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bedeckt München
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aus Heft 23/2013 Essen & Trinken

So gut wie echt

Lara Fritzsche und Philipp Hauner (Protokolle) 

Wenn einem in Berlin oder München ein altgedienter cameriere den Espresso serviert, schön mit prego und tutto a posto?, wird der Cafébesuch zum Kurzurlaub. Aber raten Sie mal, wo diese charmanten Italiener wirklich herkommen.


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Karl Gschaider ist falscher Italiener aus Überzeugung: »Die Leute wollen auch ein bisschen Show.«

Karl Gschaider, 48, Café Ruffini

»In einem Restaurant muss was passieren. Ich finde, die Kellner sollten nicht nur das Essen bringen, sondern auch Spaß. Und die Italiener machen einfach die beste Show, da habe ich mir einiges abgeguckt. Eigentlich bin ich Österreicher und gelernter Konditor. Jahrelang habe ich erst im ›Schlosshotel am Wörthersee‹ und später im ›Weißen Rössl‹ Kuchen und Gebäck für die Gäste hergestellt. Ist eine schöne Aufgabe, nur leider ohne Publikum. Seit 1993 bin ich jetzt im ›Ruffini‹ im Service. Und zu meinem Glück: Unsere Gäste lieben mich in der Rolle des falschen Italieners.«

Ruffini
Orffstraße 22–24
80637 München



Ungetrübtes Verhältnis: Leonardo Abdallah ist Tunesier und bedient seit dreißig Jahren in italienischen Restaurants.


Leonardo Abdallah, 46, Restaurant Capone

»Ich bin seit dreißig Jahren Kellner – immer nur in italienischen Restaurants. Warum? Ich liebe Italien, seit ich dort mein Handwerk gelernt habe, 1984 an der Hotelschule. So ein ›Buona sera, Signora, come sta, buon appetito‹ macht doch gleich gute Laune. Im ›Capone‹ reden auch wir Kellner untereinander nur Italienisch. Das ist die Sprache, die wir alle perfekt beherrschen, obwohl wir aus vielen verschiedenen Ländern kommen. Ich bin Tunesier. Meine Kollegen witzeln immer, ich hieße wohl nicht wirklich Leonardo – aber dazu sage ich nichts. Betriebsgeheimnis.«

Capone
Kurfürstendamm 202
10719 Berlin

Was macht eine gut italienische Bar aus? Perfekt aufgeschäumte Milch, klar, aber vor allem das überschäumende Temperament der Mitarbeiter, sagt Andy Salger.


Andy Salger, 34, Bar Centrale

»Ich bin Autodidakt. Habe nie einen Italienischkurs besucht oder in Italien gelebt, ich bin Allgäuer. Ich schaue mir alles von meinen italienischen Kollegen ab. Die sind herzlich, locker und lebendig. Ein bisschen ›bella ragazza‹ und ›tutto a posto?‹ macht ja noch keinen italienischen Kellner. Dieses Flair entsteht ja erst dadurch, dass sich alle einbringen. Ich nenne es immer ›lauthals arbeiten‹: In der Küche wird geflucht, an der Bar wird geflachst und im Gastraum geflirtet. So entsteht diese Stimmung, die ich mag. Ich mache wie selbstverständlich mit.«

Bar Centrale
Ledererstraße 23
80331 München

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