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aus Heft 22/2013 Gesundheit 16 Kommentare

Düstere Aussicht

Nach dem Tod ihrer Mutter wollte sich unsere Autorin endlich stellen: dem Alter und dem Sterben. In ihrem halben Jahr als Pflegehelferin hat sie eine Welt erlebt, in der es Stress und Chaos, aber wenig Liebe gibt.

Von Almut Mangold  Illustrationen: Gipi



Haus Lebensbaum/Pflegeheim Mitte

Frau Nisch* ist gewöhnungsbedürftig – mir, der Leasingkraft, will man sie ersparen. Aber dann kommt sie mir im Rollstuhl auf dem Flur entgegen, nur mit Schlüpfer und Hemd bekleidet, und drängt ins Freie. »Raus hier!«

»Aber Sie können doch so nicht raus. Es ist kalt draußen«, versuche ich die wütende Frau zu beruhigen.

»Du hast mir gar nichts zu sagen! Ich bin doch hier nicht im Gefängnis, ich kann raus, wann ich will!« Sie stößt mich zur Seite. Ich suche ihre Hose und laufe hinterher. »Weg, du olle Fotze. Ich kenne dich nicht. Ich lass mir doch von dir keine Hose anziehen!«

Schnell greife ich zum Hilfe-Telefon: »Geht grad nicht, bin beschäftigt, warte mal, komme gleich«, sagt die Kollegin gehetzt. »Halt sie auf jeden Fall auf, dass sie nicht auf die Straße fährt!«

Der Rollstuhl ist bereits im Aufzug auf dem Weg nach unten. Ich über die Treppe hinterher. Frau Nisch fährt gerade hinaus durch die Tür. Ich stelle mich vor sie. Sie brüllt mich an, ich rufe wieder um Hilfe. Endlich kommt die Kollegin. Die wird von Frau Nisch akzeptiert und schafft es, die freiheitsbedürftige Alkoholikerin wieder auf ihr Zimmer zu bringen.

Das liegt im zweiten Stock: lange schmale Gänge, Bänke wie im Jobcenter, die Wände besprüht mit kitschigen Bildern, in jedem Stock ein anderes Motiv, damit die Insassen sich orientieren können. Rechts die Arbeitsräume: Aufenthalts- und Essraum, billige Möbel, Küche mit zu wenig Tassen und Besteck, Mitarbeiterklo, Raum für frische Wäsche, Fäkalienspüle. Links des Gangs die Zimmer der Bewohner: Bett, Schrank, Tisch, hohes Fenster, enges Duschbad mit Toilette. Karge Zellen.

Die Bewohner dieses Hauses sind Härteres gewohnt: Bänke, Brücken, U-Bahnhöfe. Früher haben sie sich Drogen gegen ihren Kummer selbst beschafft, jetzt bekommen sie die vom Arzt und der Pharmaindustrie gratis. Doch sie sind verzweifelt, haben Angst, wollen raus, bekommen nie genug von allem und wollen alle gleichzeitig bedient werden: Sie wollen aus dem Bett geholt, aufs Klo gesetzt werden, den Hintern gewaschen und die Zähne geputzt bekommen, sie wollen, dass man ihnen Zigaretten zuteilt, ihre Langeweile tötet, ihnen Windeln anlegt, sie ins Bett bringt.

Dafür bin ich da. Aber warum bin ich hier?

Als meine Mutter im Sterben lag, haben wir nicht viel darüber geredet, meine Mutter war nie sehr gesprächig. Oder war ich es, der die richtigen Worte fehlten? Habe ich ihr genügend Zeit geschenkt? Hätte ich mich mehr um sie kümmern müssen? Das schlechte Gewissen blieb und nagte.

Deshalb bewarb ich mich in Altersheimen, um dort eine Weile zu arbeiten und mich intensiv dem Sterben zu stellen. Voraussetzung für eine solche Arbeit ist ein 400-stündiger Kurs. Ich nahm den billigsten, heuerte anschließend bei einer Leasingfirma an. Und begann meine Reise durch die Pflegeheime.

Haus Diamant

Fünf Stockwerke, 42 Zimmer pro Stock, manche Zimmer sind doppelt belegt – ein Massenbetrieb. Ich habe Nachtdienst. Eine Kollegin übergibt mir eine Liste mit Namen, Zimmernummern und den Bedürfnissen der Bewohner und verabschiedet sich in den Feierabend. Ich bleibe allein auf dem Stockwerk.

