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aus Heft 28/2011 Familie 123 Kommentare

»Deutsche Frauen sagen nie das, was sie wirklich denken«

Die Männer in diesem Land haben es nicht leicht: Viele von ihnen finden deutsche Frauen zu hartherzig. Zu anstrengend, zu bestimmend. Deshalb heiraten sie immer häufiger Osteuropäerinnen oder Asiatinnen. Und werden, man muss es so sagen, tatsächlich glücklicher.

Von Karoline Amon  Fotos: Stephanie Fuessenich

Zhanna. Nachts, in seinem Hotelzimmer in Weißrussland, grübelt Bernd, ob er sich verliebt hat. Und darüber, was passieren würde, wenn er – nur mal angenommen – Zhanna nach Deutschland kommen ließe. Was werden seine Söhne sagen, die Freunde, die Nachbarn? Bernd hat sich vor dem Hotel von Zhanna verabschiedet, kein Kuss, nur ein stilles Einvernehmen, dass sie sich wiedersehen werden am nächsten Tag.

Zhanna kommt mit einer Freundin, zu dritt besichtigen sie die Innenstadt von Mogilev. Zhanna erklärt ihm alles auf Englisch, sie spricht gut. Bernd beobachtet sie. Sie ist Mitte 30, berufstätig, geschieden, eine Tochter, die sie allein großzieht. Eine interessante Frau mit langen Haaren, feminin angezogen mit kurzem Rock, enger Bluse und hohen Schuhen. Ganz normal für Zhanna, so normal wie für die meisten weißrussischen Frauen. Ungewöhnlich in Bernds Augen. Aber es gefällt ihm. Sehr.

Bernd ist schon lange auf der Suche. Er ist Geschäftsmann, sieht nicht schlecht aus und verdient ganz gut. Seine Ehe mit einer Deutschen ist vor zehn Jahren gescheitert. Zehn Jahre hat er meist im Lokal gegessen, die Gebrauchsanleitung für den Herd zu Hause liegt immer noch im unbenutzten Backofen. An den Wochenenden tigerte Bernd von Frau zu Frau.

Er sagt, die »endlosen Diskussionen« hätten ihm die Freude an den Frauen vermiest. Keine Zärtlichkeit, keine Liebe. Bernd gibt die deutschen Frauen auf, sie sind einfach nicht sein Ding. Dann gibt ihm ein Freund einen Tipp, der ihn erst ins Internet, dann nach Mogilev und schließlich geradewegs ins Standesamt führt.

Interfriendship.de, eine Partnerbörse, ist spezialisiert auf Frauen aus Osteuropa. Auf der Startseite können Männer erst mal gucken – umsonst. Fotos von Frauen aus Russland sind dort zu sehen, aus der Ukraine, demnächst auch aus Polen. Sie zeigen Olga, 35 Jahre alt, zwei Kinder, oder Svetlana, 39 Jahre alt, ein Kind. Für das Foto haben sie die Haare schön frisiert, dezentes Make-up. Sie suchen einen Mann – einen deutschen. Zhannas Foto gefiel Bernd sofort, er machte Nägel mit Köpfen. Ein kurzer Briefwechsel, und schon war Bernd unterwegs.

100 000 deutsche Männer haben ein Passwort für die Seite Interfriendship.de, 10 000 von ihnen sind zurzeit aktiv und schauen auf Olga, Svetlana oder Dana. Tatsächlich sind viel mehr Männer auf der Suche, denn im Internet gibt es viele Adressen für jene, die sich nach einer Frau aus Osteuropa umsehen. Und alle hoffen sie, eine Osteuropäerin bringe ihnen die Liebe zurück.

Laut Statistischem Bundesamt haben 1989 rund 16 000 Männer eine Ausländerin geheiratet, 2007 waren es fast 25 000. An erster Stelle stehen dabei die Polinnen, gefolgt von Thailänderinnen und Ukrainerinnen. Dramatischer aber als diese Zahlen ist der Imagewandel, der sich vollzogen hat: Osteuropäerinnen gelten nicht mehr als Notlösung für einen tumben Mann, der lieber eine Deutsche gehabt hätte, aber leider keine abgekriegt hat. Und der, naiv, wie er nun mal ist, jetzt von einer Russin abgezockt wird. Auch jene werden weniger, die automatisch annehmen, eine Thailänderin, die mit einem Deutschen verheiratet ist, sei aus dem Katalog geordert oder per Bumsbomber aus Pattaya geholt worden.
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David Glowsky hat Fragebögen an deutsche Ehemänner und ihre thailändischen oder osteuropäischen Frauen verschickt. Glowsky, Soziologe an der Freien Universität Berlin, wollte wissen, welcher deutsche Mann sich für eine Partnerin aus Osteuropa oder Fernost entscheidet: Die meisten sind älter als dreißig, und vierzig Prozent waren schon mal verheiratet, sie haben ein sicheres, wenn auch nicht üppiges Gehalt. Ihnen spielt das »ökonomische Gefälle der Herkunftsländer« eine »attraktivere, rund acht Jahre jüngere Partnerin« in die Arme.

