Anzeige

aus Heft 18/2012 Sport Noch keine Kommentare

Der Mann hinter dem Kapitän

Roman Grill ist wahrscheinlich der einzige Mensch, der weiß, was Philipp Lahm wirklich über seine Mitspieler und Trainer denkt. Aus dem Leben eines Spielerberaters.

Von Lars Reichardt  Fotos: Enno Kapitza

Bei Spielen zuschauen und hinterher darüber reden - das begreift Roman Grill als seine Hauptaufgabe. Etwa zwölfmal jede Woche schaut er irgendwo zu, Samstag vormittags bei Heimspielen der U17- oder der U19-Mannschaft des FC Bayern an der Säbener Straße.
Bildergalerie: 1 2 weiter


Wenige Berufe haben einen so miserablen Ruf wie der des Spielerberaters: tut nichts, kassiert aber irrsinnige Provisionen. Roman Grill hat gewiss Millionen verdient, beschimpft wurde er auch. Am lautesten von Uli Hoeneß, dem Präsidenten des FC Bayern, der nannte ihn: Selbstdarsteller, Profilneurotiker, Manipulator.

Für einen Selbstdarsteller spricht Roman Grill eher leise und langsam. Er denkt nach, bevor er in gebremstem Bairisch antwortet. Für einen Profilneurotiker meldet er sich zu selten zu Wort. Er hat sich ja kaum verteidigt gegen die Vorwürfe. Manipulator könnte stimmen. Schließlich ist er der einflussreiche Berater von Philipp Lahm, Deutschlands einflussreichstem Fußballer. Und er hat alle seine Spieler zum Yoga bekehrt.

Drei Menschen haben bis jetzt schlecht geredet über Grill, den Spielerberater:
Der erste: Uli Hoeneß. 18 Jahre lang Grills Chef beim FC Bayern. Grill kam mit 20 Jahren als Spieler, wurde 1997 Assistenztrainer in der U19; 2001 gewann er als Cheftrainer die erste Deutsche Jugend-Meisterschaft des FC Bayern, half nebenbei in der Pressestelle aus. Irgendwann fragte ihn einer seiner Spieler, ob er ihn nicht beraten könne. Natürlich war das eine explosive Situation für Grill und den Verein: Der angestellte Jugendtrainer sollte die Interessen seiner Spieler gegen den gemeinsamen Arbeitgeber durchsetzen. »Ich habe damals Herrn Hoeneß gefragt, was er davon halte. Er sagte mir: ›Besser du machst es als irgendein anderer.‹« Grill galt als loyal dem Verein gegenüber, aber er hatte Neider, die gegen ihn arbeiteten. 2007 trennte man sich im Frieden, erst 2010 krachte es: Hoeneß meinte, Grill habe den Bayern-Kapitän Philipp Lahm schlecht beraten, als der ein unabgesprochenes Interview gab und einen Trainer verteidigte, den der Präsident feuern wollte. Über »den Roman« will sich Hoeneß in Zukunft öffentlich nicht mehr äußern. Grill sagt: »Ich glaube, Herr Hoeneß findet mich eigentlich ganz in Ordnung. Er kämpft halt mit harten Bandagen, wenn er seinen Verein bedroht sieht.«

Der zweite: Timo Hildebrand, früher Torhüter der Nationalmannschaft, heute Ersatzspieler bei Schalke 04, behauptet, Grill habe ihm vor einem Jahr einen Vereinswechsel vermasselt. Der sagt: »Wir passten nicht zusammen. Der Mann konnte sich nicht entscheiden. Er hätte zum FC St. Pauli gehen können, fragen Sie die Leute bei St. Pauli.«

Der dritte: Michael Rensing, 2010 Torhüter beim FC Bayern. Rensing suchte einen anderen Verein und einen Berater. Grill ließ sich überreden, ihn zu vertreten und ihm einen Verein zu suchen – »mein Gefühl war nicht gut und prompt musste ich die Entscheidung bereuen«. Grill bereitete Rensings Wechsel zum FC Köln vor, ein anderer Spielerberater schaltete sich dazwischen, und Rensing kündigte Grill nach Vertragsabschluss. Grills Provision steckte allein der andere Berater ein.

Grill zögerte, Rensing zu verklagen. Ein Prozess schadet beiden Seiten. Aber er muss sich wehren, damit ihm nicht andere Spieler von konkurrierenden Beratern ausgespannt werden. Der Fall Rensing könnte Schule machen. Seit Februar wird das Verfahren Grill gegen Rensing vor dem Düsseldorfer Landgericht verhandelt. Seit einem Jahr lässt Grill seine Klienten sicherheitshalber auch einen schriftlichen Vertrag unterschreiben.

Mehr als zehn Jahre arbeitet der 46-jährige Grill als Spielerberater, sind drei unzufriedene Geschäftspartner da nun viel oder wenig?

Bei der FIFA sind derzeit weltweit 7395 Spielervermittler gemeldet; 390 besitzen nach einer schriftlichen Prüfung eine Lizenz vom DFB. Spielerberater brauchen keine; wechselt ihr Spieler den Verein, lassen sie das Geschäft einfach über jemanden mit Lizenz laufen. Allein in Deutschland versuchen sich Tausende als Spielerberater. Glücksritter und Abzocker, Verwandte und Jugendfreunde der Spieler drängen in den Markt. Fünf bis acht Prozent Provision bei Vertragsabschluss sieht die Gebührenordnung des DFB für Spielervermittler vor, der Verein zahlt. Ein einziger Vereinswechsel oder ein neuer Vertrag kann leicht mehrere Millionen Provision für den Berater bedeuten.
Anzeige

Kommentare

Name:
Kommentar: