, den Rest übernehmen Maschinen. Statt Profitdenken und künstlicher Verknappung herrscht Überfluss durch Technologisierung.

Kommentare

Name:
Kommentar:

  • Mi Ma (0) Liebe Leute!
  • Hans Maulwurf (0) Ich weiss spät dran bin aber jetzt erst drauf gestoßen.
    Es ist klar dass ein Massenmedium kein gutes Haar an jemandem lassen darf, der diese als "organisierte Volksverdummung" hinstellt.

    Aber.. ich denke dass man viele seine Ideen und Ansichten durchaus ernst nehmen sollte. Ich glaube dies ist etwas was gerade deutsche Medien schwer können, vllt auch der Mensch im Allgemeinen: Inhalte neutral sehen und vom Ruf ihrer Autoren zu trennen. (Weil PJ das wusste hat er auch die Wissenschaflter "undercover" verhört - ihm diesen Streich anzukreiden halte ich für humorlos)

    Der erste Film mag zuweilen platt und plakativ sein. Andererseits sind viele Fragen gerade um das WTC bis heute nicht geklärt und man wird auch nicht mehr so schnell als Spinner abgestempelt wenn man sie stellt (Bsp: warum ist ein Nachrichtenheli schneller in der Luft als die Luftabwehr der stärksten Militärmacht der Welt? Warum war der Zusammenbruch in 3 Fällen so "perfekt"? - Sprenmeister allerorts staunten Bauklötze.)

    Dass mit dem Finanzsystem grundlegend etwas falsch läuft behaupten heute auch renomierte Bänker und Börsianer (meist Aussteiger) und das Argument die Zinsen kommen durch Rendite wieder rein, geht doch nur dann auf wenn man den Einzelfall betrachtet. In der Gesamtheit kann es aber nicht funktionieren weil das Geld wieder von jemandem kommen muss der dem Bezinsten Rendite verschafft - erneut durch Schuldgeld.

    Moving Forward nicht zuletzt ist für mich durchweg "logisch" und hat wenig bis überhaupt nichts mit Planwirtschaft wie wir sie bisher realisiert haben, zu tun. Es geht in meinen Augen auch nicht um hässliche futuristische EInheitsbreistädte - sondern um die Dinge die wir ganz offensichtlich und exzessiv falsch machen: So schnell wie möglich alle vorhandenen Rohstoffe die uns der Planet zur Verfügung stellt verbrennen oder zu Konsumgütern verarbeiten die nach ein paar Jahren auf der Müllkippe liegen. Und das von Jahr zu Jahr heftiger. Weil nur so die Wirtschaft wächst. Und gibt es eine Alternative zu Wirtschaftswachstum? Nein?
    Doch? Wie wärs damit: Alle Energie, Allen Geist und alle Technologie die wir in das Hirngespinst "Wachstum" investieren dazu einsetzen, ALLE Menschen so resourcenschonend wie möglich zu versorgen. Sind wir mal ehrlich unser System ist derart geschaffen dass es zwar "JEDER" schaffen kann, aber es niemals "ALLE" schaffen werden. Eine breite Unterschicht hat bisher immer die Drecksarbeit gemacht und wird dies auch weiterhin tun. Die Globalisierung hat das doch nur auf die Spitze getrieben, in dem der Armutsgrad bestimmter Länder als Standortvorteil schamlos ausgenutzt wird.

    Ich finde jemand der dieses Kind beim Namen nennt, und noch dazu einen möglichen Alternativvorschlag bringt, - der zugegeben nicht vollkommen, aber vom Prinzip her richtig ist, verdient mehr Respekt als mit ein paar Floskeln abgewaatscht und als Träumer hingestellt zu werden.

    Lieben Gruß!

