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aus Heft 25/2012 Kinder 13 Kommentare

Hör mal, Freundchen!

Fremde Kinder können anstrengend sein. Aber wehe, man setzt ihnen als Außenstehender Grenzen. Dann bekommt man Ärger mit den Eltern. Warum eigentlich?

Von Cathrin Kahlweit 




Die Geschichte spielt in einem Restaurant: Ein Paar möchte nach der Arbeit in Ruhe essen, ein bisschen reden, die Nacht herbeiträumen. Am Nebentisch eine Familie, Mutter, Vater, drei Kinder. Die Kinder spielen rund um den Nachbartisch herum Fangen, Mutter und Vater unterhalten sich ungerührt weiter. Das Paar ist genervt, schließlich bittet der Mann die fremden Kinder: »Könnt ihr bitte weniger Lärm machen? Wir würden gern in Ruhe essen.« Der Vater schreckt auf, ist verärgert. Nicht über seine Kinder, sondern über diese fremden Menschen, die sich anmaßen, seine Kinder zu erziehen. Er sagt hämisch: »Ihr hört doch, Kinder, der Mann möchte nicht, dass ihr lacht.«

Die Sache hätte natürlich auch anders ausgehen können, theoretisch. Nicht mit einer bissigen Antwort und Unverständnis, sondern mit einer Entschuldigung. Die Eltern hätten hochschrecken können, weil ihnen die Situation peinlich ist. Hätten sagen können: »Danke, dass Sie unseren Kindern die Meinung gesagt haben.« Und dann hätten sie ihren Kindern erklären können, dass der Herr am Nebentisch recht hat, dass man Rücksicht nimmt …

Aber stopp, das kommt selten vor, dieses Ende der Geschichte ist lebensfremd. Der Mann, der den Vorfall aus dem Restaurant erzählt, heißt übrigens Bernhard Bueb. Er ist ein bekannter deutscher Pädagoge, leitete lange das Internat Schloss Salem, schrieb einen Bestseller über Disziplin in der Erziehung – und er war, was man gut versteht, ziemlich irritiert über die Reaktion des Vaters. War er auch verwundert? Nein. Denn: Man erzieht fremder Leute Kinder nicht ungestraft. Wer sich gegen Kinder wehrt, hat nie recht. Selbst wenn er – theoretisch – recht hätte. Seltsam, oder? Da gibt man seine Kinder in den Kindergarten, in die Schule oder in ein Internat, damit Pädagogen sie zumindest miterziehen, aber wenn sie von Fremden ermahnt werden, bitte in der U-Bahn nicht zu rauchen, oder von Freunden und Verwandten angehalten werden, nicht zu lügen oder zu klauen, ihre nasse Badehose nicht auf das Gästebett zu schmeißen oder das eingesaute Klo zu putzen, sind die Eltern in der Regel beleidigt.
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»Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen« – so lautet ein afrikanisches Sprichwort, Hillary Clinton hat darüber mal ein Buch geschrieben. Auch in Deutschland galt das mal, früher. Kollektive Erziehung war sogar lange eine Selbstverständlichkeit. Bis zur Entstehung der bürgerlichen Familie war ein Kind selten einzig einer Mutter, einem Vater, einer Kindergartentante ausgesetzt, sondern im Zweifel einer Großfamilie oder gleich dem ganzen Dorf. Im 19. und 20. Jahrhundert delegierte, wer es sich leisten konnte, die Erziehung an mehr oder minder gut ausgebildetes Personal. Oder an die höhere Töchterschule, das Kloster, die Kadettenanstalt. Und heute? Werden alle Neurosen der Kleinfamilie auf den Nachwuchs übertragen – und wehe, ein Außenstehender schützt sich, sein Eigentum, sein Verständnis von Anstand. Es gibt eine Szene in der Fernsehserie Mad Men, die man mit angehaltenem Atem ansieht, so sehr hat sich die Stellung der Kinder in der Erwachsenenwelt verändert seit den Fünfzigerjahren: Die Drapers feiern eine Hausparty mit Kollegen und Freunden und die Kinder toben herum, eins rennt in einen Gast. Der haut ihm sofort eine runter. Vater Draper kommt hinzu, herrscht nicht den Gast an, sondern sagt zu ihm: »Soll ich ihm noch eine geben?« Nein, sagt der Gast, ist schon in Ordnung.

