aus Heft 32/2012 Politik 10 Kommentare
Auf ein Wort, Frau Merkel
Wer ist dieser Mensch, der unser Land regiert? Wie tickt die Frau, die sie die mächtigste Frau der Welt nennen? Wir haben bekannte Deutsche gebeten, der Bundeskanzlerin jeweils eine Frage zu stellen. Heikle Fragen und persönliche Fragen, kluge Fragen und freche Fragen. Fragen, die ihr jeder von uns gern schon mal stellen wollte. Jetzt hat die Kanzlerin geantwortet.
Von Kerstin Greiner, Tobias Haberl und Robert Iwanetz (Redaktion) Illustrationen: Riccardo Vecchio
WIR SEHEN SIE JEDEN TAG. Wir sehen, wie sie in Brüssel für den Euro kämpft, in Paris François Hollande umarmt und in Bayreuth walkürenhaft ins Festspielhaus einzieht. Seit sieben Jahren sehen wir sie so oft, dass wir sie zu kennen meinen: Die einen sagen, sie sei neugierig, raffiniert und hochintelligent, die anderen finden sie zu kühl, zu passiv, zu rational, wieder andere behaupten, sie habe einen wundervollen Humor, vor allem wenn man mit ihr allein sei. Wer also ist sie? Die Wahrheit ist: Niemand kennt Angela Merkel wirklich - außer vielleicht ihr Mann und ihre Büroleiterin. Die Wahrheit ist aber auch: Wir würden sie gern besser kennen, schließlich will sie auch nächstes Jahr wieder zur Kanzlerin gewählt werden.
Das Weltgeschehen ist verwirrend wie lange nicht: Schuldenkrise, Energiewende, Syrienkrieg. Neulich warf Bundespräsident Gauck der Kanzlerin vor, dass sie ihre Entscheidungen nicht gut genug erkläre. Die Menschen verstünden nicht mehr, was vor sich gehe. Die Folge: Sie wenden sich ab. Oder werden wütend. Offenbar sehnen wir uns nach Erläuterungen, vor allem aber möchten wir verstehen, was diese Frau bewegt, die jeden Tag im Parlament, im Flugzeug, in Hinterzimmern Dinge beschließt, die unser – und, ja, auch ihr eigenes – Leben betreffen.
Wir haben Prominente gebeten, der Kanzlerin Fragen zu stellen, Künstler, Sportler, Unternehmer, Politiker – sie alle sollten sich überlegen, was sie schon immer von der Bundeskanzlerin wissen wollten. Wir haben uns Ehrlichkeit gewünscht. Und Mut. Keine Fragen, mit denen vor allem der Fragesteller glänzen möchte. Wir bekamen insgesamt 37 Fragen und schickten sie ins Kanzleramt: Was ist Ihr größtes Opfer für die Nation? Wie ist der Geruch Ihrer Kindheit? Wäre Politik einfacher, wenn sie nicht öffentlich wäre? Was schätzen Sie an Hannelore Kraft? Tolle Fragen. Die Kanzlerin erbat sich ein paar Tage Zeit, dann schickte sie ihre Antworten. Manche sind überraschend, andere frotzelig, lustig, rührend. Alle sind knapp und ganz klar. So ist sie halt, unsere Kanzlerin.
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Iris Berben Schauspielerin
Wie ist der Geruch Ihrer Kindheit?
Kiefern und Heu und im Herbst der Duft der Kartoffeln im Kartoffeldämpfer.

Ulrich Wickert Journalist
Als Kind habe ich nach Ansicht meiner Eltern Schundliteratur gelesen, also Micky-Maus- und Pete-Heftchen. Sie auch?
Das war mit meinen Eltern kein Thema.

Philipp Lahm Fußballer
Gibt es etwas, auf das Sie heute verzichten müssen? In anderen Worten: Was ist Ihr größtes persönliches Opfer für die Nation?
Ich muss darauf verzichten, unerkannt einkaufen zu gehen.
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- Seite 5: Christoph Maria Herbst, Claudia Roth, Jan Ullrich, Marietta Slomka und Alexander Dibelius
- Seite 6: David Kross, Erzbischof Robert Zollitsch, Markus Kavka, Clemens Schick und Eckart von Hirschhausen
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- Seite 8: Johannes Ponader, Charlotte Knobloch, Thomas Struth und Susanne Klatten
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18 Uhr 32
aber Angela ist ein Glück
für Deutschland
und mein kreuzchen
ist ihr sicher.
16 Uhr 36
14 Uhr 21
Jedenfalls können Sie sicher sein, dass Frau Merkel persönlich und nicht ihre PR-Abteilung geantwortet hat. Ist auch was wert.
03 Uhr 37
Eberhard Haas
Hobart, Tasmanien, Australien
18 Uhr 37
"Weil es eine Technologie ist, bei der ein Restrisiko unabsehbare Folgen hat. "
Warum ist der Physikerin Merkel diese simple Antwort nicht eher gekommen? (wäre auch die bessere Frage gewesen)
17 Uhr 35
Angela Merkel gilt als uneitel, und das ist die Basis ihres Erfolgs und ihrer Beliebtheit. Und die Basis der yogihaften Fähigkeit, Dinge abzuschütteln, die anderen lange im Kopf herumgeistern. Wer das nicht hat, fällt aus der Gnade, d.h. aus der Entspannung, aus der Verbindung mit der Ganzheit, mit Gott.
In vielen Volksmärchen kann man diese Weisheit wiederfinden: Goldmarie und Pechmarie in "Frau Holle", der Dummling in "Die drei Federn", der jüngste Bruder in "Der goldene Vogel".
In der Bhagavadgita, der Bibel der Inder, heißt der Kernsatz: "Yogastha kuru karmani", "In Einheit gegründet, handle." Angela Merkel kommt dem durchaus ziemlich nahe. Sie lebt eine ganz neue Art von "Gottesgnadentum", das sie freier macht als jeden absolutistischen Herrscher, der behauptete, "von Gottes Gnaden" zu herrschen.
15 Uhr 30
ist es Ihnen möglich sich in Menschen in diesem Land (Mitbürger also) tief einzufühlen, die aus irgendeinem Gunde das Pech haben nicht an dessen unglaublichen Ressourcen teilzuhaben? Mitbürger die nach GG absolut gleichwertig und gleichberechtigt sind. Und die sich von Ihrem Berufsstand auch noch demütigen lassen müssen als "Transferempfänger", usw.? Wenn ja, warum drückt sich das nicht in Ihrer Politik aus?
13 Uhr 32
In politics, if you want anything said, ask a man. If you want anything done, ask a woman. Margaret Thatcher
We justly consider women to be weaker than ourselves, and yet we are governed by them. Nicolas de Chamfort
Deutsche Frauen, deutsche Frauen!
Welch ein Zauber birgt dieses Wort?
Deutsche Frauen, deutsche Frauen,
blühet lange, blühet fort. Heinrich Heine, (1797 - 1856)
Vielleicht folgt ja dann Frau Ministerin von der Leyen und wir Männer können uns weiterhin ?entspannt? zurücklehnen.
10 Uhr 42
Vielleicht wäre es unserem Staat dienlicher, wenn die Kanzlerin sich den Fragen der AbgeordnetenInnen im Bundestag stellt. Sie hat in dieser Legislaturperiode noch keine einzige Frage im Bundestag beantwortet, dafür aber Bürgerfragen auf Talkshows.
23 Uhr 02