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aus Heft 14/2012 Aus dem Magazin

Brett Piet

Thomas Bärnthaler  Fotos: Monika Höfler

So schön, dass sie es ins Museum geschafft haben: Mit Möbeln aus Altholz ist der Holländer Piet Hein Eek zum Designstar geworden. Besuch bei einem, der viel mehr ist als nur ein Recycling-Held.

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Irgendetwas kommt einem hier bekannt vor in Piet Hein Eeks Verkaufshallen im holländischen Eindhoven: Besucher stromern durch Möbelwelten, lassen sich federnd in Betten fallen, gehen an Küchenzeilen vorbei oder begutachten staunend die Schließtechnik von Kleiderschränken. Kinder tollen umher. Paare planen mit rudernden Armbewegungen ihr junges Wohnglück. Hier gibt es alles, von der Nachttischlampe bis zum Festtagsgeschirr. Auch ein Restaurant gleich neben den Verkaufshallen, in das man einkehren kann, falls man vom vielen Bummeln in Unterzucker gerät. Und über allem liegt der süßliche Duft von Sägemehl.

Und doch könnte Piet Hein Eeks – ja was eigentlich?– Manufaktur, Operationsbasis, Erlebniskaufhaus nicht weiter weg sein von jenem schwedischen Warenhaus, das die Welt um preiswerte Einwegmöbel bereichert hat. Der holländische Designer geht den entgegengesetzten Weg – seit über 20 Jahren macht er Möbel aus dem, was andere entsorgen: Altholz, Industriereste, ausrangierte Türen oder rostige Fahrradrahmen.

Schroff sehen sie aus, irgendwie ungehobelt und doch von einer ganz eigentümlichen Schönheit und Würde: Stühle aus bunten Holzplanken, Kommoden mit Porzellanschüben, verwitterte Patchwork-Schränke und raumfüllende Lüster aus Vintage-Glaslampen. Einige Stücke haben es schon bis ins Museum of Modern Art in New York geschafft, viele erzielen bei Sammlern hohe Preise.

»Eek-Möbel sind modern, ohne modisch zu sein, kraftvoll und poetisch«, sagt Birgit Lakke, eine von fünf Möbelhändlern in Deutschland, die seine Produkte vertreiben. Zwar gebe es auch immer wieder Hobbytischler in ihrem Laden, die sich über die sichtbaren Schrauben und unbearbeiteten Kanten mokieren, doch: »Ich habe aufgegeben, mich darüber aufzuregen.«

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Eek lässt alles bei sich in der angeschlossenen Manufaktur herstellen, jedes Stück ein Unikat. Was den Lärmpegel erklärt, der hier herrscht, auch in seinem Büro. Es ist ein stetiges Fräsen, Kreissägen und Hämmern. Eek, Mitte 40, sitzt an einem kleinen Schreibtisch wie ein Handwerker, der gerade aus dem Bett aufgestanden ist, und erzählt davon, warum er hier in diesem alten Industrieareal nahe dem Eindhovener Zentrum sein Glück gefunden hat: »Wenn es dir gut gehen soll, musst du dir eine Umgebung schaffen, die dich inspiriert. Ich habe hier alles unter einem Dach: Design, Produktion, Vertrieb und Laden. Diese einfache Struktur ermöglicht völlige Kontrolle darüber, was wir machen und wie viel. Keiner redet uns rein. Wir wissen genau, was wir wollen, wir wissen nur nicht immer, was dabei herauskommt.«

Schaut man durch die hohen Fabrikfenster, sieht man Bauarbeiter in Regenmänteln durch Morast stapfen. Bagger heben Baugruben aus. Hier sollen Wohnkomplexe entstehen. »Sie bauen um uns herum Häuser für unsere künftigen Kunden. Wunderbar«, sagt Eek. Er selbst richtet sich gerade ein leer stehendes Gebäude in Sichtweite ein. »Ich sehe keinen Sinn darin, weit weg von meiner Arbeit zu wohnen. Wenn ich fertig bin, lasse ich meine Frau entscheiden, ob sie hierher will.«

Vor einem Jahr erst ist er mit seinen rund 90 Mitarbeitern in diesen alten Klinkerbau gezogen, in dem einst der Elektrokonzern Philips sein Keramikwerk betrieb, bevor er es in ein Billiglohnland verlegte. Und so wie Eek allem, was andere nicht mehr brauchen, eine zweite Chance gibt, so hat er auch dieses ausgediente Gebäude zu neuem Leben erweckt. Er hat einfach fast alles so gelassen, wie es war, und seine Möbel hineingestellt. Von den Verkaufsräumen im ersten Stock kann man hinunterschauen in die Werkshallen, wo Männer an Schränken hantieren oder Holz zuschneiden. »Die Menschen wollen heute wissen, wie was hergestellt wird und wo«, sagt er, »wir haben unsere Prozesse so optimiert, dass wir nicht in Billiglohnländern produzieren müssen und trotzdem gute Preise anbieten können.«

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Monika Höfler

musste Piet Hein Eek beim Fototermin immer wieder ans Telefon oder zu Führungen mit Kunden entlassen. Dass der Holländer, Chef von rund 90 Mitarbeitern, ein Workaholic ist, merkte Höfler auch daran, dass er dann während des Shootings sehr entspannt wirkte. »Nicht dass er wegdämmerte, aber man sah, dass ihn das Stillsitzen für das Foto in eine Art unverhofften Ruhezustand versetzte, die Augen hingen manchmal schon auf Halbmast.«