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aus Heft 11/2013 Das Beste aus aller Welt 8 Kommentare

Das Beste aus aller Welt

Unser Autor hat herausgefunden, wie Europa aus der Finanzkrise herauskommen kann. Die Lösung liegt auf der Hand - man fragt sich, warum sie unseren Politikern bisher entgangen ist.

Von Axel Hacke  Illustration: Dirk Schmidt




Dieser Tage ist mir eingefallen, wie Europa aus seiner Finanzkrise zu retten wäre. Es ist gar nicht schwer.

Ich hatte eine Diskussion mit Bruno, meinem alten Freund, der seine Bücher bei Amazon bestellt, obwohl jeden Tag in den Zeitungen steht, wie scheußlich Amazon viele Mitarbeiter behandelt. Bruno argumentierte, er sei ein bequemer Mensch und lasse sich die Dinge gern ins Haus schicken; auch habe er zu wenig Zeit, um sich in Geschäften herumzutreiben.

Ich sagte: Ob er nicht wisse, dass auch Buchhandelsketten wie Osiander, Hugendubel oder Thalia einen jeweils hervorragenden Internetservice hätten, dass jede deutsche Buchhandlung über Nacht Hunderttausende von Büchern besorgen könne, dass die dann oft viel schneller da seien als die von Amazon (die nicht selten tagelang erst mal beim Nachbarn herumlägen), dass dieser Service weltweit einmalig sei. Ich argumentierte politisch mit der Verödung unserer Städte durch die Ausbreitung des Online-Handels. Ich argumentierte ökologisch mit dem Wahnsinn der ständig durch unsere Straßen gurkenden Paketlieferanten mit ihren aufwendig verpackten Heizlüftern, Klamotten, Büchern und Weinkisten im Frachtraum. Ich argumentierte moralisch: Der Mittelstand, Säule unseres Gemeinwesens, sei bedroht durch Konzerne.
Bruno zuckte die Achseln. So sei der Kapitalismus, der Starke fresse den Schwachen. Aber, rief ich, die Macht im Kapitalismus hat der Verbraucher, er trifft die Entscheidungen. Der Verbraucher, sagte Bruno, ist ein Egoist.

Auf der Suche nach weiteren Argumenten entdeckte ich dann einen Bericht des Handelsblatts: Den Finanzbehörden gingen Hunderte von Millionen Euro verloren, weil Amazon durch eine ausgeklügelte Struktur von Tochterfirmen einen großen Teil seiner Gewinne nach Luxemburg verlagere, wo sie nur sehr gering besteuert würden. Der entsprechende und in diesem Fall gültige Satz überschreite die sechs Prozent nicht, mit etwas mehr Geschick seien sogar fast null Prozent möglich. Dies sei ein legales und übliches Verhalten, auch Apple, Google, Microsoft und andere Riesenfirmen drückten so ihre Steuerlast tief nach unten. Starbucks zum Beispiel habe in Großbritannien in vierzehn Jahren drei Milliarden Pfund eingenommen, aber nur neun Millionen Steuern gezahlt. Und Amazon habe in den vergangenen Jahren in Luxemburg zwei Milliarden Euro steuerfrei gebunkert, Geld für weitere Expansion.

Das fand ich erstaunlich: Dass der deutsche Buchhandel letztlich mit Steuern die Straßen finanziert, auf denen seine schärfste Konkurrenz ihre Waren zu den Kunden bringt. Wobei man im Grunde der Firma keinen Vorwurf machen kann. Sie tut nichts Verbotenes, sie nutzt ja nur Chancen.

Doch wer bietet ihr diese?

Ich las weiter, erst im Oktober 2012 habe Amazon ein neues Firmengebäude in Luxemburg eröffnet, in Anwesenheit des luxemburgischen Finanzministers, dessen Regierungschef Jean-Claude Juncker übrigens oft und gern neue Hilfen für die Krisenländer Europas fordert. Und ich fand in der Wirtschaftswoche ein Gespräch mit dem EU-Steuerkommissar Algirdas Šemeta, der beklagte, den Finanzbehören in Europa gehe jährlich eine Billion Euro verloren – und zwar nur zu einem kleineren Teil durch kriminelle Steuerhinterziehung. »Leider gibt es in der Europäischen Union zu viele Möglichkeiten«, sagte Šemeta, »seine Steuern ganz offen zu minimieren. Diese erlauben einigen multinationalen Unternehmen, eine aggressive Strategie zur Steuervermeidung zu betreiben.«

Eine Billion Euro. Das sind tausend Milliarden Euro, nicht wahr? Das ist ein Betrag mehr als dreimal so hoch wie die Ausgaben im Bundeshaushalt 2013.