Inzwischen hat nicht mehr die Osteuropäerin oder Asiatin ein Imageproblem, sondern die deutsche Frau. Sie gilt häufig als hart, unnachgiebig, uncharmant. Das bestätigen auch die Untersuchungen David Glowskys, des Soziologen aus Berlin: Deutsche Frauen sind emanzipiert, ihr Beruf ist ihnen wichtig. Männer dagegen bevorzugen die traditionelle Rollenverteilung: Die Frau darf klüger und schöner sein als sie, jedoch nicht gern selbstständiger.

Kommentare

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Kommentar:

  • Rainer Merklas (0) Unterwürfig? Nein. Auf keinen Fall. Es ist eine andere Lebensphilosophie, die mit der Repräsentanz des deutschen Unterwürfig völlig falsch beschrieben wird.

    Es ist immer das Gleiche. Man hängt sich an einem Wort auf, statt das Ganze zu sehen.
  • Andreas Stötzner (0) Herr Merklas, vielen Dank für den Filmtip.
    Der Spiegel-Tv-Film begleitet zwei deutsche Männer auf Frauensuche in Riga bzw. Kiew und dauert 45 Minuten. Bereits in der 45. Sekunde (!) des Films fällt der Satz: »sie gelten als unterwürfig?«.
  • Rainer Merklas (0) Nur mal so als neutraler Vergleich...
    http://www.spiegel.tv/#/filme/heiratsmar...
  • Carolin Trappmann (0) Die meisten deutschen Frauen wünschen wahrscheinlich sich das, was Gob Chokkhoon aus ihrem Leben erzählt:
    Einen eigenen Job, um zur Not auf eigenen Füßen stehen zu können (wenn die Ehe scheitern sollte) und eine liebevolle Familie mit einem Ehemann, der die Hausarbeit und Kindererziehung mitträgt.
    Außerdem macht wohl jeder gern lange Urlaub und das typische Bild des alleinernährenden Vaters, der zuviel arbeitet um Zeit mit der Familie verbringen zu können ist wohl weiter verbreitet, als das der Karrierefrau, die sich eher auf der Arbeit zuhause fühlt.

