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Neue Fotografie 26. Juni 2012

Zusammen ist man weniger allein

Sarah Mikoleizik (Interview)  Fotos: John Clang

Wir stellen Ihnen jede Woche junge, talentierte Fotografen vor. Diesmal: John Clang, der Familien, die auf der ganzen Welt verstreut leben, auf ein gemeinsames Foto bringt. Mit Skype und einem Beamer.

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Name:
John Clang
Geboren: 1973 in Singapur
Ausbildung: Lasalle Art College, Singapur
Hompage: www.clangart.com

SZ-Magazin: In Ihrer Serie "Being Together" zeigen Sie Familien, die weit voneinander entfernt leben auf einem gemeinsamen Familienfoto. Mithilfe von Videochat und Beamer werden die fehlenden Familienmitglieder an die Wand projiziert, ganz so, als wären wirklich alle zusammen. Wie kamen Sie auf diese ungewöhnliche Idee?
John Clang:
Ich selbst lebe weit von meiner Familie in Singapur entfernt, die Beziehung zu ihnen ist seit vielen Jahren ein Thema meiner Arbeit. Darum geht es zum Beispiel in "Erasure" und "Fear of Losing the Existence". Für "Being Together" wollte ich klassische Familienportraits mit der heutigen Technik verknüpfen, um so die Entfernung zwischen meiner eigenen Familie und mir zu überbrücken.

Was bedeutet Ihnen das Projekt?

Die Arbeit an diesem Projekt war für mich sehr bewegend. Zu sehen, wie meine betagte Mutter über diese ihr völlig fremden technologischen Möglichkeiten staunte, war zugleich schön und schmerzhaft. Ich wollte diesen ungewöhnlichen Moment des Zusammenseins unbedingt mit anderen Familien teilen. In Singapur gibt es viele Familien, die auf diese Weise voneinander getrennt sind.

Im Making-Of-Video zu "Being Together" sehen Ihre Vorbereitungen für die Fotos ziemlich technisch und kompliziert aus. War es so schwierig, wie es aussieht?
Ich denke, damit eine Idee wirklich umgesetzt werden kann und auch funktioniert, braucht man eine perfekte Technik, die allen Aufwand beinahe unsichtbar erscheinen lässt. Aber eigentlich waren die Emotionen für dieses Projekt das Entscheidende. Und deshalb wollte ich eine Lösung, die mit möglichst simpler Technik arbeitet. Jeder sollte das Projekt mit seiner Familie nachmachen können. Die Technik ist dabei gar nicht mal das größte Problem.

Sondern?

Zunächst haben wir nach Menschen gesucht, die Interesse daran hatten Teil dieses Projekts zu sein, dann mussten noch deren Familienmitglieder überzeugt werden. Das schwierige daran war, dass es vielen Menschen nicht recht ist, Fremde in Ihrer Wohnung zu haben. Deshalb haben wir auch nicht mit einem professionellen Team gearbeitet. Meine Patensöhne oder ein sehr guter Freund von mir gingen zu den Familien in Singapur, während meine Frau Elin und ich in die verschiedenen Länder flogen, um die Familienmitglieder im Ausland zu begleiten. Wenn man die Flüge und die Anreise abzieht, hat es trotzdem nur ein bis zwei Stunden gedauert, um ein Bild aufzunehmen. Letztendlich sind so rund 40 Portraits entstanden.

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