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aus Heft 41/2012 Gesellschaft/Leben

Die Kartenspielerin

Gabriela Herpell  Illustration: Daniel Frost

Er muss wissen, wie man reizt. Und er darf nie aufgeben. Nur wer sich mit Pik, Kreuz, Karo auskennt, hat Aussichten auf das Herz unserer Autorin.


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Mein Vater hat keinen Sohn gezeugt, sondern nur zwei Töchter. Aber er hatte, soweit ich mich erinnern kann, kein Problem damit. Zumindest hat er es nicht gezeigt. Die Dinge, die ihm wichtig waren, hat er einfach seinen Töchtern beigebracht, zum Beispiel Skat. Er hat es kaum abwarten können. Darum weiß ich, was Trumpf ist, seit ich laufen kann.

Wir drei, mein Vater, meine Schwester und ich, haben ständig Skat gespielt. Wenn man einmal anfängt mit dem Kartenspielen, kann man nicht mehr aufhören. Wir haben angefangen, wenn es regnete, aber nicht aufgehört, als die Sonne längst schien. In den Sommerferien am Mittelmeer haben wir es oft nicht an den Strand geschafft, sondern saßen im Haus, um in Ruhe Karten zu spielen. Manchmal zitierte meine Mutter, die unsere Begeisterung nicht teilte, meinen Vater mit an den Strand. Dann spielten meine Schwester und ich die Version für zwei Spieler, Bauernskat. Wobei das nicht dasselbe ist.

Wir waren ziemlich ehrgeizig, alle drei. Ein ständig schlechtes Blatt hat uns ernsthaft die Laune verschlagen. Und uns schlug das Herz bis zum Hals, wenn wir so gute Karten hatten, dass wir einen Grand Hand oder einen Null Ouvert spielen konnten. Wir haben geramscht und gegeneinander gekämpft und waren zugleich ein eingeschworenes Team, Komplizen. Weil man beim Skat zu zweit gegen einen spielt, mal mit dem einen, mal mit dem anderen.

Ich habe gelernt, dass man sich nie langweilt, wenn man 32 Spielkarten dabei hat, was kein sehr großes Gepäck ist. Ich habe gelernt, dass man zwar nach Gefühl spielen kann, es aber doch besser funktioniert zu wissen, ob noch ein Kreuz oder Herz oder Pik draußen ist oder nicht. Ich habe gelernt, dass es Leute gibt, die auch mit schlechten Karten gewinnen. Meistens sind es Männer.

Und genau das ist natürlich richtig attraktiv. Auch wenn gerade diese Männer die unter Kartenspielern weit verbreitete Schwäche haben, um alles und jeden zu spielen. Denn es bleibt natürlich nicht beim Kartenspielen. Diese Typen spielen Lotto; sie würfeln um die nächste Runde und wetten mit ihren besten Freunden um Weizenbiere oder andere Getränke, ob Sabine Töpperwien die Schwester oder die Tochter von Rolf Töpperwien ist; sie setzen ordentlich Geld auf Rot oder Schwarz, auf Pferde und Fußball- oder Eishockeyergebnisse. Es sind, im besten Fall, Typen, die für ihre Leidenschaften oder Überzeugungen ihre Jobs, ihren Ruf, ihre Gesundheit riskieren. Und manchmal spielen sie sogar mit dem eigenen Leben.

Zugegeben, es sind nicht die alltagstauglichsten unter den Männern. Aber wenn man Liebeskummer hat wegen so einem, was durchaus vorkommen kann, hilft: Kartenspielen, nächtelang. Weil man dabei die Welt um sich herum vergisst.


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