Sie haben Ihren Adblocker auf unserer Seite aktiviert. Bitte deaktivieren Sie diesen für SZ.de! mehr zum Thema

bedeckt München -4°
Anzeige
Anzeige

aus Heft 28/2011 Familie

»Deutsche Frauen sagen nie das, was sie wirklich denken«

Seite 3: Frauen als Verfügungsmasse?

Karoline Amon  Fotos: Stephanie Fuessenich


Daniel mit seiner thailändischen Frau Yuphin und der gemeinsamen Tochter. Die Feste im Münchner Wat-Thai-Tempel feiert er gern mit.


Daniel ist gern beim Tempelfest. Manche Ehemänner liefern ihre Frauen nur vor dem Wat-Thai-Tempel ab und fahren dann gleich weiter. Daniel nicht. Sooft es geht, hilft er seiner Frau Yuphin, die thailändischen Feste vorzubereiten. Der Wat-Thai-Tempel ist ein großes Einfamilienhaus in Münchner Stadtteil Giesing mit schmiedeeiserner Eingangstür und Veloursteppichen, ein bisschen Neureichenchic aus den Siebzigerjahren. Im Wohnzimmer steht der goldene Buddha-Altar, brennende Kerzen drum herum, es duftet nach Orchideen. Im großen Keller des Hauses proben Thailänderinnen den Tanz für das Fest zu Buddhas Geburtstag, barfuß auf dem Veloursteppich. Junge und ältere Thai-Frauen falten die Hände über dem Kopf, das sieht auf Anhieb anmutig aus. Daniel steht mittendrin. In Bermudas und Poloshirt sieht er aus wie ein Tourist, der sich in Bangkok verlaufen hat. Doch statt die Kamera vor dem Auge hat er das Handy am Ohr. Daniel ist Servicetechniker. Mit seinem Kollegen am Telefon muss er lauter sprechen wegen der Musik. Yuphin kommt erst später in den Tempel. Ihre Arbeit als Hauswirtschafterin in einem Altenheim hat sie aufgehalten.
 
Yuphin war schon mal mit einem Deutschen verheiratet, bevor sie Daniel traf. Sie sah in dieser Ehe damals die einzige Möglichkeit, ihre beiden Söhne zu versorgen, die in Thailand geblieben sind – thailändische Männer fallen sehr oft als Ernährer der Familie aus, sie kümmern sich nicht. Doch Yuphins erster deutscher Mann hielt sie wie im Käfig, terrorisierte sie mit seiner Eifersucht. Sie ließ sich scheiden, lernte dann erst Deutsch und suchte sich einen Job, schickte regelmäßig Geld zu ihrer Mutter und ihren inzwischen erwachsenen Söhnen nach Thailand. In einer Karaoke-Bar lernte sie Daniel kennen, einen Freund ihrer Freundin. Seit sieben Jahren ist Yuphin Daniels Frau, sie haben eine Tochter.
Anzeige

Yuphin hat all die Attribute, die deutsche Männer an Thai-Frauen mögen: Sie ist klein, zierlich, die Augen sind dunkel, die schwarzen Haare glänzen. Yuphin ist 44, sieben Jahre älter als ihr Daniel. Ihm macht das gar nichts aus. Er sagt, er war nicht auf der Suche nach einer, die jung ist und hübsch. Er wollte jemanden, für den das Geld »nicht immer an erster Stelle steht«, wie bei seinen deutschen Exfreundinnen. Für Yuphin wagte er den Schritt in die Ehe, denn sie ist »stabil und liebevoll zugleich« – bei seiner thailändischen Frau fühlt er sich »geborgen«.

Wenn Yuphin Zeit hat, will sie »auch etwas für Daniel machen, ihm ein schönes Essen kochen«. Das schätzt Daniel sehr. Und Zhanna hat gleich nach ihrer Ankunft in Deutschland die Gebrauchsanweisung aus Bernds unbenutztem Backofen geholt, seither bäckt und brät sie. Das wiederum schätzt Bernd.