Niemand wünscht sich diese Zeiten zurück. Gott bewahre. Aber könnte es nicht ganz nützlich, ja nachgerade erleichternd sein, wenn mal jemand anderer als die ewig nörgelnden Eltern sagte: Tobe jetzt hier nicht herum, lass mich aussprechen, hör auf, die Katze am Schwanz zu ziehen? Aber nein: »Dass jemand anders sich in die Erziehung meiner Kinder einmischt, das geht gar nicht«, sagen alle Eltern, die für diesen Artikel befragt wurden. Warum bloß?

Round-Table-Gespräch unter Frauen. Was wäre, wenn das eigene Kind sich schlecht benimmt und von einem Fremden zurechtgewiesen wird? »Kritik an meinen Kindern ist immer auch Kritik an mir. Da dringt jemand in mein Terrain ein und will mir im Zweifel mitteilen, dass ich versagt habe. Denn wenn sich mein Kind schlecht benimmt, bin doch letztlich ich verantwortlich«, sagt Simone, 60, Mutter von zwei erwachsenen Töchtern. Susanne, 45, Mutter eines Sohnes, ergänzt: »Wer meine Kinder zurechtweist, weiß oft gar nicht, warum sie sich so verhalten. Vielleicht sind sie überfordert? Gestresst? Müde?« Und Eva, 48, Mutter einer Tochter, wendet ein: »Wenn meine Mutter meine Kinder erziehen will, gibt sie mir zu verstehen, dass ich eine schlechte Mutter bin. Wenn meine Freunde das tun, dann greifen sie meine Kompetenz an; das verunsichert mich. Und wenn Fremde sich einmischen, im Supermarkt oder auf der Straße, dann bekommen sie es mit mir zu tun: Was bilden die sich ein?« Übereinstimmendes Nicken. Wie die dazugehörigen Väter das sähen, fragt eine in die Runde. Genauso: mein Haus, mein Auto, mein Kind, mein Stolz.

Foto: roodini / photocase.com

Kommentare

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  • Gregor von Rosen (0) Kinder werden heute glücklicher Weise nicht mehr als unfertige und daher von der Welt fertig zu machende kleine Erwachse begriffen, sondern als Erziehungspartner. Das ist ein hoher Anspruch, der nicht immer von uns Eltern eingehalten wird, aber er gibt die Richtung vor, um die wir uns bemühen. Wenn Dritte an dieser Partnerschaft teilnehmen wollen, müssen sie sich ebenfalls diesem Anspruch stellen.

    Es ist überhaupt nichts dagegen einzuwenden, wenn Dritte ihre Rechte auch gegenüber Kindern behaupten. Wer im Restaurant gestört wird, darf die Kinder genauso um Ruhe bitten wie jeder in seinem eigenen Haus die Kinder anderer auf die Hausregeln hinweisen darf: "bei uns nur ein Brot mit Nutella zum Frühstück". Das sind nämlich Ansagen, die man auch einem Erwachsenen gegenüber formulieren kann.

    Es ist aber etwas anderes, ob man seine eigenen berechtigten Interessen gegenüber Dritten, auch Kindern, auf Augenhöhe vertritt oder ob man in die Erziehung anderer hineinpfuscht.

    Erfahrungsgemäß sind es nämlich genau diejenigen, die als Fremde am ehesten etwas zu meinen Kindern sagen, die am wenigsten Überblick und Erziehungsverstand haben. Ein Herr Bueb ist da sicher eine Ausnahme.

    Da schnauzt doch jemand meine Tochter (6) unflätig an, sie solle gefälligst den Fahrradweg nehmen, obwohl ihr von einer freundlichen Verkehrspolizistin in der Kita beigebracht wurde, dass das bis zum vollendeten 7. Lebensjahr strikt verboten ist (§ 2 Abs. 5 StVO). Nein, Erwachsene dürfen nicht beleidigen, nur weil sie erwachsen sind und sie dürfen meine Tochter auch nicht verunsichern und im Straßenverkehr gefährden, wenn diese gerade lernt, sich mit dem Fahrrad verkehrsregelkonform zu verhalten.

