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aus Heft 32/2012 Politik

Auf ein Wort, Frau Merkel

Kerstin Greiner, Tobias Haberl und Robert Iwanetz (Redaktion)  Illustrationen: Riccardo Vecchio

Wer ist dieser Mensch, der unser Land regiert? Wie tickt die Frau, die sie die mächtigste Frau der Welt nennen? Wir haben bekannte Deutsche im Jahr 2012 gebeten, der Bundeskanzlerin jeweils eine Frage zu stellen. Heikle Fragen und persönliche Fragen, kluge Fragen und freche Fragen. Fragen, die ihr jeder von uns gern schon mal stellen wollte. Hier Angela Merkels Antworten.


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Wir haben Prominente gebeten, der Kanzlerin Fragen zu stellen, Künstler, Sportler, Unternehmer, Politiker – sie alle sollten sich überlegen, was sie schon immer von der Bundeskanzlerin wissen wollten. Wir bekamen insgesamt 37 Fragen und schickten sie ins Kanzleramt: Was ist Ihr größtes Opfer für die Nation? Wie ist der Geruch Ihrer Kindheit? Wäre Politik einfacher, wenn sie nicht öffentlich wäre? Was schätzen Sie an Hannelore Kraft? Tolle Fragen. Die Kanzlerin erbat sich ein paar Tage Zeit, dann schickte sie ihre Antworten. Manche sind überraschend, andere frotzelig, lustig, rührend. Alle sind knapp und ganz klar.
 

 
Iris Berben,  Schauspielerin: Wie ist der Geruch Ihrer Kindheit?
Angela Merkel: Kiefern und Heu und im Herbst der Duft der Kartoffeln im Kartoffeldämpfer.
 

Ulrich Wickert Journalist: Als Kind habe ich nach Ansicht meiner Eltern Schundliteratur gelesen, also Micky-Maus- und Pete-Heftchen. Sie auch?
Das war mit meinen Eltern kein Thema.
 

Philipp Lahm, Fußballprofi: Gibt es etwas, auf das Sie heute verzichten müssen? In anderen Worten: Was ist Ihr größtes persönliches Opfer für die Nation?
Ich muss darauf verzichten, unerkannt einkaufen zu gehen.
 

Roger Willemsen, Schriftsteller: Wenn Sie ein Doppelleben führen könnten: Welches wäre das zweite?
Für diese Vorstellung habe ich keine Zeit und keine Neigung.
 

Reinhold Beckmann, Moderator: Was schätzen Sie an Hannelore Kraft?
Dass sie sich auch für Fußball interessiert.
 

Dieter Nuhr, Kabarettist: Was empfindet man in Ihrer Position stärker: Macht oder Ohnmacht?
Weder noch, sondern die ständige Aufforderung, Probleme zu lösen. Und Zeitknappheit.
  

Maria-Elisabeth Schaeffler, UnternehmerinSie haben erfolgreich ein naturwissenschaftliches Studium absolviert und als Physikerin gearbeitet. Trauern Sie angesichts der Tatsache, dass in der Politik die rationalen und pragmatischen Lösungen gegenüber Polemik und Emotionalität häufig den Kürzeren ziehen, nicht der Physik und ihrer Rationalität hinterher?
Gute Politik setzt auf Lösungen, die der Wirklichkeit standhalten. So ist es auch in der Wissenschaft.
 

Olli Dittrich, Schauspieler: Beim G8-Gipfel 2006 in Russland blieb George W. Bush im Vorübergehen überraschend hinter Ihrem Sessel stehen und knetete mit beiden Händen ziemlich grob Ihre Schultern. Eine infantile Aktion ohne jeden Anstand, ohne jeden menschlichen Respekt. Was haben Sie in diesem Moment gefühlt und gedacht?
Dass George Bush einen Scherz machen wollte.
 

Peter Gauweiler, CSU-Politiker: Wie lange wollen Sie gegen die absolute Mehrheit der deutschen Bevölkerung die Euro-Rettungsschirm-Politik fortsetzen?
Den Ausgangspunkt der Frage teile ich nicht, ansonsten versuche ich den Menschen zu zeigen, welch große Bedeutung der Euro für unser aller Leben hat.
 

Anne-Sophie Mutter, Geigerin: Wenn Sie nicht auf Wählerstimmern Rücksicht nehmen müssten: Welche politischen Konsequenzen hielten Sie heute im Hinblick auf die demografischem Entwicklung in unsererm Land für absolut notwendig – beispielsweise im Bereich der Bildung, der Altersvorsorge und des Gesundheitswesens?
In der Demokratie ist es immer notwenig, Wählerinnen und Wähler zu überzeugen. Das gilt für die Rente mit 67 im Jahre 2029 bis hin zu der Tatsache, dass wir heute alle ein Leben lang lernen müssen.
 

Harry Rowohlt, Schriftsteller: Wie würden Sie reagieren, wenn Sie jemand aus alter Gewohnheit »Liebe Genossin Merkel« anspräche?
Ich bin auch früher nicht so angesprochen worden und würde sagen: »Es muss sich um eine Verwechslung handeln.«
 

Alice Schwarzer, Publizistin: Warum sollten Frauen Sie 2013 wählen? Sie verdanken Ihren Sieg 2009 nicht zuletzt den jungen Frauen, die zum ersten Mal stark CDU gewählt haben. Gerade sie wurden in den vergangenen Jahren von der Politik Ihrer Regierung arg enttäuscht. Haben Sie gute Nachrichten, ehrliche Versprechen für 2013?
Dass es den meisten Menschen in Deutschland 2013 besser geht als 2009 und dass ich das auch für die nächste Legislaturperiode bis 2017 im Vergleich zu 2013 erreichen möchte.
 

Andrea Petkovic, Tennisprofi: Haben Sie einen Witz  auf Lager?
Ja, immer.
   

Maria Höfl-Riesch, Skifahrerin: Wenn Sie in Ihrem Dienstwagen auf der Autobahn unterwegs sind und es keine Geschwindigkeitsbegrenzung gibt - wie schnell darf Ihr Fahrer dann fahren?
So schnell, wie er es für angemessen hält.
 

Jonas Kaufmann, Opernsänger: Wie lautet Ihr Konfirmandenspruch? Und bedeutet er Ihnen heute noch etwas?
»Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei, am größten aber ist die Liebe« (Paulus, 1 K 13,13). Er leitet mich im Umgang mit den Menschen, denen ich begegne.
 

Alfons Schuhbeck, Koch: Warum vermeiden Sie Fotos, auf denen Sie bei einem Genuss, Hobby oder Ausgleichssport zu sehen sind?
Beim Essen und Trinken hat man mich schon oft fotografiert, ansonsten möchte ich mir ein wenig Privatheit erhalten.  


Boris Becker, Ex-Tennisprofi: Wen würden Sie gern zu einer Dinnerparty einladen und warum?
Dinnerpartys veranstalte ich nicht. Aber zu einem Abendessen würde ich gern einmal Vicente del Bosque einladen.
 

Frank Bsirske, Gewerkschafter: Würden Sie eine Versicherung abschließen, die Sie nicht mehr kündigen können?
Die Frage hat sich mir noch nie in der Realität gestellt.

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