• Abo

    Angebote

    • SZ Plus
    • SZ Print
    • Studenten-Rabatt
    • Leser werben Leser
    • Vorteilswelt

    Service

    • Meine Daten
    • Umzug
    • Urlaub
    • Nachsendung
    • Zustellreklamation
    • FAQ
  • Anzeigen

    Immobilienmarkt

    • Miet- und Kaufobjekte finden und anbieten

    Stellenmarkt

    • Stellenangebote für Fach- und Führungskräfte

    SZ-Gedenken

    • Traueranzeigen, Gedenken und Nachrufe

    Reiseangebote

    • Individualreisen vergleichen und buchen

    Weitere Angebote

    • Kaufdown
    • Bildungsmarkt
    • Ladenwelten
    • Maps
    • Branchenbuch
    • Anzeigen buchen
    • Meine Anzeigen
    • Mediadaten
bedecktMünchen 22°
Anzeige
Anzeige

aus Heft 16/2012 Außenpolitik

Der Bürgermeister der Hölle

Michael Obert  Fotos: Jan Grarup

Bis vor Kurzem betrieb Mohamoud Ahmed Nur ein Internetcafé in London. Jetzt will er die gefährlichste Stadt der Welt retten: Mogadischu.

Bitte warten, die Bildergalerie wird geladen...

Anzeige
Fotos: Jan Grarup (noor photo agency and foundation)


Gewehrkugeln haben die Mauern zerfressen, Granaten die Fassade aufgerissen. Das Dach: weggebombt. Vor den höhlenartigen Öffnungen der dreistöckigen Ruine im Zentrum von Mogadischu gehen Soldaten mit Schnellfeuergewehren in Stellung. Sie sollen den Mann schützen, der an diesem Morgen Ende Februar im dunklen Anzug zwischen Granattrichtern im Hof steht und lächelt. Das ehemalige Regierungsgebäude werde wieder aufgebaut, sagt er, und in den neuen Büros würden Mitarbeiter der Stadt schon bald wieder ihren Dienst verrichten.

Dann fallen Schüsse. Haben sich Attentäter in der Ruine versteckt? Aufständische Islamisten? Die Soldaten reißen ihre Waffen von der Schulter, bilden einen schützenden Kreis um den Mann und drängen ihn in einen schwarzen Geländewagen. Zur Verstärkung rasen Pick-ups mit aufgebockten Maschinengewehren heran, auf den Ladeflächen hantieren Soldaten in Kampfanzügen mit Kalaschnikows, Panzerfäusten, Granatwerfern. Reifen drehen durch. Steine fliegen durch die Luft. Und der Konvoi jagt in einer Staubwolke davon.

»Der Tod kommt, wenn er kommt«, sagt Mohamoud Ahmed Nur wenig später und lässt sich auf den Lederstuhl in seinem Büro fallen. »Wenn du Angst hast, kannst du in Mogadischu nichts bewegen, mit Angst kannst du diese Gesellschaft nicht verändern.« Bis vor Kurzem führte der 57-Jährige mit dem grauen Kinnbart ein Internetcafé in der Seven Sisters Road im Norden Londons. Jetzt führt er eine der gefährlichsten Städte der Welt. Als Bürgermeister von Mogadischu, der Hauptstadt Somalias.

Nach über 20 Jahren Bürgerkrieg und Häuserkampf sieht das »Stalingrad Afrikas« aus wie eine gewaltige archäologische Grabungsstätte. Zweieinhalb Millionen Menschen fristen ein Dasein in Ruinen. Ohne Strom, ohne sauberes Trinkwasser, ohne Müllabfuhr und ausreichende medizinische Versorgung. In einer Stadt, in der man beim Gemüsehändler um die Ecke für ein paar hundert Dollar eine Panzerfaust kaufen kann und ausgefranste schwarze Flecken die letzten Bombenanschläge markieren. Alle paar Minuten krachen Schüsse.

Anzeige


Als Bürgermeister gehört Nur zu einer Übergangsregierung, die zwar international anerkannt ist, aber nicht einmal 20 Prozent des Landes kontrolliert. Und das nur mithilfe der afrikanischen Friedensmission Amisom. 12 000 bis an die Zähne bewaffnete Soldaten aus Uganda und Burundi liefern sich blutige Gefechte mit al-Shabaab, einer islamistischen Miliz, die sich kürzlich offiziell mit dem Terrornetzwerk al-Qaida verbündete und weite Teile Somalias kontrolliert.

Wer etwas dagegen hat, dass al-Shabaab Bomben unter Marktstände legt, Kinos in die Luft jagt, Frauen steinigt und Dieben, Musikern oder Fußballern die rechte Hand und den linken Fuß absägt, landet auf der Abschussliste ihrer Killerkommandos. Ganz oben: Bürgermeister Nur. Mit zwei Dutzend Bodyguards, einem Monatsetat von 150 000 Dollar, ein paar Computern und drei Olivetti-Schreibmaschinen will er Mogadischu, das Höllenloch am Horn von Afrika, retten. Oder sterben.

Als ihm der somalische Präsident, ein Weggefährte aus Jugendzeiten, vor anderthalb Jahren den Job anbot, versammelte Nur seine Frau, sechs Kinder und acht Enkelkinder in der kleinen Mietwohnung in London, wohin er 1993 vor dem Krieg in Somalia geflohen war. Er erklärte ihnen, dass er von seiner Mission womöglich nicht zurückkehren werde: »Vielleicht hört ihr in den Nachrichten bald, dass der Bürgermeister von Mogadischu erschossen wurde.«



Die Fotos unserer Cover-Geschichte stammen vom dänischen Fotografen Jan Grarup. Es war nicht seine erste Reise nach Somalia. In diesem Video spricht er über seine Arbeit - und über den Spagat zwischen Nähe und Distanz, den es braucht, um Menschen in Krisengebieten zu porträtieren.

Michael Obert und Jan Grarup

sind gewohnt, sich in feindlicher Umgebung zu bewegen. Dennoch staunten sie, wie wenig willkommen sie in Mogadischu waren. Ein islamischer Attentäter, den sie gleich nach ihrer Ankunft im Gefängnis trafen, begrüßte sie mit den Worten: »Wenn ich euch auf der Straße treffen würde - ich würde euch erschießen.«

Seite 1 2 3 4 5 6
  • Außenpolitik

    Auf Droge

    Das US-Militär verordnet traumatisierten Soldaten maßlose Tablettenkuren. Die Geschichte eines stolzen Marines, der inzwischen oft vergisst, die Zähne zu putzen.

    Matthias Fiedler
  • Anzeige
    Außenpolitik

    Der Tod kommt mit dem Wind

    Die Sojabohne half Argentinien aus der Krise. Doch nun sind verdächtig viele Einheimische krank oder gestorben - vermutlich wegen der Spritzgifte. Die Soja-Industrie will davon nichts wissen.

    Peter Burghardt
  • Außenpolitik

    Eine Stadt kämpft um ihre Seele

    Fußball-Weltmeisterschaft 2014. Olympia 2016. Brasilien dreht auf - und Rio dreht durch: Die Immobilienpreise haben sich vervierfacht, Favelas werden mit Waffengewalt erobert und Strände zu spaßfreien Zonen gemacht. Stürmische Zeiten für eine der aufregendsten Städte der Welt. Wir haben elf Persönlichkeiten versammelt, um mit ihnen über die Zukunft ihrer Heimat zu reden. Rio - ein Stadtgespräch.

    Tobias Haberl, Andread Bernard und Peter Burghardt (Interview)