Ich schiebe mich mit meinem Arbeitswagen, teils mit frischer Wäsche und Reinigungsmitteln, teils mit Mülleimer und Schmutzwäschesack, durch die Flure, halte mich an dem Zettel fest und versuche, die vielen Bewohner dieser Etage zweimal in der Nacht trockenzulegen. Ich kenne das Haus nicht, kenne die Bewohner nicht. Und in den Doppelzimmern: Wer ist wer? Einige beschimpfen mich, andere wollen nicht geweckt und gewendet werden, manche sind freundlich, unterstützend und bedanken sich. Eine dünne Alte klammert sich verzweifelt an meinen Arm: »Warum hat sie mich hierhergebracht? Immer ist sie unterwegs. Was soll ich hier? Ich will hier nicht sein, in diesem schrecklichen Haus. Sie haben mich hierhin abgeschoben …«, stammelt sie und bedankt sich, weil ich mich ihr zuwende und zuhöre. Doch sie ist nicht allein im Raum, jetzt wacht die Zimmergefährtin auf. Und ich muss weiter.

Ein anderer Bewohner ist psychisch krank. Sobald ihn jemand berührt, brüllt er aus weit aufgerissenem Mund und versteift alle Glieder. Unmöglich, bei ihm allein die Einlagen zu wechseln. Ich suche einen freundlichen Kollegen aus einer anderen Etage. Wir machen einen Deal: Er hilft mir – ich helfe ihm bei zwei schwierigen Fällen. Der Kollege macht diese Arbeit bereits seit Jahren: jede Nacht zweimal fünfzig frische Windeln, Hintern abwischen im Akkord. Ich dagegen bin langsam und umständlich. »Du machst das wohl noch nicht so lange«, sagt er.

Nein, mache ich nicht. Ich rede mit den Leuten. Die Gespräche mit den Schlaflosen kosten mich Zeit. Ich bin vorsichtig, lasse einige schlafen, schaffe die zweite Runde nicht ganz. Am nächsten Tag geht eine Beschwerde ein: Zu viele Pflegefälle seien am Morgen nass gewesen.

Weisheit

Altenpflegehelfer darf sich nennen, wer einen 200- bis 400-stündigen Kurs absolviert hat. Diese Kurse werden oft vom Jobcenter vermittelt, denn die Nachfrage nach Altenpflegern ist riesig. Angeboten werden solche Kurse von der florierenden Arbeitslosenindustrie, sie kosten zwischen 450 und 1800 Euro. Die Qualität wird nicht überprüft. Der Staat zahlt.

Tatsächlich sind viele auf diese Art ausgebildete Pfleger oft erneut arbeitslos, denn auf dem Arbeitsmarkt fehlen hauptsächlich Pflegefachkräfte mit dreijähriger Ausbildung. Doch wer macht schon so eine Ausbildung, mit der Aussicht auf eine Arbeit mit harten Arbeitsbedingungen und magerem Verdienst? Pflegehelfer dagegen gibt es im Überangebot, und das drückt die Löhne. Sie verdingen sich bei Leasingfirmen – immer in halben oder viertel Stellen mit kurzzeitigen, schnell kündbaren Verträgen. Durch den ständigen Wechsel von Häusern, Kollegen und zu pflegenden Bewohnern ist die Arbeit über Leasingfirmen besonders anstrengend.

Viele Pflegekräfte sind Zuwanderer aus Lateinamerika, Afrika, Asien und der ehemaligen Sowjetunion. Oft Menschen aus der sogenannten dritten Welt. Sie haben häufig den besseren Humor und die freundlicheren Umgangsformen; manchen gelingt es, eine wohltuende Ruhe zu verbreiten. Viele haben eine gute Ausbildung, die in Deutschland nicht anerkannt wird. Als Altenpfleger haben sie die Möglichkeit, legal Geld zu verdienen. Sie kommen hierher in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Doch sie geraten vom Regen in die Traufe: Pflegehelfer belegen die unterste Stufe in der Heim-Hierarchie.

