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aus Heft 48/2012 Gesellschaft/Leben Noch keine Kommentare

Noch ganz bei Toast?

Einfach nur Butter drauf und fertig – bitte, das ist doch langweilig. Toast kann viel mehr. Sogar das Wetter vorhersagen.

Von Marc Baumann  Foto: André Mühling



So stellt sich der Designer Nathan Brunstein den Toast der Zukunft vor: Dank WLAN-Verbindung druckt der Toaster »Jamy« morgens den Wetterbericht aus. Zum Reinbeißen.

Es gibt so viele Beleidigungen auf der Welt, wäre es nicht schön, wenn man zumindest mal eine streichen könnte? Bitte sehr: »Du bist dumm wie Brot«, der Satz müsste bald der Vergangenheit angehören. Denn zumindest das Toastbrot kann längst mehr als nur braun werden: Es kann zu uns sprechen, mithilfe von Brandzeichen. Der französische Designer Nathan Brunstein hat einen Toaster entworfen, den man mittels WLAN-Verbindung an das Internet anschließen soll – damit der Toaster jeden Morgen den Wetterbericht auf das Weißbrot druckt.

»Das sind die zwei Dinge, die ich morgens möchte: Frühstück und die Vorhersage, ob es regnet«, sagt Brunstein, und weil es als Designer sein Job ist, Ideen miteinander zu kombinieren, um neue Produkte zu entwickeln, entwickelte er den Toaster »Jamy«. Bislang nur als Modell. Die Markteinführung gestaltet sich noch etwas schwierig, verrät er, »denn wir wollen den Toaster zu einem akzeptablen Preis auf den Markt bringen«. Seine Designstudie wurde über Blogs im Internet in alle Welt verbreitet, schnell meldeten sich die ersten Firmen bei ihm.

Dabei ist die Idee nicht neu, schon im Jahr 2001 berichtet die BBC über den
Toaster von Robin Southgate, damals Industriedesignstudent in London. Southgate war auf der Suche nach einem Abschlussprojekt, er verzweifelte an all den klugen und nützlichen Ideen seiner Kommilitonen – und beschloss: »Dann mache ich halt etwas Lustiges.« Den Wetter-Toaster. Southgates Prototyp konnte drei verschiedene Motive auf den Toast brennen, indem er hitzeresistente Folie am Ende des Röstvorgangs zwischen Toast und Heizstäbe schob. Das Ergebnis: Sah mit etwas Fantasie wie eine Regenwolke aus. Der Toaster steht noch in seinem Keller, ging aber nie in Serie.

Dabei kann man mit verbranntem Brot viel Geld verdienen: Im Jahr 2004 brachte ein zehn Jahre altes Toaststück mit einem schwarzen Fleck, der angeblich der Jungfrau Maria ähnelte, 22 000 Euro bei einer Versteigerung ein. Wer im Jahr 2012 eine Heilige auf der Toastscheibe sehen will, kauft sich einfach den »Jungfrau Maria«-Toaster für umgerechnet 26 Euro auf amazon.com. Motivtoaster gibt es von großen Parteien (mit SPD-Logo für 30 Euro) oder führenden Fußballvereinen (mit »BVB« oder »FCB« und Vereinsmelodie für 35 Euro). Ebenfalls erhältlich: »I love you«-Liebestoaster oder »Hello Kitty«-Toaster.

Weißbrot als Material setzt der Druckkunst zwar Grenzen, aber der »Scan Toaster« des Designers Sung Bae Chang, der 2008 in einem Wettbewerb der Firma Electrolux ausgezeichnet wurde, soll jedes Wunschmotiv hinbekommen. Man muss nicht lange überlegen, um auf sinnvolle Einsatzmöglichkeiten zu kommen: Fußballergebnisse (BVB – FCB 2:0), Börsenkurse (DAX -400 Punkte), SMS (»Meeting entfällt«), Zugverspätungen (»Gleis vereist«), die Frühstückslaune des Partners (netter oder böser Smiley). Und was könnten erst ein großes Waffeleisen auf den Teig oder die Pfanne ins Steak brennen?

Nur: Wäre es nicht einfacher, kurz aufs Smartphone zu blicken? »Wir haben schon genug Bildschirme in unserem Leben«, sagt Nathan Brunstein. Kluger Satz. Könnte man glatt aufs Brot brennen.
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