    Wenn ein Mann eine Frau sucht, die sich alleine um den Haushalt und die Kinder kümmert und von seinem Geld lebt, dann mag es sein, dass er diese in Deutschland nichtmehr so leicht findet. Die meisten Frauen hier wollen eben eine Beziehung auf egalitärer Ebene führen. Das sollte nicht zuviel verlangt sein, sondern nur ausgeglichen. Wenn auch Männer nach so einer Beziehung suchen sollten sie die Suche vor ihrer Haustür nicht aufgeben.
    So sollten beide Parteien sich einfach mal besser über ihre Erwartungen verständigen, anstatt auf Stereotypen zu bauen.
  • gerhard veer (0) Nachtrag: So sehr sich deutsche Emanzen für bedauernswerte unterdrückte Frauen in armen Ländern einsetzen, so schnell geht das in biologisch verdrahteter Stutenbissigkeit unter, wenn diese Frauen ins deutsche Revier eindringen. Waren in meiner ersten Ehe z.B. Prostituierte in Entwicklungsländern Opfer mangelnder Schulbidung und brutaler Männerausbeutung, so schnell wandelte sich das Ganze, als ich meine jetzige Frau kennen lernte .Die Freundinnen der Jetzt-Ex malten Horrorbilder von geldgeilen Thailänderinnen, die mich nur ausnehmen wollten, meine Ex-Schwiegermutter warnte mich vor der Falschheit dieser tropischen Schlangen. Das Ganze gipfelte darin, dass ich von meiner Ex, weil ich viel Zeit aufwendete, um Rattana zu helfen, die damals noch nicht viel Deutsch sprach, zu hören bekam:
    "Du bist ja selbst schuld, wenn du dir eine vom Baum runterholst"
    So sehr die "Emanzipation" die deutschen Frauen ihren Alltag prägt, so schnell schlägt der "Stuteninstinkt" durch, wenn Konkurrenz aus "dem Busch" ins Spiel kommt...
  • gerhard veer (0) @ Gob Chokkhoon: Danke für Ihren wohltuenden Beitrag - ich weiß, wovon Sie reden. Nach zwanzig Jahren Ehe mit einer Deutschen, in der ich alles erlebt habe, was in dem SZ-Artikel aufgeführt wird, und die mit einem "Kurschatten", den sie mitbrachte, endete - nach diesen zwanzig Jahren war ich geheilt davon, ein Kavalier alter Schule sein zu müssen, der andererseits aber allen Anforderungen einer modernen und emanzipierten Deutschen genügen musste.
    Seit elf Jahren habe ich mit meiner zweiten Frau - einer Thailänderin aus dem Nordosten dieses wunderbaren Landes - kein böses Wort gewechselt. Kennengelernt haben wir uns nicht über eine "Frauenverkaufsagentur", sondern auf einem Weinfest im schönen Kaiserstuhl - unsere Beziehung ist von gegenseitiger Achtung und Dankbarkeit geprägt. Meine Rattana pflegte liebevoll meine nicht gerade einfache alte Mutter über Jahre, die mit in unserem Haus lebte und ich begleite meine Frau seit fünf Jahren durch eine schwere Krebserkrankung, von der wir nicht wissen, wie sie enden wird. Jetzt bin ich im Ruhestand und in wenigen Wochen werden wir nach Thailand in unser dortiges Haus umsiedeln - ich bin froh, dieses Deutschland zu verlassen....
    Wer wissen will, warum ich dieses Land mit seinen freundlichen Menschen (von denen meine Frau die freundlichste ist) so liebe, sehe dort nach:
    http://isaan-forum.com/viewforum.php?f=1...
    nochmals @Gob: Wir suchen immer gute Kontakte - einfach mailen:
    gerhardveer@yahoo.de
  • Tony Buddenbroooock (0) klingt interessant, vielen Dank für den Tipp!
  • Evelyn Kuttig (0) Interessant und merkwürdig, denn es erklärt auch, warum es mit der Emanzipation der Frau in diesem Land einfach nicht so recht klappen will. Im Ergebnis scheinen Frauen hart, aber die Männer doppelbödig. Ich empfehle folgende Lektüre:
    Bascha Mika, Die Feigheit der Frauen - Rollenfallen und Geiselmentalität
  • Tony Buddenbroooock (0) Liebe Karoline Amon,
    ich fürchte ja, Sie haben recht. Die deutschen Frauen sind schon ziemlich anspruchsvoll in der Partnerwahl und dabei nicht immer leicht zu haben ? und ich schließe mich da nicht aus. Ich fühle mich sogar ertappt. Viel zu oft bin ich schlecht gelaunt, schlampig angezogen und umgekehrt verdammt anspruchsvoll. Fast immer denke ich, ich kann es mir erlauben. Tja Denkfehler würd ich sagen. Alles eine Frage von Angebot und Nachfrage. Auch die Partnerwahl wurde globalisiert in den letzten Jahren!

    Und natürlich liebe kritische Mitleser und Kommentatoren, wird hier pauschaliert, vereinfacht, über einen Kamm geschoren. Natürlich gibt es etliche deutsche Frauen, die ebenso ?unkompliziert? sind, wie die im Artikel geschilderten Ausländerinnen und natürlich beschreibt der Bericht nur eine zu beobachtende Tendenz, einen kleinen Nischentrend, der niemals ein Bild der breiten Masse abbilden kann. Nicht alle deutschen Frauen sind im Zuge ihrer rücksichtslosen Selbstverwirklichung zu harten Ellenbogentäterinnen geworden, die bei ihrer Partnerwahl nur auf Prestige und Vermögen eines Mannes achten. Aber ein paar von uns betrifft es schon, wenn auch nicht so zugespitzt und wenn auch diese nicht alle verlassen wurden.

    Aber mal Hand aufs Herz? Macht Ihnen das denn keine Angst? Sind Sie sich ganz sicher, dass es Ihnen nie passieren kann, durch eine junge, schöne, ?unkomplizierte? osteuropäische Frau ersetzt zu werden?

    Und noch etwas, haben uns unsere Mütter nicht mit auf den Weg gegeben, dass wir gerade all das, was die deutschen Männer wie hier beschrieben an den deutschen Frauen stört, sein sollen? War das nicht ein großes Ziel der hart erkämpften Emanzipation, dass frau auch mal Ansprüche stellen darf, an sich, ihre Ausbildung, ihre Karriere und ihren Mann? Und ist es nicht tragisch, dass die Männer uns nun hinterrücks einen Strich durch diese Rechnung machen, da unsere Mütter es doch nur gut mit uns meinten, als sie uns mitgaben: ?Mach Dich nicht abhängig?, ?mach erstmal selbst Karriere, bevor Du Kinder kriegst?, ?Such Dir einen Mann, der mit Dir auf Augenhöhe ist? usw. Sprachen sie doch vielfach aus eigener schlechter Erfahrung. Ich bin persönlich kein Scheidungskind, kenne aber viele und weiß, viele Mütter meiner Freunde rechneten damals gar nicht damit verlassen zu werden und standen sehr plötzlich mit Kind und ohne Beruf auf der Straße. Aber ich schweife ab...

