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Neue Fotografie 05. Oktober 2012

Unter Beschuss

Julia Slamanig (Interview)  Fotos: Alessio Romenzi

Wir stellen Ihnen jede Woche neue talentierte Fotografen vor. Diesmal: Alessio Romenzi begleitete die Rebellen im syrischen Bürgerkrieg.



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Name:
Alessio Romenzi
Geboren: 1974 in Colle Sant'Angelo (Italien)
Homepage: alessioromenzi.photoshelter.com

SZ-Magazin: Warum sind Sie nach Syrien gegangen?
Alessio Romenzi:
Nachdem ich bereits die Revolutionen in Ägypten und Libyen fotografiert habe, will ich die Geschichte des arabischen Frühlings weitererzählen. Es ist allerdings nicht leicht, nach Syrien einzureisen und im Land unterwegs zu sein. Fast kein Fotograf schafft es, unter den harten Bedingungen dort zu arbeiten. Umso wichtiger finde ich es, der Welt zu zeigen, was dort passiert. 

Wie ist es Ihnen gelungen, ins Land kommen?
Beim ersten Mal haben mich Schmuggler vom Libanon aus über die Grenze geschafft. Im Land reise ich mit den Rebellen der »Freien Syrischen Armee«. Seit Anfang des Jahres war ich sieben Mal in Syrien, insgesamt etwa drei Monaten.

Wie gefährlich ist Ihre Arbeit in Syrien?
Man ist nie sicher, egal wohin man geht. Die Rebellen, mit denen ich reise, kennen in der Regel die Stellungen von Assads Armee und gehen ihr aus dem Weg; wir sind aber trotzdem in Kämpfe geraten und waren unter Beschuss. Die Rebellen meiden die Straßen und bewegen sich nur nachts in den Bergen von einer Stellung zur nächsten. Ihre Waffen transportieren sie in Rucksäcken.

Ihre Fotos zeigen viele schreckliche Szenen. Gab es auch Situationen, in denen Sie darauf verzichteten, ein Foto zu machen?
Ja, wenn die Menschen nicht abgebildet werden wollten. Aber das passiert kaum. Die Menschen haben keine Scheu, ihr Leid zu zeigen, weil sie wissen, dass ich ihre Geschichte weitererzähle. In Europa kann man sich nicht vorstellen, einfach in ein Haus zu gehen und ein Begräbnis zu fotografieren. Hier ist es total in Ordnung, fast überall. Syrien ist eine andere Welt.

Wie beurteilen Sie die gegenwärtige Situation in Syrien?
Das Land ist zerstört. Nicht nur die Gebäude, sondern auch die Beziehungen der Menschen zerbröckeln. Das macht mich traurig, weil Syrien so ein schönes Land ist. Die wunderschöne Altstadt von Aleppo wurde sogar zum UNESCO-Weltkultuerbe erklärt. Aber nun sind keine Menschen mehr da, nur mehr Feuer und Gefechte. Man hofft auf einen glücklichen Ausgang des Konflikts, aber leider wird es bestimmt keine schnelle Lösung geben.

Haben Sie Hoffnung für das Land?
Leider nicht. Die Situation ist sehr traurig. Was wir jetzt erleben, ist nur der Anfang. Es wird noch schlimmer kommen.

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