Waldesruh

Zu dieser privaten Seniorenresidenz am waldigen Rande der Stadt brauche ich je eine Stunde Fahrzeit hin und zurück. Ich arbeite 6,5 Stunden, manchmal auch länger, wenn ich am Ende in aller Eile noch Patienten-Akten mit Kreuzen und Unterschriften fülle. Dazu kommt noch Umziehen vor und nach der Arbeit. Eine halbe Stunde Pause wird abgerechnet, obwohl ich selten dazu komme; es werden also sechs Stunden bezahlt für bis zu neun Stunden, die ich mit der Arbeit verbringe. Der Stundenlohn beträgt 8,75 Euro brutto, 52 Euro am Tag abzüglich Fahrgeld: für neun Stunden Aufwand also 47 Euro. Macht 5,22 Euro brutto pro Stunde für eine anstrengende, stressige, dreckige, stinkige, Rückgrat quälende, kräftezehrende und überaus missachtete Arbeit.
 
Die »Residenz« hat ihre eigene Leasingfirma. So werden alle Pfleger vorerst als 400-Euro-Kräfte geprüft, bevor ihnen die Ehre einer Festanstellung angeboten wird. Wer als Springer arbeitet, wird besonders gern an Wochenenden eingesetzt, denn Springer bekommen laut Vertrag keinen Wochenend- und Nachtzuschlag.

In allen Pflegeeinrichtungen arbeiten die meisten Pflegekräfte in Dreiviertel-Stellen. Eine Vollzeitstelle wäre zu anstrengend, der Krankenstand dann zu hoch. Hilfskräfte verdienen zirka 1100 Euro netto, Fachkräfte 1500 Euro. Also übernehmen sie heimlich nebenher 400-Euro Jobs in einer Leasingfirma. Da bekommen Fachkräfte an einem Wochenende noch einmal 250 Euro steuerfrei, Hilfskräfte können es auf 120 Euro schaffen. In diesem Job wird man nicht alt: Die durchschnittliche Verweildauer im Altenpflegeberuf beträgt weniger als neun Jahre.
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Kommentare

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Kommentar:

  • Georg Schmidt (0) bevor man auf billige Pflegerinnen und Heiminsassen rumhackt-sollte man sich lieber mal die Träger vornehmen-Kirchen-Wohlfahrtsverbände !
  • Georg Schmidt (0) Danke, Rainer, ich bin für jedes Kompliment dankbar, also ich war schon vor 50 in einem Altenheim und meine FRau und ich haben eine Tante 10Jahre lang nach ihrem, der Tante, Schlaganfall gepflegt, hautnah mitbekommen, wie ein Mensch verfällt, ich war im Aussedient kam oft Freitag spät heim, meine Frau war bis Samstagmittag im Geschäft, nach Geschäftsschluss zusammenpacken zur Tante fahren, das Bett voller Kot, die Tante hat sich mit ihrem Kotfinger die Haut aufgerieben, also da war der Nachmittag schon gelaufen, Tante baden-Haare waschen. Fingernägel schneiden, Bett beziehen, dan wurde ein Spezialbett angeschafft, mit einem Loch, darunter ein Eimer, nach einer Weile bekam meine Frau im öertlichen Pflegeheim eine Platz für die Tante, kostet aber schlappe 3.800 DM,/Monat, meine Frau fuhr des öfteren hin, man könnte viel schreiben, einmal war das Mittagsesen so mies, man Frau brachte es zum Heimleiter und bat ihn das Zeug zu essen, der Gute lehnte aber ab, also, in dem Artikel gehts nur um Pflegerinnen, Bezahlung und renidente alte Leute, das kann man sich sparen !
    allein der Satz-um mich intensiv mit dem Sterben zu beschäftigen.hl. Maria, was laufen auf der WElt für Menschen rum, um mich intensiv...! klar um dann beim Kaffekränzchen einen auf schlau machen !
  • Rainer Baumann (0) Georg Schmidt, Sie sind ein Idiot!
  • Georg Schmidt (0) ehrlich gesagt, ich ein fast regelmässiger Leser des SZ Magazins und bezahl auch dafür, aber dieser Beitrag, ne Leute, ne !
  • Thorsten Meier (0) Weshalb gelingt es einer ausgewiesenen Journalistin nicht, auch nur ansatzweise die Hintergründe der beschriebenen Zustände zu beleuchten? Zu kompliziert? Personalschlüssel, Pflegesatzverhandlungen; SGB 11 - läßt sich alles nicht vermitteln?
    Der angeblich ach so kritische Journalismus scheitert wie immer am fehlenden Hintergrundwissen. Das ist leider mit ein Hauptgrund, warum solche Zustände in unserern Pflegeheimen überhaupt möglich sind.
    Angemessene Pflege ist unter 4500 Euro im Monat nicht zu haben. Gehe ich von durchschnittlich 3 h Pflege und Betreuung pro Tag (ein Tag hat in der Pflege übrigens 24 h!) und gehe von 35 Euro/h aus (auch Pflegekräfte haben Urlaub und krank werden sie auch) , entfallen allein 3150 Euro auf die direkte Pflege. Wäre leider ganz schön teuer, so eine menschenwürdige Pflege entsprechend unserem Grundgesetz.
    Und über die 3h pro Tag als Minimalstandard diskutiere ich auch nicht. Wer behauptet, man könnte die überwiegend Demenzkranken in den Heimen in 45 Minuten/Tag ordentlich pflegen und betreuen, arbeitet entweder für die Kostenträger oder lügt sich halt in die eigene Tasche. Anleitende und aktivierende Pflege ist im SGB 11 gefordert. Das wäre auch mit 3h /Tag noch schwierig..
    Die Journalitin darf sich jetzt getrost neuen Themen zuwenden. Wir warten gemeinsam auf den nächsten Skandal oder die nächste Betroffenheitslyrik. Usw. usw...
  • Karola Schramm (0) Hier werden Pflgeheime aus dem letzten Jahrhundert geschildert, in dem auch die Leitungen - Heimleitung - Pflegedienstleitung - leider nicht daran interessiert sind, dass Pflge besser wird, d.h. was kann man an "Pflge" verbessern ? Nichts.