    Da quatscht ein Fremder meinen Sohn (8) von der Seite an und stellt Fragen, die ihn beim besten Willen nichts angehen (wo wohnst Du denn?) und belehrt dann mich: "Ihr Kind sollte lernen auf Fragen von Erwachsenen zu antworten". Nein, sollte es nicht. Es versteht schon, sich von Menschen fern zu halten, die distanzlos auf Kinder zugehen. Und mein Sohn sollte im Zweifel lieber laut um Hilfe rufen, als irgendeine Frage zu beantworten, deren Sinngehalt sich ihm nicht erschließt.

    Und am schlimmsten sind für meine Kinder die ganz besonders Wohlmeinenden, die die Kinder einfach nur "süß" finden und dann gar nicht mit ihnen, sondern über sie sprechen. Und wenn sie doch mit ihnen sprechen, dann in einer unangemessen herablassenden Sprache und ohne zu merken, wie beleidigend es für ein sprachlich gewandtes Schulkind ist, auf Babyniveau heruntergeredet zu werden.

    Wer sich vernünftig, also einerseits vom Niveau her altersgerecht und gleichzeitig vom Respekt her auf Augenhöhe mit meinen Kindern unterhält und diesen dabei die Freiheit einräumt, Anfang, Entwicklung und Ende des Gesprächs gleichberechtigt mit zu bestimmen, der darf das gerne tun. Wer meinen Kindern klar macht, wo sie berechtigte Interessen anderer verletzen, hilft meinen Kindern zu verstehen, wo persönliche und gesellschaftliche Grenzen verlaufen. Aber wer glaubt, nur weil er Erwachsen ist, Kindern ihr Wissen um das Recht (Fahrradweg) oder ihre gute Erziehung (Distanz gegenüber Fremden) absprechen zu wollen, der soll sich andere, am besten die eigenen Kinder suchen und sich von meinen fern halten.

    Ich handhabe es übrigens so, dass ich meine Kinder das meiste, was von Fremden kommt, erst einmal aushalten lasse. Im Nachhinein gehen wir die Situation durch. Manchmal muss ich dann meinen Kindern erklären, was sie ggf. falsch gemacht haben. Aber die allermeisten Fälle dienen nur dazu, meinen Kindern zu zeigen, dass sie schon vernünftiger sind als viele Erwachsene - insbesondere als die meisten derer, von denen sie in der Öffentlichkeit angequatscht werd
  • Anna Schmidt (0) "Wenn meine Mutter meine Kinder erziehen will, gibt sie mir zu verstehen, dass ich eine schlechte Mutter bin. Wenn meine Freunde das tun, dann greifen sie meine Kompetenz an; das verunsichert mich. Und wenn Fremde sich einmischen, im Supermarkt oder auf der Straße, dann bekommen sie es mit mir zu tun: Was bilden die sich ein?« Übereinstimmendes Nicken. Wie die dazugehörigen Väter das sähen, fragt eine in die Runde. Genauso: mein Haus, mein Auto, mein Kind, mein Stolz."

    Und solche Menschen dürfen sich fortpflanzen? Unglaublich...
  • Kerstin Hambach (0) Ich erinnere mich gut an eine Begebenheit aus meiner eigenen Kindheit, als ich von einem Fremden gemaßregelt wurde. Meine Mutter meinte auf mein trotziges "der hat mir ja wohl gar nichts zu sagen" einfach nur: Doch! Nicht nur die Eltern erziehen ein Kind, sondern die ganze Gesellschaft!

    Wow, das kommt doch dem afrikanischen Sprichwort sehr nahe.

