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aus Heft 22/2013 Ein Interview ohne Worte 2 Kommentare

Sagen Sie jetzt nichts, Olli Dittrich

Der Humorist über Günter Wallraff auf Undercover-Recherche, sein Doppelkinn, Loriot und den HSV.

Fotos: Axel Martens



OLLI DITTRICH

Geboren: 20. November 1956 in Offenbach 
Beruf: Humorist, Musiker
Ausbildung: Mittlere Reife, Ausbildung zum Theatermaler
Status: Der ohne Schenkelklopfer auskommt

Wer Olli Dittrich begegnet, trifft auf einen sehr ernsten Gesprächspartner: keine Witze, keine nach Lob heischenden Pointen, nicht mal verschämte Kalauer. Das unterscheidet ihn von jenen, die sich Comedians nennen und sich seit Jahren in der deutschen TV-Landschaft eingenistet haben wie Termiten in totem Holz. Eher höflich analytisch beschreibt Dittrich seine Begabung, in Rollen zu schlüpfen, »Kunstfiguren«, nennt er sie. Ob als legendärer »Dittsche« im blauweißgrauen Bademantel, ob in den frühen Neunzigern als Beckenbauer in RTL Samstag Nacht oder in seiner neuesten Rolle als Moderator (und Großteil der Gäste) in Frühstücksfernsehen (ARD): »In der Entschleunigung und Zurücknahme liegt große Komik, das ist mein Ding«, sagt er nur. Anders ausgedrückt: Gerade weil er sich selbst fast verleugnet und seinen Figuren den nötigen Platz zum Leben lässt, gewinnen sie an Glaubwürdigkeit. Wo zu Beginn eine Kunstfigur stand, steht plötzlich ein Mensch - mit einem wunderbar hell scheinenden Makel, der amüsiert, ohne gehässig zu sein. Dass sich hinter diesem Menschen Olli Dittrich verbirgt, vergisst man dann oft. So gut ist er.

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Kommentare

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  • Ralf Henke (0) Ich kann diese ewigen Vergleiche nicht mehr ertragen. Wann endlich werden wir Deutsche beginnen Humor ob seiner selbst zu lieben und zu geniessen, ohne ihn immerzu dem Vergleich der kulturhistorischen (vermeintlichen) Vorbilder (= Loriot für den "ernsten" Humor, Waalkes für den Klamauk) zu unterwerfen oder zumindest hinsichtlich seines "kulturellen Werts" (oder eben der kulturellen Bedeutungslosigkeit) zu analysieren. Jeder Humorist - egal ob Slapstick, Satire, Kabarett oder neudeutsche Comedy - hat seinen Stil; Publikum sowie Geschichte werden darüber urteilen, ob er/sie etwas bleibendes geschaffen hat oder ob es nur ein temporäres Zwerchfellkitzeln war. Wobei auch letzteres wichtig ist.

    Kommentare und Bewertungen a la "Dittrich Du bist nicht gut, da Du nicht im mindesten an den heiligen von Bülow heranreichst." nutzen wirklich niemandem und dienen höchstens der Demotivation des humoristischen Nachwuchs.

    Deutscher Dekonstruktivismus... Mann, wo könnte dieses Land ohne ihn schon sein?!
  • Georg Sander (0) Der Unterschied zwischen Loriot und Oli Dittrich ist so groß wie der zwischen Können und Wollen.