Anzeige

aus Heft 26/2013 Die Gewissensfrage 9 Kommentare

Die Gewissensfrage

Wer ist dafür zuständig, an der Supermarktkasse den Warentrenner auf's Band zu legen?

Von Dr. Dr. Rainer Erlinger  Illlustration: Serge Bloch

»Jedes Mal, wenn ich im Supermarkt einkaufen gehe, stellt sich mir an der Kasse dieselbe Frage: Wer ist dafür zuständig, dieses Teil, an dem die Kassiererin erkennt, was zu welchem Kunden gehört, auf das Band zu legen? Ist es meine Aufgabe, es hinter meine Einkäufe zu platzieren, oder soll der nächste Kunde es vor seine Einkäufe legen?« Meike F., Lüneburg



Um Ihre Frage zu beantworten, habe ich diesmal Experimente durchgeführt und verschiedene Szenarien getestet: meine Einkäufe mit und ohne Warentrenner – wie diese Teile offiziell heißen – hinter die vorherigen gelegt, mal mit kleinerem oder größerem Abstand, manchmal einen solchen Trenner hinter meinen Waren positioniert und manchmal nicht. Und dann beobachtet, wie die anderen Kunden darauf reagieren. Zugegebenermaßen nicht besonders wissenschaftlich, aber dennoch aufschlussreich.
 
Als Erstes konnte ich feststellen, dass die Dinger, so schrecklich ich sie persönlich finde, dennoch ihren Sinn haben, weil sie den Kassiervorgang vereinfachen. Allerdings wirken sie nicht nur für Waren abgrenzend, sondern auch gegenüber den Menschen und haben damit auch etwas passiv Aggressives. Wer das für übertrieben hält, sollte einmal den Menschen in die Augen schauen, während sie diese Trenner vor oder hinter ihre Einkäufe setzen oder gesetzt bekommen: Fast immer erkennt man an den Gesichtern, dass es hier um so etwas wie Revierabgrenzung geht, oft gepaart mit unter- oder überschwelligen Vorwürfen, dass man diese Grenze zieht oder eben nicht gezogen hat.

Damit aber wird es schwierig zu beantworten, wer die Trenner setzen sollte, denn gerade bei Lappalien wie dieser sind die symbolischen Auswirkungen auf das Zusammenleben wesentlich gewichtiger als jede theoretische Überlegung, wessen Aufgabe und Recht das nun sein könnte.

Dennoch haben meine Experimente auch eine Lösung geliefert: Wenn man den Menschen in die Augen sieht, lächelt man meist unwillkürlich – ich zumindest tue es. Das aber nimmt dem Ganzen jegliche Aggression, macht es im Gegenteil zu einem prosozialen Verhalten, und dann ist tatsächlich egal, wer den Trenner setzt. Eigentlich nicht besonders überraschend, aber dennoch wirksam.

Hinweis:

Es scheint sich dabei nicht, wie man annehmen möchte, ein typisch deutsches Phänomen zu handeln. Sowohl der Warentrenner, im Englischen auch „cashier stick", „cashier bar“, „shopping divider“ oder einfach „divider“ genannt, als auch die Diskussion um die „supermarket etiquette“ gibt es offenbar in vielen Ländern.

Interessant finde ich die einfache Idee einer Firma aus den USA, die Kassenbänder mit regelmäßigen Streifen zu versehen, so dass die folgenden Kunden einfach ihre Einkäufe hinter den nächsten Streifen legen können und so signalisieren, dass die Waren nicht mehr zu den vorherigen gehören: http://www.4extender.com/CM.jpg



Anzeige





Kommentare

Name:
Kommentar:

  • Magali Jung (0) Meiner Meinung nach ja gar keine Gewissensfrage, sondern nur unnötige Hirnleistungsverschwendung, sich über sowas überhaupt Gedanken zu machen! Wenn ich meine, einen Warentrenner zu brauchen, leg ich einen hin, mit Gewissen hat das nichts zu tun!
  • Peter Ellert (0) War das mal ein Thema? Vor 10 Jahren vielleicht?
    Dabei gäbe es so schöne und wissenswerte Gewissensfragen.
  • Georg Schmidt (0) einfach warten-bis ein Hintermann/Frau kommt-Junge-Junge, hier ist was los!
  • Torsten Ermel (2) Logischerweise müsste der Hintermann fürs Trennen zuständig sein. Denn warum sollte der Vordermann das machen, wenn möglicherweise überhaupt kein Hintermann mehr kommt?
  • Georg Schmidt (0) ja,macht Euch das Leben bloss nicht zu einfach, Ware, die reserviert habe und die nun ein anderer Kunde bezahlt-1x tief durchatmen, es wird schon wieder!
  • Thomas Häfner (0) Solange die Ware auf dem Band ist und bevor der Bezahlvorgang abgeschlossen ist, befindet sich die Ware im Besitz des Supermarktes. Ware, die ich nicht haben möchte, bezahle ich auch nicht. Bezahlt der Kunde vor mir Ware, die ich eigentlich für mich reserviert habe, dann gehe ich eben zurück ins Lager und nehme es mir eben noch einmal.
    Eigentlich einfach zu lösen durch Kommunikation miteinander.
  • Karl-Heinz Failenschmid (0) Wo ist das Problem? Entweder macht das die Kundin vor mir oder ich, oder auch der Kunde nach mir, irgeneiner machts und das Ding ist gegessen. Soll ich jetzt vor Gericht, um die Kassiererin dazu zu zwingen? Übrigens: in China ist eben ein Sack Reis umgefallen, werden jetzt blos wieder aufrichtet?
  • Martin Marquardt (0) Warentrenner und Gewissen .... habe aber auch gar nichts miteinander zu tun.

    Selbst Kant hat dazu nichts geschrieben.
  • Georg Schmidt (0) o Gott, jetzt wird der Bock fett-den Trenner zu setzen, ist eine ganz einfach Handlung, mit Abgrenzung hat das nix zu tun, man machts um der Verkäuferin zu zeigen, was man aufs Band gelegt hat, die Bänder laufen schon mal mit einer gewissen Automation, sodass die Einkäufe zweier Kunden leicht vermischt werden, also ich geh täglcih oft 2x einkaufen, und schau in die Augen anderer Leute, meist sieht man höchst freundlcihe Gesichter, keiner fletscht die Zähne oder wird aggresiv, also , warum geht Ihr nicht selber einfach mal einkaufen und habt für Eure Mitbürger mal eine nettes Wort !