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aus Heft 18/2012 Tiere/Pflanzen

Na, du Sau?

Till Krause  Fotos: Toshiteru Yamaji

Massentierhaltung? Schweinerei! Zum Glück gibt es auch Bauern, die ihre Tiere behandeln, wie es sich gehört - mit Respekt und, ja, Liebe. Eine fabelhafte Geschichte aus Japan.

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Der Mann auf diesen Bildern heißt Hiroshi Kamimura, wird nächstes Jahr 70 und hat – man kann es nicht anders sagen – viel Schwein gehabt in seinem Leben. Mehr als 1200 Tiere passen auf seinen Hof in der Präfektur Kagawa im Südosten Japans, er hat sie alle großgezogen, gefüttert und bei ihnen ausgemistet. Und zwar mit so viel Spaß, dass man lächeln muss, wenn man ihn sieht, und sich dann fragt: Wie kriegt man es hin, als alter Mann so cool und gleichzeitig so warmherzig auszusehen?

Hiroshi Kamimura ist auf einem Bauernhof aufgewachsen, schon seine Eltern haben Tiere gezüchtet. Als junger Mann hat er den Hof übernommen und mehr Schweine angeschafft. Begriffe wie »ökologische Landwirtschaft« waren da noch nicht erfunden. Er hat die Tiere einfach aufgezogen, wie er es für richtig hielt. Nur weil die Schweine irgendwann zum Schlachten geholt werden (Kamimura kann sie nicht selbst töten), muss man sie nicht schon vorher so lieblos behandeln wie ein abgepacktes Schnitzel.

Aufgenommen wurden die Fotos von einem Mann, auf den der Bauer eigentlich nicht gut zu sprechen sein dürfte: Toshiteru Yamaji, dem Beamten der Stadtverwaltung, der Kamimuras alten Hof schließen ließ. Anwohner hatten sich über den Gestank beschwert, der eben entsteht, wenn Tiere auf einem Hof und nicht in einer Hightech-Fleischfabrik großgezogen werden. Rund um die Schweineställe sollten moderne Häuser gebaut werden, für jemanden wie Hiroshi Kamimura war kein Platz mehr. Also musste er mit seiner Frau und den Tieren fortziehen, weit raus aus der Stadt. Nicht leicht für einen Mann, der sein ganzes Leben an diesem Ort verbracht hatte.

Aber statt auf Behörden und Fortschrittswahn zu schimpfen, hat der Bauer einfach einen neuen Hof aufgemacht und den Beamten eingeladen. Die beiden wurden Freunde, mehr als zehn Jahre lang hat der Beamte ihn besucht und Fotos gemacht. In Japan hat er seine Bilder in einem Bildband veröffentlicht. Der Titel: Pigs and Papa, Schweine und Papa. Denn der Umgang des Bauern mit den Tieren hat etwas Väterliches, findet der Beamte: »Manchmal spielt Kamimura für sie japanische Balladen auf der Gitarre.« Er liest ihnen auch aus der Zeitung vor, sie haben sich an den Klang seiner Stimme gewöhnt, weil er schon bei ihrer Geburt beruhigend auf sie eingeredet hat. Wenn er Mittagsschlaf hält, dann am liebsten mit einem Ferkel auf dem Bauch. »Ich habe von ihm gelernt, jedes Lebewesen zu respektieren«, sagt der Beamte. »Vorher habe ich mich nicht für Schweine interessiert, jetzt weiß ich, dass sie ganz besondere Tiere sind.«

Kaum ein Lebewesen ist dem Menschen so ähnlich wie das Hausschwein. Fast identischer Proteingehalt im Blut, ähnliche Herzfrequenz. Schweine sind besonders anfällig für menschliche Probleme wie Sonnenbrand und haben ein vergleichbares Gebiss. Und noch etwas scheinen Schweine zu können: Wenn man sie so liebevoll behandelt wie Hiroshi Kamimura, dann sieht es aus, als könnten sie lächeln.
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Foto aus dem Buch Pigs and Papa, erschienen im Foli Verlag, Japan.

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