Rolf Pohl ist Sozialpsychologe an der Universität in Hannover, sein Forschungsobjekt ist der Mann an sich. Der Wissenschaftler hat herausgefunden, dass der Mann in seiner Sexualität »schwach und abhängig« ist und die Sexualität der Frau »als Bedrohung« empfindet wegen des möglichen Potenzverlustes. Pohl weiß es nicht genau, aber er vermutet, dass Frauen aus Osteuropa und Fernost die »Wunschposition der Männer« respektieren, und die besteht in einem »unkomplizierten sexuellen Verhältnis, das sich den Bedingungen des Mannes fügt«.

Nicht dass Daniel, Bernd oder Rolf mit ihren Frauen über Sex reden würden. Begriffe wie »Illusion der Kontrolle«, die der Sozialpsychologe Rolf Pohl als Motivation deutscher Männer annimmt, sind für sie böhmische Dörfer. Vielleicht würden sie stattdessen sagen, der Sex mit ihren Frauen sei herrlich unkompliziert.

Und was suchen deutsche Frauen? Nun, vor allem weiterhin deutsche Männer; laut Statistischem Bundesamt haben zwischen 1991 und 2009 insgesamt weniger deutsche Frauen einen ausländischen Mann geheiratet als umgekehrt, und wenn sie einen Nicht-Deutschen geheiratet haben, dann meist einen US-Amerikaner, also einen, der sehr ähnlich tickt wie der Deutsche. Partneragenturen, die mit der Vermittlung ausländischer Männer an deutsche Frauen Geld verdienen, sucht man vergebens.

Worüber man kurz vor Schluss noch nachdenken könnte: In den letzten Jahren gingen immer weniger deutsch-deutsche Ehen in die Brüche, dafür ließen sich immer mehr Deutsche von einer Ausländerin scheiden.

Denn natürlich gibt es deutsche Männer, die glauben, eine osteuropäische oder thailändische Frau sei ihre persönliche Verfügungsmasse – und das geht in der Regel schief, sagt Svenja Gerhard. Die Juristin und Familientherapeutin arbeitet beim Verband binationaler Familien und Partnerschaften. Nach ihrer Erfahrung
scheitern diese Ehen, weil die Frauen in ihrer neuen Heimat selbstbewusster und schließlich flügge werden. Sie überlegen sich dann, »was ihnen am Leben gefällt oder nicht gefällt«.

Die deutschen Ehemänner können in so einem Fall schnell umdisponieren: Wenn die Ehe innerhalb der ersten beiden Jahre scheitert, greift Paragraf 31 des Aufenthaltsgesetzes – stammt die Frau aus einem Nicht-EU-Land, wird sie ausgewiesen.

Anmerkung: Der einleitende Absatz dieses Artikels wurde am 19.07.2011 auf Wunsch der darin vorgestellten Personen gestrichen.


Seite 1 2 3
Karoline Amon

hat sich auch mit Frauen getroffen, die von ihren Männern für eine Osteuropäerin verlassen wurden. Zweierlei fand sie dabei bemerkenswert: Nicht der Mann war in den Augen der Frauen schuld, sondern die Neue. Und es fielen Sätze wie: »Die besuchen bestimmt in Moskau Kurse ›So angle ich mir einen reichen Deutschen‹.«

  • Familie

    Schmink dich ab, Papa!

    Der Vater tritt auf einer Karnevalssitzung als »lustiger Afrikaner« auf – mit schwarz angemaltem Gesicht. Der Sohn findet das peinlich und rassistisch. Ein Familiengespräch über Blackfacing.

    Von Jona Spreter
  • Anzeige
    Familie

    Bleibt doch noch

    Während im Nebenzimmer Umzugskartons gepackt und Poster abgerissen werden, fragt sich unser Autor: Müssen sich Eltern und Kinder denn wirklich trennen?

    Von Jo Lendle
  • Familie

    Eine Familie beendet ihr Schwarz-Weiß-Denken

    Im Schüleraustausch in den Südstaaten der USA erlebte Rebekka Endler ihre weißen Gasteltern als erzkonservativ und streng gläubig. Mit Schwarzen hatten sie nichts am Hut. Jahre später erfährt sie, dass das Paar seine Kirchengemeinde verlassen und zwei schwarze Kinder adoptiert hat.