    H.M.
  • Rick Latrine (0) Folgende Aussage der Autors lässt an seiner Qualifikation zweifeln...
    "Ob Zinsen real nicht sehr wohl zurückgezahlt werden können, weil sie in der Wirtschaftswissenschaft definiert sind als Teil der Rendite auf Investitionen mit dem geliehenen Kapital?"
    Die Rückzahlung ist nicht der Punkt, sondern die kaskadierenden Schuldfortschreibungen der Banken. Auf einer Schuld, die in derArt virtuell ist, als dass sie nicht physikalisch existiert, werden die Schulden zu einem grossen Prozentsatz weiterverliehen. Wer das nicht versteht, kann sich zum Thema "fractional reserver banking" weiter bilden.
    Für die Einfachen unter uns: s.a. http://www.positivemoney.org.uk/
  • S C (0) Ich finde die Zeitgeist Filme sehr gut, weil sie einfach sehr kritisch sind und zu 95% die Wahrheit sagen. Also sollte man nicht auf den 5 % herumreiten, sondern versuchen, wie Peter Joseph, die Welt etwas zu verbessern, und genau das ist es, was Joseph eigentlich will. Ich finde ihn genial, weil er versucht, die korrupte, unethische Welt zu verändern. Die astrologische Herbeiziehung zur Entstehung einzelner Religionen finde ich genial und glaubwürdiger als jede Bibel. Als Raumfahrttechnikstudent sollte man sich auch in der Astronomie etwas auskennen. Jedoch finde ich den ersten Film gegen Ende hin sehr subjektiv und nicht mehr sehr wissentschaftlich. Man könnte die "Trilogie" auch als Kritik, Idee und Lösung einordnen. Der dritte Film ist mit seinem Lösungsansatz und evtl Umsetzen doch kreativer als ich erwartet hatte. Außerdem ist der Anfang des dritten Films ein tolles Gegenstück zu Sarazins Rassendiskriminierung.
    Also, Zeitgeist weiterempfehlen!!! Weil auch ich mir eine Welt ohne Diskriminierung, Umweltzerstörung, Kriege, Macht und Banken vorstellen könnte.
  • Peter Joseph (0) Hallo zusammen!
    =) Ich sitze hier im Garten meiner wunderschönen Villa und genieße den Geruch den der Geldhaufen neben mir verströmt... einfach herrlich =)
    Aber genug im Liegestuhl gelegen! Eine Runde im Geld gefüllten Pool schwimmen ist angesagt, mit meinem Freund George Walker! Hoffentlich kommt Osama auch gleich noch vorbei! Witziger Typ, freue mich jedes mal ihn zu sehen =)
    Naja genug geplaudert, macht es gut ihr lieben Leute! Und spendet fleißig! =)

    Euer Peter
  • Thorsten Werner (0) Ich bin ein skeptischer, kritischer Mensch und genau deshalb lehne ich die Zeitgeist- Filme ab!

    Die Zeitgeist- Filme sind einfach nur furchtbar! Sie sind manipulativ, voller falscher Behauptungen und Halbwahrheiten.

    Zum Venus- Projekt: Es erinnert mich an Utopien der 50er/ 60er Jahre, monumentale, gesichtslose Planstädte, die aus dem Boden gestampft werden, ohne Charme, ohne gewachsene Strukturen. Einfach gruslig, will jemand ernstaft in so etwas leben?
  • Ulrich Tausend (0) Abgefahrene Kommentare. Was sagt uns das über "Zeitgeist -Überzeugte"?
    Wer kritisch gegenüber Argumenten anderer ist, sollte auch kritisch gegenüber den eigenen Argumenten sein.

    Ich habe in die erste Doku angeschaut und war überrascht wie manipulativ diese gemacht ist. Und wie wild diverse Einzelaussagen von Leuten zusammengeworfen werden um einen Punkt zu machen.

    Ich schließe mich diesem auf Wikipedia gefundenen Text zu Zeitgeist an:

    "Kommentare zu Zeitgeist in den Massenmedien sind selten und meistens negativ, da die unsaubere Argumentation auf Basis von verfälschten Tatsachen oder erfundenen Zusammenhängen offensichtlich sei. In einem Artikel der Irish Times hieß es, ?Zeitgeist: the Nonsense? sei eine surreale Perversion von echten Themen und Debatten. Der Film greife Glaubensfragen, die Bush-Regierung und die Globalisierung an, es gebe jedoch mehr als genug nachgewiesene Ungerechtigkeiten in dieser Welt, als dass man weitere hinzuerfinden müsse."