    Die Menschen werden gepflegt, wie es der Standard ist - der Haken ist das Tempo, dass vom Personal und den Bewohnern gefordert wird.

    Alte, kranke, verwirrte Menschen brauchen ein ruhiges Tempo, eines - mit dem sie mitkommen - wenn sie das Denken nicht verlernen sollen.

    Leider ist langsameres Arbeiten, auf die Bewohner abgestelltes Arbeiten, nicht möglich - und darum handelt es sich hier um strukturelle Probleme und nicht um pflegerische.

    Einfach mehr Personal, was ja da ist, vollzeitmäßig eingestellt, gibt eine hohe Arbeitszufriedenheit beim Personal und weniger aggressive Zwischenfälle bei den Bewohnern.

    An die Autorin. Der Artikel ist aus Ihrer Sicht - ich schätze mit viel Frust geschrieben, weil sie nicht vom Leben und Sterben erfahren haben, sondern von Hektik, Aggressivität, Kälte und Kaltschnäuzigkeit.

    Die Bewohner sind keine Insassen und der Satz "....die wird von Frau Nisch aktzeptiert (ist doch natürlich, misstrauisch anderen gegenüber zu sein, erst recht im hohen Lebensalter mit viel Negativ-Erfahrung) und die schafft es, "die freiheitsbedürftige Alkoholikerin...."
    Mit dieser Beschreibung transportieren Sie negative, abfällige Gefühlsinhalte auf diese Bewohnerin, die nicht gut sind - und ich finde es schade, dass Sie in Ihrer zwar kurzen, doch immerhin Einführung in die Altenpflege, nichts von Achtung und Respekt auch im Reden über die Bewohner gelernt haben oder Kolleginnen Ihnen da nicht helfend zur Seite standen.

