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aus Heft 04/2012 Fotografie 1 Kommentar

Hier sitzt das Geld

Die Künstlerin Jacqueline Hassink fotografiert die Vorstands-Konferenzräume europäischer Konzerne: Es sind die Thronsäle des modernen Kapitalismus.

Fotos: Jacqueline Hassink

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Eigentlich gibt es auf diesen Fotos nichts zu sehen – außer jeweils einen Raum, einen großen Tisch und viele Stühle. Fügt man diesen Räumen aber die Namen der größten europäischen Konzerne hinzu wie etwa Allianz, Siemens, Shell, Volkswagen oder ThyssenKrupp, schaut man beim zweiten Blick genauer hin. Denn in diesen Konferenzräumen treffen sich die CEOs und CFOs, die Konzernlenker und Global Player, die Bosse der Bosse. Hier werden Entscheidungen getroffen, die Hunderttausende Arbeitnehmer betreffen, hier werden Preise für Benzin und Diesel besprochen, hier entscheidet sich, wann der neue Golf auf den Markt kommt und welche Staatsanleihen kaufwürdig sind und welche nicht. Deshalb sind das auch nicht nur Räume mit Tischen und Stühlen, es sind Symbole. Symbole für Einfluss, für Verantwortung und Kontrolle, für Reichtum und Besitz – kurz: für Macht.

Tables of Power 2 nennt die niederländische Künstlerin Jacqueline Hassink ihr Projekt, für das sie in den beiden vergangenen Jahren quer durch Europa reiste und die führenden europäischen Unternehmen bat, jeweils Fotos von den Konferenzräumen des Firmenvorstands machen zu dürfen. »Jeder Raum hat seine eigene Identität, jedes Detail lässt Rückschlüsse auf die Eigenwahrnehmung der Unternehmen zu. Das ist faszinierend«, sagt Hassink.

Bei Royal Dutch Shell, dem umsatzstärksten Mineralölkonzern der Welt, hängen zum Beispiel die Porträts ehemaliger Vorstandschefs an der Wand, die Stühle sind gemäß dem weltweit bekannten Firmenlogo mit rotem Leder überzogen, nur ein Stuhl ist gelb, der des amtierenden CEOs Peter Voser. Aber es geht auch etwas pompöser: Der Vorstand der französischen Bank BNP Paribas konferiert in jenem Raum, in dem Napoleon Bonaparte im Jahr 1796 Joséphine de Beauharnais heiratete; an der Wand ein Teppich mit dem Titel Die Ermordung Julius Caesars, 44 v. Chr. Die schweren Kronleuchter verschwinden per Knopfdruck in der Decke, wenn eine Projektionsleinwand herunterfährt. »Dazu bilden die Konferenzräume der führenden deutschen Unternehmen einen Kontrast«, sagt Hassink. Bestes Beispiel: ThyssenKrupp. Ein rechteckiger dunkelbrauner Holztisch auf breiten Stahlstützen, acht mit schwarzem Leder überzogene Stühle und der Blick durch viel Glas auf das Stammhaus der Krupps. »Minimalistisch, aber sehr modern«, sagt Hassink, »die Deutschen mögen es eben bescheidener.«
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Kommentare

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  • Christoph Franke (0) Eine schöne Fotoserie, interessant wie unterschiedlich es zugeht. Ich würde mir etwas mehr Geschmack in manchen Räumen wünschen, das würde die Entscheidungen nach meiner Einschäzung unterstützen. Sehr schade finde ich die Bildunterschrift beim Raum von Thyssen. "typisch deutsch..." heißt es da, "Regenwasser, das auf die Hausfassade trifft, wird aufgefangen und weiterverwendet." Meine Meinung: Das ist ökonomisch wertvoll und fantastisch für ein Industrieunternehmen. Sollen wir uns dafür jetzt als Deutsche schämen? Seien wir doch Stolz auf Intelligenz und Umsetzung! :-)