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Neue Fotografie 03. Mai 2011

Oma, Mutter und ich

Marc Baumann (Interview) 

Wir stellen Ihnen jede Woche junge, talentierte Fotografen vor. Diesmal: Nina Röder versammelt drei Generationen in einem Kleid.

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Name:
Nina Röder
Geboren: 1983 in Neuendettelsau
Ausbildung: Master of Fine Arts Bauhaus Universität in Weimar
Homepage: www.ninaroeder.de


SZ-Magazin: Frau Röder, auf ihren Bildern sieht man Sie, Ihre Mutter und Ihre Großmutter, jeweils im selben Kleid am selben Ort. Welche Familiengeschichte erzählen Sie uns da?
Nina Röder:
Ich wollte wissen, wie meine Mutter als Teenager war. Und ich fand das Konzept der Erinnerung spannend, weil sich Erinnerungen mit den Jahren verändern, verschwimmen, oder umgedeutet werden. Dann kam mir die Idee, im Elternhaus meiner Mutter bestimmte Momente Ihres Lebens nachzustellen.

Also gibt es ein historisches Vorbild, ein Foto, dass Sie nachgestellt haben?
Nein, die Vorlagen haben eigentlich die Kleidungsstücke gegeben: Das Kostüm mit dem Blumenmuster hatte meine Mutter bei Ihrem Tanzkursabschlussball an - ihr Tanzpartner trug dazu bei, dass die Vorfreude auf diesen Abend eher getrübt war. Die Fotografie im Bad mit dem hellblauen Kleid steht für Ihre Ausbildung als Friseurin - im Nachhinein hätte Sie gerne einen höheren Schulabschluss gemacht, aber meine Großmutter hatte sie damals in diesem Gedanken nicht genügend bestärkt, für sie war es ausreichend und ausfüllend Hausfrau in einem Dorf in Franken zu sein. Und das dritte, gepunktete Kleid erinnert meine Mutter an eine gute Freundin, die leider früh gestorben ist.

Hat Ihre Fotostrecke dazu geführt, dass Ihre Mutter und Ihre Großmutter sich ausgesprochen haben?
So tiefenpsycholgisch war das Ganze nicht. Meine Mutter wirft meiner Großmutter nichts vor, es lag nicht an ihr, dass meine Mutter nicht studiert hat, das lag an der Zeit und an der Generation.

Aber Sie blicken alle drei sehr ernst auf den Fotos.
Die Aufnahmen haben Spaß gemacht, wir haben nicht die ganze Zeit drüber intellektuell diskutiert, eher haben wir verkleiden gespielt. Es wurde ein bisschen gemogelt, meistens ging bei dem Kleid der Reißverschluß nicht zu.
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War es eine einmalige fotografische Auseinandersetzung mit Ihrer Familie?

In meiner Masterarbeit "Theresia" habe ich Momente aus dem Leben meiner Großmutter nachempfunden, nicht mit ihr als Person, sondern aus meiner Perspektive.

Sie fotografieren immer nur die Frauen, nie die Männer Ihrer Familie, oder?
Das war Zufall, aber generell fotografiere ich Männer nicht so oft.

Warum?
Ich finde Frauen vielschichtiger, spannender, emotionaler.
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