    Ich habe es nie vergessen und halte es heute wiederum genauso, ich mache meinen Mund auf!
    Daß ich dabei wohl ganz gut auf Verhältnismäßigkeiten achte, zeigt schon, daß ich nie Diskussionen mit den Eltern hatte.
    Darüber hinaus verstehe ich nicht ganz, warum Eltern sich überhaupt mitkritisiert fühlen. Jedes halbwegs intelligente Ex-Kind weiß doch, daß diese sehr wohl ihren eigenen Kopf mit ein paar spinnerten Ideen darin haben und diese ausprobieren möchten. Es ist m.E. ein falsches Signal an das Kind, wenn andere Erwachsene lächerlich gemacht werden. Eltern sollten sich von vorneherein nicht diese Schuhe anziehen, dann können sie es vielleicht sogar als Hilfe empfinden, nicht immer alles alleine erklären zu müssen.
    Oder?
    Ach ja, großgeworden bin ich natürlich in einem anderen Land, ein europäisches, welches es heute nicht mehr gibt.....
  • Jule Axmann (0) ausgesprochen flacher artikel, der dem thema leider überhaupt nicht gerecht wird. warum, habe ich hier geschrieben: http://ungehobelt.wordpress.com/2012/07/...
  • Christine Fischer (0) Welch tolles Angebot ? die Gesellschaft, ist also bereit, mich bei der Erziehung zu unterstützen ? aber gerne doch, solange sich das nicht auf Meckern und Zurechtweisen beschränkt sondern auf echte Hilfe. Mein Verdacht ist aber, dass die Autorin eigentlich nur ihre Ruhe haben und unwidersprochen störende Kinder und auch deren Eltern schimpfen will, dafür sollen die Eltern dann doch einfach dankbar sein.
    Konkretes Beispiel aus dem Alltag: Mutter mit zwei Kindern, 3,5 und 1 kauft im Supermarkt gegen 18 Uhr für?s Abendessen ein. Kind 3,5 entdeckt im Regal eines der unsäglichen bunten Heftchen mit Plaktikbeigabe, Mutter erklärt dem Kind, dass solch ein Heft nicht gekauft wird, Kind bekommt einen Trotzanfall. Mutter lässt sich nicht erweichen, versucht das Kind zu beruhigen, steuert dann die Kasse an. Dort fühlen sich mehrere Leute bemüßigt, ihr zu sagen, sie solle das ?endlich abstellen?, das Kind sei unmöglich, sie solle doch das Heft kaufen. Keiner fühlt sich bemüßigt etwas hilfreiches beizutragen, nämlich die Mutter zu fragen, ob man sie unterstützen könne (Geschäft hat keine Einaufswägen, daher muss sie die 1 Jährige tragen) oder lässt sie gar an der Kasse vor. Einziger ? wohlgemeinter aber auch nicht zielführender - Hilfsversuch kommt von einer alten Dame, die dem nur mehr leise schluchzenden Kind kurz vor Verlassen des Geschäftes das Heft schenkt.
    So ? natürlich hat die Mutter auch einiges falsch gemacht - sie hätte nicht mit übermüdeten Kind noch zur Stoßzeit einkaufen gehen sollen sondern das früher am Tag einteilen, was aber aus beruflichen Gründen nicht möglich war ; sie hätte ihrem Kind abtrainieren können, keinen Wutanfall zu bekommen, wenn es etwas nicht bekommt. Andererseits ist sie ja auch in dieser Situation gerade dabei, das ist Erziehung.
  • Julia Morgenroth (0) Sehr geehrter Herr Burgschütz,
    natürlich sind das MEINE Kinder bzw. die Kinder von uns beiden, meinem Mann und mir. Wessen Kinder denn sonst? Ich habe sie geboren, wir ziehen Sie groß, ernähren sie, kleiden sie, kümmern uns um sie. Und die von Ihnen angeführten Mitmenschen, die sich gern auch mal um fremder Leute Kinder kümmern und auf sie eingehen habe ich wie gesagt noch nicht getroffen. Vielleicht können Sie mir einen Hinweis geben wo ich die finden kann. Aber selbst wenn es die geben sollte sind und bleiben die Kinder unsere. Sie gehören zu unserer Familie und erst in zweiter Linie zur Gemeinschaft (die sich ja weder um sie kümmert noch finanziell besonders großzügig ist). Wollen Sie jetzt die Kinder verstaatlichen oder wie soll ich Ihren Kommentar verstehen? Lesen Sie mal den Artikel 6 unseres Grundgesetzes.
