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aus Heft 12/2012 Stars 2 Kommentare

»Mit einem Baby ist man wieder jung«

Charlotte Gainsbourg ist berühmt als Tochter, Schauspielerin und Sängerin. Nun ist ihr drittes Kind geboren – hier spricht sie über ihren Wunsch, die Zeit anzuhalten.

Von Michèle Roten (Interview)  Fotos: dpa (2)



Charlotte Gainsbourg ist gerade 40 geworden, hat die CD »Stage Whisper« herausgebracht, in der Jury der Berlinale gesessen und ihr drittes Kind bekommen. Die Tochter von Jane Birkin und Serge Gainsbourg hat zwei Halbschwestern, die von anderen Vätern sind.

SZ-Magazin: Frau Gainsbourg, als ich dem Taxifahrer eben erzählte, dass ich Sie treffe, sagte er: »Ach, Charlotte Gainsbourg. Alle Männer in Frankreich sind verliebt in sie, alle Frauen wollen sein wie sie.«
Charlotte Gainsbourg:
Oh, das ist sehr schmeichelhaft.

Sie sind der Inbegriff der Französin. Können Sie mir etwas über diesen Mythos der französischen Frauen erzählen?
Ja, sie haben wirklich weltweit einen unglaublichen Ruf. Aber ich weiß nicht, ob der zeitgemäß ist, ob wir ihm noch gerecht werden. Eleganz gehörte ja dazu, eine gewisse künstlerische Attitüde, St. Germain. Ich glaube, es ist nicht mehr so.

Und doch, wenn ich durch Paris spaziere, sehe ich unglaublich viele elegante Frauen. Und sie sind es auf eine sehr entspannte, fast nachlässige Art.
Natürlich, verglichen mit amerikanischen Frauen zum Beispiel. Die stecken ja sehr viel Arbeit in ihr Äußeres. Ich finde es persönlich etwas over the top, ich mag Natürlichkeit lieber. Französische Frauen sehen gern gut aus, aber sie bemühen sich nicht so sehr. Ich weiß nicht, wie es in Deutschland ist.

Da geht es oft um Bequemlichkeit. Viele Frauen haben zum Beispiel keine Lust, sich einen ganzen Tag in High Heels anzutun. Zu anstrengend.
Aha?

Wie französisch sind Sie eigentlich? Wie stark war der englische Einfluss Ihrer Mutter Jane Birkin?
Ich habe mich immer sehr angezogen gefühlt von der englischen Kultur, aber primär bin ich Französin. Französisch ist meine Muttersprache, ich fühle mich authentischer in Frankreich.

Sprach Jane Birkin immer Französisch mit Ihnen?

Ja, mit vielen Fehlern. Mein Vater verstand kein Englisch, und er wollte nicht, dass wir eine Geheimsprache haben.

Haben Sie Der Konflikt von Elisabeth Badinter gelesen?

Nein.

Darin beschreibt sie französische Frauen als Mütter, die sich weniger von diesem Zwang zur Natürlichkeit beeindrucken lassen als Frauen anderer Nationen. Sie haben weniger Hemmungen, nicht zu stillen, gehen sehr schnell wieder arbeiten nach der Geburt. Wie war das bei Ihnen?
Ich bin natürlich sehr privilegiert. Wenn ich arbeite, arbeite ich zwar viel, aber ich habe immer wieder Phasen, wo ich mich ausschließlich den Kindern widmen kann. Vor sechs Monaten hab ich mein drittes Kind gekriegt. Jetzt bin ich glücklich, dass ich mich einfach zurückziehen konnte. Aber noch mal, es ist eine privilegierte Situation: Ich muss nicht arbeiten, geldmäßig. Also kann ich ruhig warten, bis ein gutes Projekt kommt.

Wenn Sie arbeiten, nehmen Sie das Baby dann mit?

Ja, das habe ich schon mit den anderen Kindern so gemacht. Es hängt vom Film ab – zu Sachen wie Antichrist nehme ich sie nicht mit. Aber bei meinen Konzerten sind sie die meiste Zeit bei mir, ich muss nur ein bisschen schauen wegen der Schulferien. Meine anderen Kinder sind ja schon groß, 14 und neun.

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Und dann noch eine Nachzüglerin. Ein großer Abstand!
Ich mag große Abstände.

Wie stark definiert Sie das Muttersein?
Ich mag es nicht, mich zu definieren. Ich habe ein Problem damit, mich als Sängerin zu sehen, genauso schwierig finde ich das Label Schauspielerin oder eben Mutter. Ich bin, wer ich bin, dank meiner Kinder. Sie haben meine Sicht auf die Welt verändert.


Wie?

Als mein Vater starb, war ich lange, lange Zeit am Boden. Dann kam mein Sohn auf die Welt, und ich konnte mich erstmals wieder auf das Leben konzentrieren. Mein Partner sagt auch, mein Gesicht habe sich dadurch verändert. Es sei offener geworden.

Aber geheiratet haben Sie bisher nicht. Warum?
Es gibt einfach keinen Grund für uns. Das Konzept bedeutet mir nichts. Ich wurde nicht dazu erzogen, vom weißen Kleid zu träumen, von der Zeremonie, im Gegenteil, Hochzeiten machen mich traurig.

Wieso traurig?
Ich denke immer, wie ist wohl der nächste Morgen? Man wacht auf nach der Party und: Wir sind verheiratet. Entsetzlich. Vielleicht hat es aber auch mit Aberglauben zu tun – es läuft so gut bei mir und meinem Partner, dass ich nichts ändern möchte.

Lesen Sie Erziehungsratgeber?
Nein, ich bin schlecht im Erziehen. Ich versuche eher, Dinge zu vermeiden. Zum Beispiel Fernsehen, Computer, Kaufzwang, all diese Sachen heutzutage, mit denen wir als Erwachsene einigermaßen umgehen können, aber für Kinder … Ich weiß nicht, auch Facebook und so – mir macht das Angst. Für die Kinder ist es natürlich ganz normal, aber ich bin misstrauisch. Ich bin altmodisch. Ich hänge an dem Gedanken, dass man miteinander redet und Bücher liest. Ich versuche also, sie davon abzuhalten, scheitere aber natürlich.

Was ist das Wichtigste, was ein Mädchen heute lernen muss?
Ich glaube, Mädchen sollten wissen, dass es Frauen nicht leicht hatten, dahin zu kommen, wo sie heute sind. So lernen sie auch, worauf sie ein Anrecht haben, worauf sie bestehen können.

Kommentare

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Kommentar:

  • Therese Well (1) Am Besten sind die beiden letzten Sätze.
  • Sofia Pelzl (0) Ein wunderbares Interview!