aus Heft 35/2011 Kinder 7 Kommentare
Müdebinichgehzurruh
Seite 2: »Disziplin ist für erfolgreiche Erwachsene sehr wichtig«
Von Meredith Haaf Foto: Jens Lumm / photocase.com»Wir stellen fest, dass es eine neue Generation von Müttern gibt«, sagt Christiane Mahler-Scharf. Ihre Agentur Nanny 4 your Kid vermittelt seit 2007 Familienpersonal, Nannys vor allem, aber immer häufiger auch maternity nurses. Viele dieser Mütter wollen oder können keine ausgedehnte Erziehungszeit nehmen, weil sie selbstständig sind oder große Verantwortung in Unternehmen tragen. Das ist ein Grund, warum man jetzt öfter davon hört, dass Kinder mit der Hilfe eines Profis schon in den ersten Monaten die Sache mit dem Ein- und Durchschlafen lernen. Der andere: Die Männer dieser Frauen sind mindestens genauso eingespannt in ihre Berufe, sie können oder wollen die Betreuung ihrer Babys offenbar kaum übernehmen. Während sich also immer mehr Frauen einerseits beruflich und finanziell absolut gleichberechtigt nennen dürfen, klafft im Privatleben eine Lücke. Die Frauen gehen hinaus in die Berufswelt, aber die Männer kommen deswegen nicht nach Hause. Zu Hause ist wie so oft eine Frau – aber diesmal eine, die als Familienarbeiterin bezahlt wird.
Bei dem dauernden Reden über Schlaf geht es aber nicht nur um den chronischen Mangel von jungen Eltern, sondern auch darum, wie gut man sein Kind und dessen Gewohnheiten bereits im Griff hat. »Wenn Eltern heute stolz sagen, dass das Kind durchschläft und alle vier Stunden isst, dann ist das auch eine Metapher für Disziplin«, sagt die Historikerin Miriam Gebhardt, »und Disziplin ist für erfolgreiche Erwachsene wieder sehr wichtig.« Deswegen legen viele Eltern heute wieder Wert darauf, dass ihre Kinder schon früh zu festen Zeiten ins Bett gehen, mit einem festen Ritual – Zähneputzen, Schlafanzug, Gute-Nacht-Lied –, das jeden Abend eingehalten werden muss, damit das Kind ja nicht aus dem Rhythmus gebracht wird. Raum für Spontaneität bleibt für die Erwachsenen da wenig; für viele junge Eltern ist der Gedanke inzwischen unvorstellbar, die Kinder mit auf eine Party zu nehmen und dort schlafen zu legen, oder einfach mal länger spielen zu lassen, während sie ein Glas Wein trinken.
Miriam Gebhardt hat für ihr Buch Die Angst vor dem kindlichen Tyrannen die Geschichte der frühkindlichen Erziehung untersucht, und sie stellt fest, dass wir heute stärker als je zuvor an der Vorstellung einer optimalen Säuglingserziehung hängen. Für sie ist das Erziehungsideal der Siebzigerjahre, in denen sich Kinder ganz selbstständig und frei entwickeln sollten, nur eine unmerkliche Zäsur in einer langen Tradition der Kleinkind-Kontrolle. Und da kommt die soziale Abgrenzung ins Spiel. »Erziehung war dafür immer schon ein Mittel.« Die bürgerlichen Eltern im frühen 20. Jahrhundert setzten sich von der Fremdbetreuungspraxis des Adels ab, indem sie sich selbst ausgiebig um ihre Kinder kümmerten, und sie distanzierten sich vom unzivilisierten Proletariat, indem sie sich streng an die Wachstums-, Ernährungs- und Schlaftabellen ihrer Zeit hielten. »Das Thema Erziehung kommt heute wieder ständig auf, wenn es eigentlich um soziale Probleme geht«, sagt Gebhardt, »da werden wieder moderne Schauermärchen populär wie die verwahrlosten Kinder der Super-Nanny.« Kinder, die keine Regeln, keine Grenzen, keine festen Mahlzeiten und letztlich auch keine Erfolge kennen. Kinder, zu denen der Staat seit Neustem die sogenannten Familienhebammen schickt, Frauen, die durch regelmäßige Besuche schon ab der Geburt dafür sorgen sollen, dass die Erziehung in den Unterschichten nicht zu stark aus der Bahn gerät.
Die einen holen sich eine Erika Wüchner ins Haus, um für Ordnung beim Baby zu sorgen, bei den anderen erledigt das der Staat. Man grenzt sich wieder gern ab, und bei der Erziehung zu Pünktlichkeit und Regelmäßigkeit lässt sich das besonders gut zeigen.
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Und die Menschen dazwischen? Christiane Mahler-Scharf sagt, bei ihrer Agentur steige die Nachfrage, und auch Starfamily bestätigt die Tendenz, dass die maternity nurse kein reines Oberschichtenphänomen mehr ist. Obwohl die Nachfrage kaum gedeckt ist, eröffnet Mahler-Scharf 2012 ihre Nanny-Akademie am Starnberger See. Erika Wüchner wird dort Fortbildungsseminare geben.
