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Neue Fotografie 08. Dezember 2011

Der Besuch der alten Dame

Marc Baumann (Interview) 

Wir stellen Ihnen jede Woche junge, talentierte Fotografen vor. Diesmal: Eike Schleef, der mit seiner Bildserie »Merry Christmas and a Happy New Year« bürgerliche Feiertagsrituale persifliert.

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Name:
Eike Schleef
Geboren: 1981 in Hamburg
Ausbildung: Ausbildung zum Fotografen am Photo+Medienforum Kiel, Fotoassistenz in Hamburg
Homepage: http://www.eike-schleef.com/

Herr Schleef, ein junger und fast nackter Mann als Spielzeug einer alten Dame - wie kommt man auf diese Idee?
Eike Schleef: Das ist nur eine mögliche Interpretation. Es soll offen bleiben, ob der Mann tatsächlich existiert. Vielleicht ist die Dame einsam, träumt von Jugend und Liebe. Vielleicht bezahlt sie ihn aber auch für seine Anwesenheit, oder er ist eine künstliche Spielfigur. Ich wollte mit der Fotostrecke weg von den üblichen Bildern, die man zur Weihnachtszeit zu sehen bekommt. Es ist eine Art Weihnachtsparodie.

Das klassische Fotografenobjekt ist der schöne und junge Körper - der alte und alternde Körper wird eher versteckt, ausgeblendet oder retuschiert. Hier hatten sie beide zugleich vor der Kamera. Wie ist ihr Verhältnis als Fotograf zu Falten, zur Schönheit und dem Alter?
Ich mag Falten, Segelohren, krumme Nasen und schiefe Zähne. Nur ist das in der Mode und der Werbung kaum gefragt - außer es gehört zum Konzept. Ich hatte früher mal den Fehler gemacht, bei einer Beauty-Retusche ein paar kleine "Fehler" stehen zu lassen. Sofort wurde ich von allen Seiten kritisiert - übrigens zu Recht. Wer will eine Faltencreme kaufen, die nicht funktioniert? Wenn man in diesem Bereich arbeitet, geht es um die Illusion, um die übertriebene Perfektion. Das muss man akzeptieren, dann ist es eine Herausforderung, die Spaß machen kann.

War Ihren Models, dem halbnackten jungen Mann und der älteren Dame, die gemeinsame Arbeit an Ihrer Fotostrecke "Merry Christmas and a Happy New Year" unangenehm?
Vor allem Ingrid hatte viel Spaß bei den Aufnahmen. Sie ist mit über 70 Jahren mit ihrem Mann vor einigen Monaten mitten auf den Kiez in St. Pauli gezogen, weil ihnen das Leben im Vorort zu langweilig war. Michael ist ein professionelles Model. Für ihn war es spannend, mal etwas eher ungewöhnliches zu machen. Ich hatte einen sehr lustigen Tag mit den Beiden.

Ihre aktuelle Arbeit hat einen ernsteren Hintergrund, mögen Sie kurz von ".hiv" erzählen?

Ich plane eine Porträt-Serie mit über 80 Personen aus der ganzen Welt. Ein Freund von mir hat ein tolles Projekt ins Leben gerufen, bei dem mit Hilfe von Spenden von Internet-Usern Geld für Aids-Hilfsorganisationen gesammelt werden sollen. Das Projekt heißt dothiv.org und wird so funktionieren, dass jede Internetseite zusätzlich zu .com oder .de, die Top-Level-Domain .hiv beantragen kann. Wenn dann etwa google.hiv genutzt wird, spendet der Seiten-Betreiber jedes Mal einen kleinen Betrag. Mit meinen Portraits möchte ich sein Projekt unterstützen. Das Logo besteht aus über 80 einzelnen Pixeln, jedes davon soll ein Gesicht bekommen.

Styling: Sarah Elsayed
Hair/MakeUp: Daniela Plesser


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