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aus Heft 28/2012 Die Gewissensfrage

Die Gewissensfrage

Dr. Dr. Rainer Erlinger  Illustration: Marc Herold

Sollte man relativ belanglose Frei-SMS an Freunde verschicken, die für ihre Kurznachrichten zahlen müssen? Zählt die nette Geste oder setzt man sie damit unter Druck, für die Antwort Geld auszugeben?

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»Ich habe einen Handyvertrag mit 150 Frei-SMS im Monat. Einige meiner Freunde, alle noch Schüler, haben keine Frei-SMS. Ist es vertretbar, wenn ich einem Freund, den eine Textnachricht 19 Cent kostet, eine relativ belanglose Nachricht schicke? Ihm also meine Aufmerksamkeit schenke, ihm aber auch das Gefühl gebe, mir antworten zu müssen, obwohl er sich die 19 Cent vielleicht lieber für eine wichtigere SMS aufheben würde?« Bernd K., Stuttgart

Auch wenn es vordergründig nur um Centbeträge geht, halte ich Ihre Frage für relevant. Ihre Idee, dass eine Nachricht zu einer Antwort verpflichtet, deckt sich nicht nur mit der Lebenserfahrung, sondern lag schon dem Berner Weltpostvertrag von 1874 zugrunde: Damals gingen die Postdienste davon aus, dass jeder Brief eine wiederum frankierte Antwort nach sich zieht, deshalb stellten sie Briefe aus anderen Ländern zunächst ohne wechselseitiges Entgelt zu. Daneben erreichen die Kosten für SMS bei Handyverträgen ohne Flatrate gerade bei Jugendlichen oft beachtliche Höhen; dazu dürften Antworten auf andere SMS im Pingpong-Verfahren nicht unerheblich beitragen. Und nicht zuletzt gehört das Bedenken der Auswirkungen des eigenen Handelns auf andere zu den Grundüberlegungen der Moral.

Die Auswirkungen bedenken: Das kann man am besten, indem man sich in den anderen versetzt und hier überlegt, was derjenige wohl lieber hätte – keine SMS oder keine mit Kosten verbundene Verpflichtung zu antworten. Das lässt sich für andere nicht sicher sagen, aber man könnte es erfahren, indem man den Betreffenden fragt; wenn er denn ehrlich antwortet. Aber auch ohne explizite Befragung kann man vermuten, was ihm am allerliebsten sein könnte: eine SMS mit den netten Gedanken zu bekommen ohne dem Erwartungsdruck einer Antwort ausgesetzt zu sein.
Wenn Sie jemanden so gut kennen, dass Sie die Details seines Handyvertrags wissen, sollten Sie mit ihm auch klären können, dass Sie nicht auf jede SMS eine Antwort erwarten. Sie schreiben, dass Sie ihm Aufmerksamkeit »schenken« wollen. Wenn Sie darauf partout eine Antwort erwarten, wollen Sie die Aufmerksamkeit in Wirklichkeit nicht nur schenken, sondern auch bekommen. Das ist verständlich, kollidiert hier jedoch mit dem Verständnis für die Situation des jeweils anderen, der eben vielleicht knapp bei Kasse ist. Der sollte frei, ohne Erwartungsdruck entscheiden können, ob er im jeweiligen Fall antworten will. Was ich übrigens bei jeder Kommunikation gut fände. Einen Smiley zu empfangen kann nett sein, aber nicht, wenn man befürchten muss, dass es nur ein gequältes Lächeln ist. Ohne Verpflichtung zur Antwort dagegen können Sie ruhigen Gewissens so viel SMS senden, wie Sie wollen. Egal ob sinnvoll oder nicht.

Quellen:
 
Vertrag, betreffend die Gründung eines allgemeinen Postvereins vom 9. Oktober 1874, Deutsches Reichsgesetzblatt Band 1875, Nr. 19, Seite 223 – 240, 1. Juni 1875.
als Scan
als Text

Auf die Grundannahme, dass auf jeden Brief eine Antwort folgt, bezog sich der Europäische Gerichtshof in seinem Urteil vom 10. Februar 2000 unter Ziffer 5:
 
„Anfangs stellten die Postdienste Auslandsbriefpost zu, ohne dafür eine Vergütung zu erhalten. Im Rahmen des Weltpostvertrags ging man davon aus, daß jeder Brief eine Antwort nach sich zieht, so daß sich die Ströme internationaler Post zwischen zwei Vertragsstaaten ausgleichen müßten. Als sich jedoch zeigte, daß die Postdienste der verschiedenen Staaten sehr unterschiedliche Mengen Auslandsbriefpost zu befördern hatten, wurden ab 1924 Sondervorschriften eingeführt.“


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