    Es liegt nicht an der Pflege - sondern an der Einstellung - die Politik, Heim- und Pflegedienstleitung zu Personal und Menschlichkeit haben. Ist das gut, wird auch die Pflege gut.
    Da muss man nicht nach Thailand, sondern es liegt an uns hier mehr Personal einzufordern - damit die Menschenwürde, die unter die Räder gekommen ist, wieder gerettet und implementiert werden kann.
  • Georg Schmidt (0) Omi will nach Thailand-ein intressanter Film- kostet monatlich 2.700 ?-also Omi will nach Thailand !
    2.700? kostet nicht der Film, sondern der Monat in einem Pflegeheim, dass ein Schweizer betreibt!
  • Barbara Walz (2) @Fr. Mayrhofer
    ich stelle fest, dass nach dem lesen Ihres beitrages wut in mir aufsteigt ob der , wie ich finde, vermessenen und unverschämten unterstellung, pflegebedüftige menschen würden aus faulheit in heime "abgeschoben" werden und mit ein bisschen guten willem und minimalem kosteneinsatz, könnte man bei etwas weniger egoismus das ganze schon zu hause stemmen.
    ich bin selbst examinierte krankenschwester und habe während meines studiums teilzeit in der ambulanten pflege gearbeitet. natürlich ist diese rein menschlich betrachtet meistens dem heim vorzuziehen, allerdings ist häusliche pflege mitnichten für alle durchführbar und bezahlbar. eine rundumpflege durch examiniertes hier in deutschland angemeldetes und angestelltes fachpersonal ist nicht 24 stunden bezahlbar bzw. nicht kostengünstiger als ein heimplatz, also kann sie angehörigen nur unterstützend helfen und teilleistungen übernehmen. eine pflegerin aus dem ausland, zumeist aus den ehemaligen ostblockländern ist für pflegebedürftige menschen hierzulande gewiss ein segen, ob die arbeitsbedingungen für die betroffenen jedoch besser sind, als die im artikel beschrieben kann in vielen fällen verneint werden. Fernab ihrer familien arbeiten diese 24 rund um die uhr und dürfen oftmals neben der pflege des angehörigen auch noch den ganzen haushalt mitversorgen und das alles für kleines geld.
    als tochter einer demenzkranken mutter, weiß ich darüber hinaus nicht nur aus der beruflichen erfahrung, was es heißt einen von dieser krankheit betroffenen menschen zu versorgen. die belastungen sind enorm und oftmals auch gesundheitlich für die angehörigen kaum zu bewerkstelligen. im gegensatz zum heimbestrieb hat man nämlich nicht nur die tag- sondern auch die nachtschicht, begleitet von der permanenten verantwortung und der angst. wer kleinkinder hat weiß, wie anstregend diese dauerbetreuung ist und wie schön jeder entwicklungsschritt ist, weil die selbsttändigkeit und damit auch die eigenen freiräume immer größer werden. so sehr man sein(e) kind(er) liebt, ich habe bisher niemanden erlebt, der nicht phasenweise total erschöpft war durch die anforderungen, der betreuung. einen demenzpatienten zu betreuen heißt dauerhafte kleinkindbetreuung über jahre, das mag jetzt auch zynisch klingen, trifft aber die situation. Das ist sowohl physisch als auch psychisch anstregend und meine erfahrung ist, dass viele menschen durchaus ein schlechtes gewissen haben sich hilfe zu holen oder ihre angehörigen in eine pflegeeinrichtung zu bringen, obwohl sie schon längst ihre belastungsgrenze weit überschritten haben. die finanzierung von pflege ist darüber hinaus weder im häuslichen noch im heimberreich zufriedenstellend und dass viele menschen sich eine gute pflege nicht leisten können hat überwiegend nichts mit geiz, sondern mit realen gegebenheiten zu tun. nicht umsonst ist altersarmut ein zukunftsthema und bereits heute reicht das geld oftmals nicht für eine gute betreuung wo und durch wen auch immer. ich finde auch nicht, dass ein berufstätiger mensch, ich vermeide es bewusst hier von frau zu sprechen, obwohl dies wahrscheinlich statistisch zutreffender wäre, erwerbsarbeit aufgeben muss oder soll um angehörige pflegen zu können. mit dem finger auf die angehörigen zeigen, die es "schlechter" machen, ändert nichts an der tatsache, dass gute pflege für menschen mit erhöhtem pflegebedarf und hier vor allem von von demenz betroffenen menschen unter den jetztigen bedingungen für viele nicht finanzier- und durchführbar ist und dies ist, wie die autorin aufzeigt für alle beteiligten (und hier schließe ich viele angehörige mit ein) eine fürchterliche, menschenunwürdige und stark verbesserungswürdige situation.
  • Georg Schmidt (0) komisch nur, bei Amazon wird gegen die Bezahlung protestiert, Verdi ist vorne dran-also Ihr lieben Leute-einfach mal am Sonntag vor der Kirche die Trillerpfeifen aktivieren, obwohl man hörte, dass einige Kirchen??? bereit sind Mindestlöhne zu bezahlen !
  • Klaus Protz (1) Hier noch ein kleiner Nachtrag zu diesem Thema.
    Auch wenn die Petition an den Deutschen Bundestag bereits abgelaufen ist,
    kann man trotzdem noch seine Stimme dazu abgeben:
    http://www.rosenblaetter-im-irrgarten.de
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