  • Angelika Henke (1) eigentlich kann ich mit den Ansichten und Methoden von Herrn Bueb nicht viel anfangen, aber hier muss ich ihm weitgehend zustimmen. Ich habe selbst zwei Töchter allein groß gezogen und weiß wovon ich rede. Ich mag Kinder, besonders, wnn sie gut erzogen sind, was nicht heisst, dass sie wie dressierete Äffchen sein müssen. Was ich aber heutzutage erleben muss zwingt mich dazu in aller Frühe einkaufen zu gehen, weil ich das Gebrüll und Herumtoben zu späteren Tageszeiten in Supermärkten einfach nicht ertrage. Es rennen Kindergartenkinder durch die Regalreihen und spielen fangen und stoßen gellende Schreie aus, rempeln Kunden an usw., während deren Mütter irgendwo im Laden stehen und mit einer Bekannten quatschen ohne sich um das Tohuwabohu zu kümmern, geschweige denn ihre Kinder zu ermahnen. Oder aber Kleinkinder bekommen einen Schreianfall, der annähernd eine Viertelstunde durch die Läden gellt, Ich habe meine Kinder getreu der STVO erzoge: Benimm dich so, dass du keinen anderen gefährdest, schädigst oder mehr als nach den Umständen unvermeidbar behinderst oder belästigst. Hat offenbar funktioniert, beide sind inzwischen berufstätig ohne mit Polizei, Drogen oder Alkohol in Konflikt geraten zu sein. Erziehen ist weis Gott nicht einfach aber ich kann mich nicht erinnern, dass ich das oben angesprochene Verhalten je toleriert hätte. Es hat allerdings auch genügte ihnen klar zu machen dass sie bei einem derartigen Benehmen künftig nicht mehr mit mir zum Einkaufen dürften, bis sie sich zu benehmen gelern hätten. Ich frage mich manchmal was schief gelaufen ist, wenn ich Kinder sehe, die mutwillig gegen Ampeltaster treten und ichkann es mir nicht verkneifen zu fragen wie wohl die Eltern reagieren, wenn sie die Reparaturrechnung bezahlen müssten. Insgesamt finde ich es nicht gut, dass man das Fehlverhalten von Kindern nicht thematisieren soll, allerdings wäre es besser die Eltern direkt anzusprechen, so sie anwesend sind. Zum Ausland muss ich sagen, dass dort dennoch strengere Prinzipien gelten. Nach meiner Erfahrung braucht ein italienischer oder französischer Papa oft nur deinen durchdringenden strengen Blick auf seinen Nachwuchs zu werfen oder ein missbilligendes Räuspern vernehmen zu lassen. Dort herrschen aber noch mehr dir Regeln des Respekts gegenüber Erwachsenen, zumindest bei den kleineren Kindern Wie das heutzutage in überfüllten Kitas mit genervten unterbesetzten Erzieherinnen funktionieren soll ist mir rätselhaft. Ich erlebe in unmittelbarer Nachbarschaft was Zuwendung, Aufmerksamkeit und Güte bei einem kleinen Menschen bewirken können und wünschte mir mehr Eltern würden Ihren Kindern vermitteln, dass nicht nur ihre Rechte im Vordergrund stehen, sondern das man sich auch mit seinem Verhalten in der Gesellschaft integrieren muss.
  • Stefan Burgschütz (0) Das Grundproblem der Gesellschaft sind nicht die Kinder, sondern vielmehr, dass deren Eltern selbst in vielen Fällen schon kein Benehmen haben. Die beschriebenen Phänomene treten dann auf, wenn das eigene Ich im Vordergrund steht und es außer diesem auch nichts gibt. Dann nehme ich natürlich auch keine Rücksicht auf andere, denn nur, was Ich mache zählt.

