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aus Heft 43/2012 Reise Noch keine Kommentare

Ruhe, bitte!

Jahrelang hat unsere Textchefin vor allem ein Gedanke durch den Alltag gerettet. Wenn mir einmal im Leben alles zu viel wird, hau ich ab nach Mauritius. Jetzt war es so weit.

Von Susanne Schneider  Illustration: Daniel Egnéus





Hier wollte ich immer hin, und hier bin ich jetzt, und die Palmen stehen genau da, wo ich sie in meiner Fantasie hingestellt habe in all den Jahren: in weißem Sand unter knatschblauem Himmel; das Wasser weich, nicht zu warm, nicht zu kalt – wie das Wetter. Sonst: wenig los. Langweilig? Yippie! Irgendwann, ich weiß nicht mehr, wie lang das schon her ist, als ich mich mal wieder im Bad eingeschlossen hatte, meinem einzigen Rückzugsort, genervt vom Gegreine der Kinder: »Ich mag die Suppe nicht, hab aber trotzdem Hunger«, dem ewigen Einkaufen-Müssen und den anschließenden Vorhaltungen, das Wichtigste vergessen zu haben, dem Gehetze ins Büro, dem Ballwerfen für den Hund, hab ich mir geschworen: Wenn ich groß bin – nein, okay, also: Bis die Kinder groß sind, spare ich so viel, dass ich mir einen Luxusurlaub leisten kann. Nur ich. Ich ganz allein. So langweilig, wie ich will. Nein, ich meinte nie Lanzarote, ich meinte immer Mauritius oder was Vergleichbares in der Gegend, und zwar im Winter, wenn dort Sommer ist, fliege ich zu den Palmen ans Meer, und ein freundlicher Mensch wird mir den Liegestuhl in den Schatten tragen, lächelnd. Und ich werde rechts den Kindle und links den Drink in den Händen halten. Und denken werde ich an nichts. Außer vielleicht an den nächsten Drink. Mit das Beste dabei: Die Strände, die Hotels, das Wetter in Mauritius, alles eine Wucht – und man kann sich da besten Gewissens räkeln, denn man versäumt nicht viel, die Insel hat kulturell oder landschaftlich eher wenig zu bieten. Allen, die wie mein Mann riefen: »Was, davon träumst du? Das klingt ja stinkfad!«, entgegnete ich verächtlich: »Hello! Zu tun hab ich zu Hause genug. Nur ist das Wetter dabei auch noch schlecht.« Es war dann wirklich teuer. Und sensationell. Ein Luxushotel, das »Constance Le Prince Maurice«, im Osten von Mauritius: Und während des ziemlich langen Hinflugs hab ich mich doch mehrfach heimlich gefragt, ob ich mir meine kleine Flucht so überirdisch hingeträumt habe, dass die Realität sie nicht mehr einholen kann. Aber dann biegt der Fahrer ab zum Hotel, und nach ein paar Stufen hinauf schweift der Blick durch die offene Lobby über den Garten, den Infinity-Pool zu den Palmen und dem Meer – und alles ist gut. In einem eigenen kleinen Häuschen habe ich gewohnt, vor mir nur der Garten, die Palmen, und dahinter das Meer. Und stets lächelnde Angestellte huschen vorbei, immer meine Augen betrachtend, ob sie einen Wunsch darin ablesen können. Der Zufall wollte es, dass ich auch noch in einen internationalen Kochwettbewerb geraten bin, der jedes Jahr europäische Sterneköche mit einheimischen Köchen zusammenführt. Und abends dürfen die Hotelgäste deren Menüs essen. Ich kann einmal mehr nicht behaupten, darunter sehr gelitten zu haben. Nun bin ich wieder zurück und bereue: gar nichts. Außer einem: Ich weiß nicht recht, an welchen Sandstrand ich mich jetzt halluzinieren soll, wenn mich mal wieder alle ärgern. Und das tun sie ja ziemlich oft.

»Le Prince Maurice«
resa@constancehotels.com, DZ ab 370 Euro, Kulinarisches Festival: März.


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