    Die Hoffnungen unserer Mütter haben sich also teilweise tatsächlich erfüllt: Heute ist es gesellschaftlich akzeptiert, dass wir Kinder, Küche und Karriere in unseren Beziehungen gerecht durch zwei teilen, dass auch Frau Karriere macht und Mann den Haushalt, aber aber aber man kann einen Mann ja nicht dazu zwingen, auf die Dauer mit so einer Multitasking-Frau glücklich zu werden. Da scheitert die mühsam erkämpfte Emanzipation daran, dass frau an Liebenswürdigkeit verliert, wenn sie modern sein will. Tragisch.

    Denn die Emanzipation hat uns eine ganze Menge gut ausgebildete Frauen mit großen Erwartungen gebracht. Und in gleichem Maße wie frau die Ansprüche an sich selbst von Generation zu Generation erhöht hat, ist sie auch dem Partner gegenüber anspruchsvoller geworden. Und da stellt sich heraus, Mann will gar nicht unbedingt eine gut ausgebildete weltgewandte Frau, die vier Sprachen spricht und ein mittelständisches Unternehmen leitet, sondern viel lieber eine treue Freundin, sorgende Ehefrau und liebevolle Mutter für seine Kinder, die ihn mit Candle Light Dinner im Schlafzimmer erwartet, wenn er nach hartem Tagwerk nach Hause schleicht. Überraschung! Sackgasse. Und nun?

    Man könnte jetzt natürlich anbringen, dass unsere Männer ihr Frauenbild überdenken müssen. Das hätte jetzt vielleicht meine Mutter vorgeschlagen. Ich denke aber eher, beide Parteien müssen sich in der Mitte treffen. Und Frau von heute muss umdenken, muss versuchen, ihr toughes Führungsgen im Job zum Einsatz zu bringen und die weiblich herzliche Seite zu Hause auszuleben. Das wird nicht ganz einfach, das weiß ich aus eigener Erfahrung. Wer den ganzen Tag hart sein muss, um im Kampf der Ellenbogen zu bestehen, schaltet an der Haustür nicht so einfach um auf sanftes Mäuschen. (Das müssten einige männliche Kollegen ja nur zu gut wissen und ihre Frauen, die vermeintlichen Privatsekretärinnen in der Heimarbeit können vermutlich auch ein Lied davon trällern..) Vielleicht fragen wir mal unsere Männer um Rat, wie sie das bewerkstelligen.

    Zunächst einmal aber muss Frau sich selbst tiefenüberdenken, ihre Rolle neu definieren und sich ihren Platz suchen zwischen konservativem Frauenrollenverständnis und moderner emanzipierter Lebensweise. Frau muss sich entscheiden, ob sie die Tür aufgehalten und die Tüten getragen haben will oder ob sie auf eigenen Beinen stehen will, mit allen Vor- und Nachteilen. Und hat sie sich erst selbst gefunden, kann sie sich auch wieder entspannt zurücklehnen. ? Und entspannt ist frau sehr leicht zu haben! ? Denn was unterscheidet uns denn so groß von den osteuropäischen Frauen? Sind diese soviel konservativer oder moderner als wir? Nein. Das ist es nicht. Ich behaupte, der Unterschied liegt woanders: Die osteuropäischen Frauen wissen, wo sie stehen, kennen ihre Rolle als Frau und haben ihren Weg gefunden zwischen zarter Weiblichkeit und tougher Durchsetzungskraft. Diesen Weg müssen wir vielfach noch finden. Auf Ihr Pfadfinderinnen, gehen wir es an!
  • Elmar Haus (0) Vollkommen fruchtlose Diskussion. Anstatt darüber zu streiten, wie die Geschlechter im Jahr 2011 zu sein haben um als modern oder emanzipiert zu gelten sollte das empirische Phänomen der Heirat ausländischer Partner im Vordergrund stehen.
    Anziehung folgt nunmal keinen politisch korrekten Codes. Da können deutsche Männer 100 mal als Neandertaler diskreditiert werden, wenn sie bei einer ausländischen Frau das finden was sie in Beziehungen mit deutschen vermissen werden diese Partnerschaften im Zeitalter der Globalisierung häufiger werden. Der
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