    Das färbt dann auch auf die Kinder ab. Denen kann man keinen Vorwurf machen, denn woher sollen sie Rücksicht lernen, wenn ihre eigenen Eltern es nicht kennen.

    @Burkhard Schmieder

    " In Ländern wie Spanien und Italien insbesondere den Kindern einer Familie, die ein Restaurant betritt, herzliche Blicke zugeworfen werden, während in Deutschland eher die Augen verdreht werden ...es sei denn man hat einen Hund dabei. "

    Dann gehen Sie mal, beispielsweise in der Toskana, mit zwei oder drei Kindern in ein Restaurant. Da lernen Sie eher italienische Schnippigkeit kennen, wenn Besitzer und Kellner erkennen, dass jetzt gleich vier oder fünf Leute an einem Tisch sitzen, von denen zwei bis drei wenig verzehren werden...


    @Julia Morgenroth

    "Ich (Mutter zweier kleiner Kinder) wünsche mir nichts sehnlicher als Entlastung. Ich würde mir so sehr wünschen, daß meine Mitmenschen auf meine Kinder eingehen, ihnen etwas erklären, ihnen etwas zeigen, ihnen etwas beibringen. "

    Es gibt genügend Mitmenschen, die das tun oder das tun würden. Das setzt aber auch voraus, dass Sie auch akzeptieren, dass Ihre Mitmenschen nicht Sie sind. Solange das aber -Ihre - Kinder sind, die nur -Sie- erziehen, Ihre Mitmenschen sich zwar um -Ihre- Kinder, kümmern sollen, sich aber sonst alles von -Ihren- Kindern auf das Nase rumtanzen lassen dürfen und sich alles gefallen lassen müssen, wird das niemand mehr freiwillig tun.
  • Sabine Kring (0) Andere Länder, andere Sitten: in Frankreich ist die Erziehung außerhalb der Familie gesellschaftlich voll akzeptiert - Kinder, die sich daneben benehmen, werden daher auch selbstverständlich von Erwachsenen ermahnt - davon mal abgesehen, dass französische Eltern i. d. R. penibel darauf achten, dass ihre Kinder, gerade in der geschilderten Restaurant-Szene, andere Gäste nicht belästigen.
    Aus diesem Kulturkreis stammend habe ich meine Kinder entsprechend erzogen und habe daher im Bekanntenkreis den Ruf weg, meine Kinder "französisch" zu erziehen - was allerdings durchgängig mit anerkennenden Worten kommentiert wird und meist lange Diskussionen über Rücksichtnahme und Freiheit des Einzelnen zur Folge hat.
    Inzwischen haben ich und meine Mutter uns daran gewöhnt, dass Äusserungen zu Fehlverhalten anderen Kinder meist äusserst emotionale Diskussion mit den Eltern besagter Kinder zur Folge hat - trotzdem lassen wir es uns nicht nehmen, in extremen Fällen (z. B. Sand werfen, mit dem Fahrrad über den Kleinkinderspielplatz heitzen, den Treppenlauf im 3. OG herabrutschen) auch Fremde Kinder anzusprechen! Man gibt die Hoffnung ja nie auf!
  • Ingo Eble (0) Ich stimme meiner Vorkommentatorin zu, was die Kritik an der einseitigen Tendenz des Artikels angeht.

    Dennoch halte ich die Forderung, dass Kritik an den Kindern anderer Eltern geübt werden können soll, für gerechtfertigt. Möglicherweise wird solche Kritik unsachlich und vorrangig disziplinierend geäußert und dabei nicht auf die Situation, die Perspektive und die Bedürfnisse des Kindes eingegangen. Das wäre dann eine gute Möglichkeit, entweder seinem Kind die Kritik so zu übersetzen, dass es sie versteht und nutzen kann oder die Kritik sachlich zurückzuweisen und dies eben mit der Situation, der Perspektive und den Bedürfnissen des Kindes zu begründen.

    Dass viele Eltern eine natürliche Abneigung gegen Kritik an ihren Kindern von außen haben, ist nachvollziehbar. Damit sollten diejenigen Erwachsenen rechnen, die dennoch Kritik an fremden Kindern äußern wollen. Und wenn sie dann von den Eltern unsachlich angepflaumt oder verhöhnt werden, dann werden eben diese Erwachsenen dies sicher aushalten können, ohne ein Trauma davon zu tragen, nicht wahr?!?
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