Das berühmte afrikanische Sprichwort sagt, es brauche ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen. Christiane Mahler-Scharf sagt: »Das Mütterbild wandelt sich. Es wird normal, dass Frauen sich professionelle Unterstützung für die Pflege ihrer Kinder suchen.« Wo kein Dorf ist, braucht man eben ein Unternehmen, um ein Kind zu erziehen.
Mütter, die sich das nicht leisten können, investieren Zeit und Mühe in ihre Strukturen. So wie Anne. Sie schwärmt davon, wie gut Milan heute durchschläft, sie hat den Kampf hinter sich. Anderen Müttern glaubt sie mittlerweile kein Wort mehr, wenn sie von den tollen Schlafgewohnheiten ihrer Kinder schwärmen: »Bei dem Thema wird viel gelogen.« Doch wie das bei Veteranen harter Kämpfe üblich ist, hat auch Anne einen Triumph, auf den sie stolz ist: »Das Einschlafritual haben wir schon nach sechs Wochen eingeführt.« Zu dieser Zeit schaukeln und tragen andere Eltern ihre Kinder noch in den Tiefschlaf, doch Anne legte Milan wach ins Bett, genau wie man es in jedem Ratgeber nachlesen kann. Sie oder ihr Mann singen dem Kleinen seitdem jeden Abend um dieselbe Uhrzeit dasselbe Lied vor, dann schläft er ein. »Wenn es Abweichungen von der Routine gibt, dann geht das Gezeter sofort los, das haben wir gemerkt.« Die Eltern sind natürlich die Einzigen, die Milan ins Bett bringen können. Ihr Kind abends mit ins Restaurant oder zu Freunden zu nehmen, ist keine Option – denn wer weiß, ob er dann noch einschläft?
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23 Uhr 17
das haben Sie schön gesagt und
auf den Punkt gebracht. Wie in
meinem Post von 5-9 gesagt: Es
ist halt ein neues Geschäftsmodell,
das blühen muss....alldieweil
maternity nurse (welch ein
absurder, verschmockter Begriff),
Frau Wüchner demnächst in
sämtlichen Talkrunden werben und
ihr Buch vorzeigen möchte....;-))))
Zu dem von Ihnen angesprochenen
"eigenen Instinkt" für Kinder: Den
hatte sogar ich, obwohl "nur"
Vater. Auf jenen Instinkt habe ich
mich bei der "Erziehung" (welch ein
dummer Begriff) meiner Tochter
stets verlassen...und, umgekehrt,
meine Tochter für ihren Apa,
ebenfalls....;-))))) Fazit: In
einigen Tagen wird meine Tochter
19, und wir verstehen uns bestens.
00 Uhr 46
Tags mag eine Unterstützung sicher Sinn bringen.jedenfalls aber ist es wichtig , eine diskrete u verschwiegene Unterstützung zu haben. Frau Wüchner erzählt in dem Artikel den Namen ihrer prominentesten Kunden. Schon komisch. Und wir haben von Freunden gehört, dass sie nicht nur die Namen , sondern offenbar leider auch viele Internas der Familien offenbart. Daher verlassen wir uns auf den eigenen Instinkt !! Das reicht unserer Kleinen Maus vollkommen .
09 Uhr 59
Der Bericht ist leider weder interessant noch hilfreich, höchstens für Leute ohne Kinder, die dann denken "ach ja, so einfach ist das, warum jammern die Eltern nur so,.."
09 Uhr 49
04 Uhr 53
Indes kann ich nicht einschätzen,
ob es bei uns beispielhaft gewesen
war: Meine Tochter, inzwischen
18, eigenwillig, dabei "diszipliniert",
erinnert sich bis heute daran: Als
Baby schlummerte sie abends
zufrieden ein, mit einem Schlafliedle
und Vorlesen aus ihrem
Lieblingsmärchen "Sterntaler":
Weil sie sich geborgen fühlte. Dazu
brauchte ich kein Ratgeberbuch,
geschweige eine "maternity nurse".
Als meine Tochter zwei, drei Jahre
war, gingen wir täglich in den
Garten, um zu gucken, was
dort so los ist. Dann
gemeinsames Kochen,
Mittagessen Mittagsschläfle.
Besuch bei Oma (Omas
sollten - in diesem
Zusammenhang - nicht hoch
genug gelobt werden, die
meisten Omas habens
besser drauf, als eine
"maturnity nurse").
Danach konnte ich mich meiner
Arbeit widmen. Fazit:: So
einfach kann es sein, mit der
"Erziehung" eines Kindes,
ganz ohne eine ?maternity
nurse"..;-))) (Frau Wüchner
wünsche ich trotzdem
Erfolg beim neu entdeckten
Geschäftsmodell ;-))
02 Uhr 13
21 Uhr 31