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aus Heft 07/2013 Essen & Trinken 10 Kommentare

Läuft!

Jahrelang galt Filterkaffee als oll, spießig und Draußen-nur-Kännchen. Jetzt ist er auf einmal wieder voll da - weil ein paar schlaue Koffeinfans mit aufwendigen Brühtechniken experimentieren.

Von Kerstin Greiner  Fotos: Mierswa & Kluska / Styling: Klaus St. Rainer und Johannes Bayer (Goldene Bar)



Wenn Kaffeekenner erklären wollen, wie es um das Verhältnis der Menschen zum Kaffee gerade steht, sprechen sie gern von der »dritten Welle«. Die »erste Welle« spülte den Kaffee in die Supermärkte: gemahlen, vakuumverpackt, im handlichen Ziegelsteinformat, für jeden erschwinglich. Bei der »zweiten Welle« lernten die Menschen mit Hilfe von Starbucks und Nespresso-Kapsel-Maschinen, dass man schnellen, frischen, mit Hochdruck gebrühten Kaffee immer und jederzeit - und sogar im Gehen! - trinken kann. Jetzt kommt die »dritte Welle: Cafés in Kopenhagen, Berlin, London, New York und München, die wie Chemielabore aussehen und »Brew Bars« heißen. Dort sitzen Leute, die sich lange über Kaffee unterhalten können und dabei ein Vokabular benutzen, das man eher von Weinliebhabern kennt. Dem Kaffee widerfährt gerade das, was schon mit Olivenöl, Meersalz, Whisky und Schokolade passiert ist: Plötzlich ist es den Menschen wichtig, woher ihr Kaffee kommt. Und wie er angebaut, gehandelt, geröstet, gemahlen, zubereitet wird.

Mit dieser »dritten Welle« schwappt nun auch der Filterkaffee zurück auf die Kaffeetische. Völlig zu Unrecht hatte der jahrzehntelang einen schlechten Ruf. Schuld sind die Ungetüme von Filtermaschinen in Büros, in denen ein Gebräu, warmgehalten von einer Heizplatte, so lang vor sich hin gärt, bis es wie Erdöl schmeckt. Gepresster Kaffee - das Espresso-Prinzip - geht schnell und ist immer frisch, weil jede Tasse einzeln zubereitet wird. Filterkaffee dagegen ist aufwendig zu brühen, entwickelt dafür aber auch mehr Geschmack. Verschiedene Filtermethoden, neue und wiederentdeckte, betonen die Aromen unterschiedlicher Sorten und Röstungen. Aber bitte: Zuerst das Filterpapier mit heißem Wasser durchspülen, damit es seinen Papiergeschmack verliert. Nur frisch gemahlenen Kaffee verwenden, 60 Gramm pro Liter mit 92 bis 94 Grad heißem Wasser übergießen, aus einer Kanne mit dünnem Schwanenhals, mit kreisenden Bewegungen, und zwar genau - kein Witz! - zwei Minuten 30 Sekunden lang. Der wahre Kaffeekenner hält dafür seine Stoppuhr bereit.

BEZUGSQUELLEN

Rezepte zu nahezu allen Filtermethoden:www.brewmethods.com
Verkauf von Filterzubehör und Kaffee: www.kaffeekommune.de
Kaffeerösterei/Online Shop: www.jbkafeee.de

Cafés in Deutschland

Berlin:
Chapter One Coffee
CK Café
The Barn
No Fire No Glory

Hamburg:
Elbgold
The Coffee Shop

München:
Die Goldene Bar
Ab März 2013 Gamsei

Frankfurt am Main:
Hoppenworth & Ploch
Kaffeewerk Esspressionist

Nürnberg:
Kaffeemanufaktur Machhörndl

Ansbach:
Green & Bean

Ingolstadt:
Kaffeekontor Bayern

Münster:
Roestbar

Styling Klaus St. Rainer und Johannes Bayer - Goldene Bar

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Kommentare

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Kommentar:

  • Torsten Hahn (0) Bei Good Karma Coffee in Karlsruhe wird auch der Filterkaffee zelebriert. Die Bohnen dazu werden hier selbst geröstet und sind 100% direct trade Microlots, Farmkaffees und aus der Zusammenarbeit mit Bauernkooperativen. Es gibt außerdem Kurse in der Kunst des perfekten Filterkaffees u.a. www.goodkarmacoffee.de
  • Lars Neberg (0) Nur als Beispiel: Es geht auch nach alter Manier und Stilvoll.http://www.plus.de/Clatronic-TKS-3504-Inox-3-in-1-Tee-und-Kaffeestation/Wasserkocher/Haushalt/p-1426287000?CatalogCategoryID=mcjDbjxlhI0AAAEqc_ME6DQ5
    Der Filterkaffee-Trinker von heute ist der Handyverweigerer der 90er.
  • Lars Neberg (0) Das durchspülen des Filter ist mir auch neu, danke dafür! Man ist heute aber auch erschlagen mit der Wissenschaft des Kaffees. Nennt mich altbacken, ich habe schon aus dem Grund ein Old-School-Gerät im modernen Design geholt, dass ich mich nicht mit neuen Techniken wie Pads, Kapseln und co herumschlagen will.
  • Michael Wegener (0) Ich habe mich länger gefragt, warum es diesen Hype gibt...
    vermutlich seit ca. 2009, als in der Kultserie "Breaking Bad" eine riesige
    Kaffeebrühvorrichtung im Labor installiert wurde.
    Auf der Suche nach guten Kaffeebohnen
    gibt es die Seite: http://www.suche-kaffeeroester.de
  • Nadine Almbach (0) So Ihr Lieben. Guten Filterkaffee gibt es nicht nur in den Großstädten. Bei meinen Eltern in Bad Salzuflen in der Coffeethek Genusswelt brühen die auch die röstfrischen Kaffees auf. Man kann sogar aus den unterschiedlichen Ländern wählen. Und wer wie ich weiter weg wohnt, kann unter www.coffeethek.de röstfrischen Kaffee bestellen. Viele Grüße Nadine
  • Christina Weiß (0) In Berlin gibt es viele tolle neue Kaffeebars mit den interessantesten Filterkreationen. Dazu passt wunderbar der neue Trend zu alten Sammeltassen. Retro paart sich da mit Nachhaltigkeit. Einfach bei Oma stöbern, auf den Flohmarkt gehen oder bei www.anna-vintage.de aus einer großen Auswahl wählen. Das weckt Erinnerungen an die guten alten Zeiten. Bestimmt :-)
  • Martin Neuschwan (0) Halllo Freunde, super Artikel! Jetzt hab ich Lust auf guten Kaffee! Ich habe gerade beim surfen http://www.coffeecircle.com entdeckt. Schaut nach richtig gutem Kaffee aus. Hab mir gerade ein Probierpaket bestellt. Kennt die jemand? Schönen Sonntag Euch!
  • Rychard Vi (0) Und in Heidelberg gibt es seit September 2012 den Coffee Nerd am Adenauerplatz mit vielen der oben genannten Spezialitäten & einer Brew Bar für Filterkaffee ..
  • Christoph Kanitz (0) Noch ein Coffee Shop mit Filterkaffee in Berlin: Five Elephant Coffee
  • Christoph Kanitz (0) Weitere Kaffeebars, die Filterkaffee anbieten:

    Berlin:
    - Bonanza Coffee Heroes
    - Leuchtstoff Kaffeebar
    - Tres Cabezas

    München:
    - Green Cup Coffee Shop