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aus Heft 06/2013 Reise Noch keine Kommentare

Prag

Ehrlich gesagt: Hier übertreiben sie es mit dem Thema »Venedig« etwas.

Von Georg Pacurar  Illustration: Jean Jullien




Hüh!: Die riesigen Baby-Statuen des Bildhauers David Černý sind Wahrzeichen der Kampa-Insel.

Brücken
Ein Holzsteg und fünf gemauerte Brücken führen auf die kleine künstliche Insel Kampa zwischen Moldau und Teufelsbach, die vom Fremdenverkehrsamt recht offensiv als »Prager Venedig« (Pražské Benátky) vermarktet wird. Die Insel ist gerade mal 2,5 Hektar groß und wurde im Spätmittelalter aufgeschüttet. Die Karlsbrücke, die über sie hinweg auf die Altstadtseite führt, ist sogar noch älter. So alt, dass sie gleich einige Rekorde hält: älteste noch stehende Brücke Prags, eine der ältesten Steinbrücken Europas. Jahrhundertelang wurde die Legende gepflegt, dass bei ihrem Bau der Mörtel mit Eiern verstärkt worden sei. Wissenschaftliche Untersuchungen haben dies widerlegt – statt Eiern wurden große Mengen Quark und Wein beigemischt.

Gondeln
Eine organisierte Bootsrundfahrt durch das »Prager Venedig« dauert eine Stunde, sie wird von einer »Prager Venedig GmbH« angeboten. Wer sich lieber selbstständig machen will: Tret- und Ruderboote kann man ein Stück flussaufwärts an der Moldau mieten. Nach Kampa hinein kommt man damit allerdings nicht, das verhindert das Wehr zwischen Legionen- und Karlsbrücke.

Stadtkünstler
Das Viertel zieht seit jeher Künstler wie den Grafiker und Trickfilm-Pionier Jiří Trnka an. Seine Villa am Teufelsbach zählt zu den schönsten Häusern der Stadt. In einer rekonstruierten Mühle an der Moldau beherbergt das Kampa-Museum die Sammlung der tschechisch-amerikanischen Kunstmäzenin Meda Mládková. Vor dem Museum stehen die bronzenen Babies des Bildhauers David Černý, der das kleine Venedig wie kein anderer prägt: In seiner Stammkneipe, einer alten Mühle am Teufelsbach, hat er die Theke gestaltet, ein surrealistisches Panoptikum in Kunstharz. Einen knappen Kilometer flussabwärts steht Černý Statue Piss. Sie zeigt zwei lebensgroße männliche Gestalten, die beim Urinieren ein Bassin in den Umrissen der Tschechischen Republik füllen. Der Harndrang lässt sich per SMS übers Handy steuern.

Essen
»Lokál«: beste böhmische Wirtshausküche. Die Betreiber beziehen Fleisch und Gemüse aus der Region, in Prag keine Selbstverständlichkeit. Míšeňská 12, Malá Strana, Tel. 00420/257/ 21 20 14.

Schlafen
Das »Mandarin Oriental« liegt in einem rekonstruierten Kloster aus dem 14. Jahrhundert und ist kaum hundert Meter von der Karlsbrücke entfernt. Nebovidská 1, Tel. 00420/233/ 08 88 88, www.mandarinoriental.com/prague, DZ ab 250 Euro. Viel günstiger übernachtet man im »Theatrino«, etwa vier Kilometer von der Kampa entfernt, im Stadtteil Žižkov, der für seine alternative Kultur- und Kneipenszene bekannt ist. »Prague Hotel Theatrino«, Borivojova 53, Žižkov. Tel. 00420/227/03 18 94. DZ ab 30 Euro.

Unbedingt
Ein Glas im Stehen trinken im »Bistro Bruncvík« (Na Kampě 7), im Volksmund okýnko (Fensterchen) genannt, direkt unter der Karlsbrücke und ein paar Schritte vom Teufelsbach. Den schottischen Bluessänger Stan »The Man« Wolarz und seine Bohemian Blues Band in ihrem Stammladen hören, dem Jazzclub »U malého Glena« (Karmelitská 23, Tel. 00420/257/53 17 17).

Auf keinen Fall
Bargeld in einer der Wechselstuben auf der Kleinseite wechseln. Obwohl »no commission« versprochen wird, zahlt man drauf und verliert bis zu zwanzig Prozent gegenüber dem amtlichen Kurs. Lieber per Geldkarte am Automaten Kronen abheben. Vorsicht auch bei den Taxis, die in der Mostecká-Straße unweit der Karlsbrücke warten; die Preise sind oft überteuert. Besser im Lokal oder Hotel ein Taxi rufen lassen.

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