    http://de.wikipedia.org/wiki/Zeitgeist_(Film)#Auszeichnungen_und_Medien
  • H. K. (0) Herr Cadenbach,

    Sie sind einfach ein jämmerlicher DENUNZIANT. Es braucht keine Verschwörungstheorie um zu erkennen, das Menschen wie Sie, einfach lernen wie man Karriere macht in diesem System. In dem Sie genau diejenigen DENUNZIEREN, die die Mechanismen entlarven, Hintergründe aufzeigen und auch noch Roß und Reiter benennen, die für die katastrophalen Zustände in der Welt und die Probleme in unserem eigenen Land mitverantwortlich sind. Und das sind eben nicht nur durchgeknallte Banker und korrupte Politiker, sondern eine Ideologie, der auch Sie wie viele andere verfallen sind. Ich denke schon, daß sie intelligent genug sind, zu verstehen, was dort eigentlich verhandelt wird. Nicht alles muß man teilen, aber ich möchte Wetten, daß die befragten Wissenschaftler zu den fortschrittlichsten gehören und zumindest als Denkanregung zweifelsfrei sehr gute Anstöße liefern. Aber Sie scheinen mit Vernunft und Empathie menschlich überfordert zu sein. Für Sie scheint das Kalkühl näher zu liegen, sich auf der vorgegebenen Karriereleiter fortzubewegen, als der eigenen Vernunft einen Raum zu geben. Vielleicht sind sie auch nur zu feige, liebgewonnene Lebenslügen zu hinterfragen und sich in eine unsichere Zukunft zu bewegen. Was Sie vielleicht nicht wissen, das so etwas in Monströsität endet. Denn auch Ihr tun und Lassen geht auf Kosten von Dritten, und sei es, durch den Fortbestand an Unwissenheit. An solchen Leuten wie Sie, leiden alle unsere Medien.
    Nein, Sie gehören sicher keiner Verschwörung an. Aber sie gehören zu dem Heer von empathielosen Karrieristen, die mangels sozialer Kompetenz Ihr Heil in Geld und Geltung auf den Wegen suchen, die vorgegeben scheinen. Wie schwach! Im Grunde ist es auch Ihr persönliches Interesse, jedwede Infagestellung zu DENUNZIEREN, weil die Ihren eigenen Weg in Frage stellt. Wie arm!

    P.S.: Interessanterweise hat sich auch gleich jemand gefunden (oder waren Sie das selbst?) der bei Wikipedia genau dieselbe DENUNZIATION verbreitet.

    P.P.S.: Aber vielleicht irre ich mich auch in Ihnen. Vielleicht sind Sie auch schon so gleichgülig und belanglos, das Ihnen nicht wirklich die Brisanz auffällt, was in den Filmen verhandelt wird. Vielleicht ist in Ihrer Welt alles nur ein Film und Sie einfach nur ein Plapperer.
  • Maximo Morales (0) Alleine wenn man die Zeitgeist Filme mit Offenheit gesehen, und wenigstens versucht hat die "Botschaft" zu verstehen, erscheint dieser Artikel schon sehr einseitig und unreflektiert! Es gilt, wenn es um solch fundamentale und tiefgreifende Themen geht sich selbst zu informieren und sich ein eigenes kritisches Bild zu machen! Ich kann mich größtenteils meinen Vorrednern auch nur anschließen! Alles zu hinterfragen ist die Devise...vor allem immer wieder auf´s neue sein eigenes etabliertes Weltbild!.....
  • vahid matein (0) So der Herr!Hier ist nicht eine positive Resonanz auf ihren Artikel, klingelts bei Ihnen?Sie sollten in Zukunft objektiver in ihren artikeln schreiben.selbstverständlich ist es schwer nachzuvollziehen die welt zu verändern, aber nichts desto trotz ist es eine unvermeidbare Tatsache das die Menschheit diesen schritt gehen muß! aber wenn es nach ihnen geht, laufen wir alle auf einer scheibe und nicht auf einer Kugel...
mehr Kommentare