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aus Heft 08/2013 Mode & Accessoires Noch keine Kommentare

Zwei wie Pech und Schwefel

Dolce & Gabbana gehören seit fast dreißig Jahren zu den erfolgreichsten Designern. Privat sind sie schon lange kein Paar mehr, beruflich nach wie vor unzertrennlich. Das Geheimnis ihrer Kreativität? Sie lieben sich noch immer - und können herrlich streiten.

Von Silke Wichtert und Thomas Bärnthaler (Interview) 



Vierhändig spielen: Stefano Gabbana (stehend) und Domenico Dolce bei der letzten Anprobe einer Robe aus ihrer Alta-Moda-Kollektion.

Der Firmensitz von Dolce & Gabbana in der Via Goldoni ist ein schlichter Bau mit Glasfassade und begrüntem Empfangsbereich. Dahinter jedoch herrscht raffaelitische Opulenz: Blumenbouquets in jeder Ecke, Lüster an der Decke, sizilianische Obstschalen auf den Tischen. Im Aufzug lächelt die Assistentin nervös, dann beugt sie sich herüber und flüstert: »Herr Dolce wird leider nicht bei uns sein können.« Es klingt, als läge er im Sterben. »Bitte haben Sie Verständnis, er arbeitet an der Kollektion.« Wir sind also nach Mailand geflogen, um das mächtigste Duo der Mode zu sprechen, aber es kommt nur die Hälfte. Da biegt Stefano Gabbana auch schon um die Ecke, gehetzt, mit schnellen Schritten. Domenico, sagt er, sei unabkömmlich, keine Chance. Er muss unten im Atelier noch letzte Hand an die Couture-Kleider anlegen, die am nächsten Tag präsentiert werden.

SZ-Magazin: Herr Gabbana, ehrlich gesagt sind wir gekommen, um mit Ihnen beiden zu sprechen. Sollen wir das Ganze vielleicht verschieben, bis Herr Dolce …
Stefano Gabbana: Verschieben? Bloß nicht! Dann kommen Sie eben mit runter.
Es geht ein paar Stufen hinab zum Showroom, wo Domenico Dolce gerade mit Nadeln im Mund an einem Mädchen herumzupft. Drumherum eine Entourage an Schneiderinnen und Assistenten. Die Sonne flutet durch die Fenster. Die Atmosphäre: geschäftig, aber irgendwie auch friedlich. Gabbana schiebt sich einen Stuhl unters Gesäß, sein Partner stellt sich kurz dazu, schüttelt brav die Hand, um im nächsten Moment wieder hinter einem Kleiderständer zu verschwinden. Er sei jedoch »voll da!«

Sie sind seit dreißig Jahren im Geschäft – und haben erst jetzt mit »Alta Moda«, also Haute Couture, angefangen. Hat Sie das vorher nie gereizt?
Domenico Dolce: Ich sage immer: Wenn Sie ein Stück Land haben, dann kommt irgendwann die richtige Zeit für die Erdbeeren, die Zeit für die Wassermelonen, und irgendwann sind die Äpfel dran. Wir sind genau jetzt reif dafür.

Nicht wenige behaupten, die Couture sei mausetot: zu teuer, zu unrentabel, zu unzeitgemäß.
Gabbana: Tatsächlich? Wir hatten in letzter Zeit immer häufiger Anfragen von Kundinnen für Sonderanfertigungen. Die wollen ein Kleid nicht bei einer Modenschau sehen, nicht in einem Magazin, nicht an irgendeinem Hollywood-Starlet – die wollen ein Kleid, das nur für sie gemacht worden ist.

So eine Couture-Show ist natürlich auch ein hübscher Imagefaktor für eine Marke.

Dolce: Wir machen das hier nicht für ein paar Fotos, die wir dann um den Globus schicken können, um noch mehr Parfum zu verkaufen!
Gabbana: Obwohl es ja stimmt, Domenico. Nach unserer ersten Alta-Moda-Show im Sommer sind tatsächlich viele Leute in die Läden gegangen und haben sich ein Parfum gekauft oder sonst was – das funktioniert.
Dolce: Aber wir machen keine so große Show daraus wie in Paris, es ist eine private Veranstaltung. 130 Leute, keine Blogger, keine Stars. Es geht hier nur um die Kleider, die Handarbeit, etwas zum Träumen! Nicht um ein paar Handtaschen.

Im Blickpunkt Ihrer ersten Alta-Moda-Kollektion stand Sizilien, dieses Mal Mailand, überhaupt geht es in Ihrer Arbeit immer um Italien. Verbraucht sich das nicht irgendwann?
Gabbana: Wir versuchen gelegentlich, Italien zu entkommen, aber am Ende landen wir immer wieder hier.
Dolce: Stefano, schau mal kurz her: mit Mantel oder ohne? (Dolce steht neben einem Model, das unter einem weißen Kurzmantel eine Art Badeanzug trägt.)
Gabbana: Herrgott, zieht ihr doch bitte etwas über – mit Mantel natürlich! Diese Modenschau findet in einem Salon statt, Domenico, da kann man nicht so viel Haut zeigen! Wo war ich?

In Italien. Wie steht es derzeit um die italienische Seele?
Gabbana: Ich denke, das System hat sich nicht groß verändert seit der Antike. Es ist seit Julius Cäsar das gleiche geblieben.

Und, ist es ein gutes System?
Gabbana: Nein, ist es nicht. Ich hoffe, dass es sich eines Tages ändert. Aber ich glaube an das italienische Volk. Es ist kreativ. Nicht im modischen Sinne, sondern was das Leben und Überleben betrifft. Zur Zeit gibt es viel Unmut wegen der hohen Steuern. Aber viel schlimmer ist: Wir haben ein System, das zu wenig Arbeitsplätze schafft. Ein Staat sollte wie eine große Familie sein. Das fehlt uns im Moment. Wenn Sie Ihrem Sohn kein Geld mehr geben, kann er auch nichts aus sich machen.
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