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aus Heft 25/2012 Stars Noch keine Kommentare

Einer für alle

Tag für Tag, Nacht für Nacht – seit nunmehr 40 Jahren feiert der Schlagersänger Jürgen Drews durch, ohne durchzudrehen. Porträt eines Stars, der zum Anfassen verdammt ist.

Von Susanne Schneider  Fotos: Armin Smailovic

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Drei Tage Ballermann auf Mallorca, drei Nächte »Jürgen! Jürgen!«-Rufe und hundert spitze Schreie: »Das ist ja Jürgen Drews!«, und man vergisst ganz schnell, dass die Wirklichkeit noch ganz woanders lauert.

Mallorca im Mai, eine zufällige Begegnung: Drei Männer, eine Frau, alle jung, alle angenehm anzusehen, haben sich keuchend die hundert Stufen von einer Bucht nach oben zur Straße gekämpft. Eine etwas ratlose Passantin fragt die vier, ob man dort unten wirklich baden könne. »Ja«, antwortet die Frau, »nur sind da unten noch die Perversen.« Und weil die Frau nur am Rande die beiden Kamerateams, die in der Bucht sind, meinen kann, zielt ihre ganze Verachtung auf denjenigen, den sie filmen: Jürgen Drews. So in etwa ist die Stimmung. Die einen grölen und jubeln, wenn sie ihn sehen. Die etwas auf sich halten aber, finden ihn unterirdisch, indiskutabel. Und sein Publikum gleich mit. Der Schlagerfuzzi, der.

Der erste Eindruck bestätigt fast alles
Magdeburg im März, verkaufsoffener Sonntag im Bördepark, einem Shoppingcenter am Rande der Stadt. Auftritt Jürgen Drews um 17 Uhr in der Halle beim Haupteingang. Man hört ihn schon von Weitem seinen berühmtesten Schlager Ein Bett im Kornfeld singen, das Lied, mit dem er jeden Auftritt beginnt, aber man sieht ihn nicht – die Fans vor der Halle, sehr viele junge darunter, versuchen sich an ihn zu quetschen. Er kennt das, er hat das gern. Und er singt weiter, auch weil er etwas beherrscht, von dem man sagt, dass viele Männer es nicht können: Multitasking. Während er singt, kritzelt er Autogramme, lässt sich anfassen und grinst wieder und wieder in ein Dutzend Handykameras.
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Dann betritt er die Bühne, Jubel, rhythmisches Klatschen. Etwa tausend Menschen sind da, schätzt sein Manager, Kurt Kokus. Das Publikum drinnen: so, wie man es sich wohl denkt – viele im Rentenalter, praktische Schirmmütze aus Kunstleder die Männer, praktischer postsozialistischer Frühjahrsschnitt die Frauen. Noch ist ein Durchkommen möglich zwischen dem Eiscafé »Venezia« und den Ledertaschen von Marc Picard, aber nicht mehr lang. Drews trägt einen dunkelblauen Samtmantel mit Goldstickerei an den Aufschlägen. Ein kurzes Handzeichen an seinen Manager und das Halbplayback macht Pause, Drews erzählt, dass er seit fast 22 Jahren mit derselben Frau zusammen ist, Ramona. Er fragt: »Sind hier Frauen? Seit Ramona sehe ich ja gar keine anderen Frauen mehr.« Dann sagt er, dass er Ramona kürzlich vor laufender Fernsehkamera versprochen hat, sie ein zweites Mal zu heiraten, ganz romantisch, im Juli in Venedig. Und die Überraschung sei so was von gelungen. »Jetzt singe ich ein Lied für Ramona: Wenn die Wunderkerzen brennen.« Es folgt Mama Loo von den Les Humphries Singers, »da war ich Gründungsmitglied«.

Plötzlich herrscht Unruhe am Mischpult, Fingerzeichen gehen zwischen Drews und seinem Manager hin und her. Drei Lieder auslassen, nur noch zwei singen, okay? Das ist den Geschäftsinhabern geschuldet, so hatten die nicht gewettet. Sie wollten zwar Käufer anlocken mit dem Auftritt von Jürgen Drews, aber nun drängen sich so viele Leute um die Bühne und auf den Gängen, dass keiner mehr zu den Läden durchkommt. Schnell dürfen noch ein paar Kinder auf die Bühne, dann Schluss machen, ein paar Fotos, sich umarmen lassen. Autogrammstunde muss ausfallen, sorry, die Security des Einkaufscenters drängt.

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