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aus Heft 22/2013 Die Gewissensfrage

Die Gewissensfrage

Dr. Dr. Rainer Erlinger  Illustration: Serge Bloch

Gehört Popcorn zur Kinokultur? Oder sollte es aus dem Saal verbannt werden, weil Schmatz- und Kaugeräusche den Filmgenuss stören?

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»Meine letzten beiden Kinobesuche wurden durch Popcorn-
verzehrende Sitznachbarn erheblich beeinträchtigt: die knisternde Tüte, die Kaugeräusche, der penetrante Geruch. Meiner Ansicht nach schließen sich Popcornessen und störungsfreie Filmrezeption aus. Aber was hat Vorrang?«  Ralf M., Dresden




Man fragt sich ja, woher die enge Verbindung von Popcorn und Kino kommt. Der amerikanische Lebensmittelhistoriker Andrew F. Smith nennt sie in seinem Buch zur Kulturgeschichte des Popcorns »Zwangsheirat« und verortet ihren Ursprung in der Great Depression in den USA der Dreißigerjahre. Zuvor hatten Kinobetreiber den Verkauf von Popcorn abgelehnt, weil es nicht zum exklusiven Charakter der Filmtheater passte. Während der Weltwirtschaftskrise aber zeigte sich, dass Popcorn, weil billig in der Herstellung, für die verarmte Bevölkerung einen günstigen Snack darstellte und dennoch große Gewinne abwarf. Deshalb gehört es heute in gewissem Sinne zur Kinokultur.

Ich habe mich umgehört. Von Programmkinobetreibern erfuhr ich, dass die Eintrittspreise allein die Kosten der Kinos nicht decken, ein Verkauf von Getränken und Snacks also notwendig sei. Ein Regisseur sagte, seine Haltung sei: Ein Film muss so gut sein, dass Popcornessen nicht dabei stört. Falls nicht, sollte der Filmemacher ein schlechtes Gewissen haben, nicht der Esser. Und eine Filmkritikerin erwies sich als nicht gerade begeistert vom Popcornessen, besonders bei anspruchsvollen Filmen; schlimmer aber seien Nachos, da höre der Spaß einfach auf. Sie habe aber nur einmal Theater gemacht: als während der Berlinale jemand neben ihr Gyros verspeiste.
Insgesamt scheint mir das Kino eine so große Bandbreite sowohl der Stoffe als auch der erzählerischen Mittel aufzuweisen, dass ich unterscheiden würde: Bei hochkulturellen Filmen, die klassischen Konzerten oder Theateraufführungen entsprechen, sollte man auf nichtstörende Erfrischungen ausweichen. Bei Filmen jedoch, die rein unterhalten oder eher Sportveranstaltungen und Gladiatorenkämpfen nahestehen, sehe ich wenig, was gegen die klassische Verbindung von Kino und Popcorn spricht.



Literatur:


Andrew F. Smith, Popped Culture. A Social History of Popcorn in America, Smithonian Institution Press, Washington and London 2001
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Haben Sie auch eine Gewissensfrage? Dann schreiben Sie an Dr. Dr. Rainer Erlinger gewissensfrage@sz-magazin.de

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