Irgendwo las ich auch, dass Deutschland durch die Euro-Krise im allerschlimmsten Fall bis zum Jahr 2015 Kosten in Höhe von 70,8 Milliarden Euro entstünden.

Ich bin kein Fachmann. Im Grunde frage ich mich bloß: Warum ist Europa eigentlich überhaupt in einer Finanzkrise?

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Kommentare

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  • Georg Schmidt (0) mal so nebenbei-die Deutsche Bank hat Rücklagen von 2.400.000.000? gebildet, um ihre Skandale bezahlen zu können-in Worte Zwei komma vier Milliarden ?uro !
  • Georg Schmidt (0) richtig Mr Cool, Sie sollten sich aber auch beim Tanken Rechnungen mit ausgewissener MWSt geben lassen und sollten Sie bei Real Globus usw einkaufen auch, denn die ausländischen Konzerne, die in D auch wenig oder keine Steuern bezahlen-was machen wir mit denen ? und dann VW nicht vergessen 1.000.000.000? Steuern gespart, fragen Sie mal warum und die beiden Finanzhaie, der auf Kaimann die Milliarden deutschen Steuern gebunkert haben, die sie durch die , ich sag lieber nicht, des Fiskus ergaunert haben !
  • Mole Cool (0) Bei meiner nächsten Steuererklärung werde ich die MwSt meiner Einkäufe bei Amazon von unserem Fiskus ausdrücklich zurück verlangen, um meine steuerlichen Nachteile gegenüber Amazon als Einzelperson geltend zu machen!
  • Georg Schmidt (0) heute in SZ-schwerer Betrugsverdacht gegen Banken-tja-die paar ?uro die Amazon einspart, da lachen die Banker nur-aber solange Sparer und Versicherungsnehmer weiter auf die Banker/Politiker Sprüche reinfallen-brauchen die Damen und Herren in den Chefetagen nix befürchten-ab und zu kommt Steini vorbei und hält für 25.000? einen Vortrag !
  • Andreas Linne (0) Apropos Krise: Sind die Zeitungsverlage nicht auch in einer ...? Ich frage mich jedenfalls zum wiederholten Male, warum ich die SZ eigentlich noch weiter abonnieren soll, wo es doch online alles "für umme" gibt. Vielleicht könnte Herr Hacke da mal ...?
  • Georg Schmidt (0) ja Ich weis, Ihr könnt Amazon nicht leiden-diese Bösen, die ihre Ware innerhalb Tage ausliefern, diese Menschenschinder und dann noch Steuer verschieben-da fällt mir ein, dass ein Finanzchef eines grossen XXX-Unternehmen mal geprahlt hat, dass sie in D so gut wie keine Steuern bezahlen, obwohl sie in D produzieren, dass es mit Stern ist nebenbei- in einer TV Talkshow beklagte der BP CHef Deutschland, man würde ja in D nur Miese machen, als man ihn bat, mal in London bei der BP mutter die Bücher einzusehen-winkte er ab-richtig finde ich, wie die USA da zahlen die Bürger alle, egal wo sie sind Steuern-da gibts keinen Beckenbauer, der in D millionen scheffelt, aber in Kitzbühl versteuert, oder einen Michael Schumacher, der seine 600.000.000 in der CH sehr sparsam versteuert oder Vettel oder wie die Grössen alle heissen, ich bin nicht neidisch, ich würds auch so machen , wer zahlt gerne Steuer, aber warum gerade wieder Amazon!?
    PS Familie Quandt oder Piech müssten ihr Vermögen wie jeder andere Bürger versteuern und die VW Familie hat durch einen winzigen Steuertrick 1.000.000.000 ?uro gespart, das nenn ich clever, man muss nur wissen, wo was steht!