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aus Heft 40/2013 Mode & Accessoires 1 Kommentar

Der Detailist

Mit Präzision und Gespür für diskreten Luxus hat der Designer Tomas Maier aus dem Label Bottega Veneta eine Weltmarke gemacht. Im Interview erklärt er, warum er sich trotzdem nie fragt, was sich gut verkaufen könnte.

Von David Pfeifer (Interview) 



TOMAS MAIER Modemacher Geboren 1957 in Pforzheim, Waldorf-Schüler. Ging mit 20 nach Paris, wo er zunächst als Designer für Guy Laroche, Sonia Rykiel und Hermès arbeitete. 2001 übernahm die Gucci Group das Label Bottega Veneta und engagierte Maier als Chefdesigner. Dort baute er den einstigen Lederwarenhersteller zur globalen Luxusmarke auf. Seine Strategie: keine Logos oder Etiketten, das »Produkt muss für sich sprechen«. (Foto: Corbis)

SZ-Magazin: Herr Maier, Sie haben 2001 das heruntergewirtschaftete Luxuslabel Bottega Veneta übernommen. Seitdem stieg der Umsatz jedes Jahr – bis zur aktuellen Rekordmarke von 945 Millionen Euro. Können Sie erklären, warum Menschen in harten Zeiten Ihre sündhaft teuren Ledertaschen, Möbel und Ihre Mode kaufen?
Tomas Maier:
Wer heute Geld ausgibt, investiert es in Gegenstände, die schön sind und der Zeit widerstehen. In Dinge, die Sie nicht nur besitzen, sondern vielleicht auch weitergeben können. Unsere Kunden sollen sagen, »oh, das ist aber schönes Leder – und so gut verarbeitet!« Ein gutes Produkt wirbt für sich selbst. Dann muss man auch nicht diesen It-Bag-Unfug betreiben, bei dem Stars viel Geld dafür bekommen, dass sie eine Handtasche in die Kamera halten. Für so dumm lässt sich heute kaum noch ein Kunde verkaufen.

Profitieren Sie davon, dass Reiche ihren Wohlstand nicht mehr zeigen wollen?
Wahrscheinlich. Ich persönlich finde zurückhaltenden Geschmack immer die bessere Alternative, egal wie die Zeiten sind. Sie wollen doch nicht jedem zeigen, dass Ihr Jacket 1250 Euro gekostet hat. Es reicht zu wissen, dass Sie perfekt angezogen sind und sich darin wohlfühlen. Jedes Mal, wenn Sie es tragen, macht es Ihnen Freude. Deswegen ist es sein Geld wert – nicht weil andere Menschen wissen, wie viel es gekostet hat.

Sie wollen also die Marke für die bescheidenen Reichen sein?
Unsere Kunden fangen nicht gerade erst an, Geld für schöne Dinge auszugeben. Die haben schon dies und das erlebt, vielleicht ein paar Fehler gemacht. Die wissen genau, was sie wollen.

Aber wie jede Luxusmarke eröffnen auch Sie Shops in Russland, in China – in neureichen Märkten mit frischem Geld.
Ich war zuletzt auf einigen Veranstaltungen in Russland und habe dort unglaublich distinguierte Menschen kennengelernt. Fantastisch aussehende Frauen, großartige Schönheiten, die wundervoll zurückhaltend und kultiviert angezogen sind. Die sind weit über den Punkt hinaus, wo sie mit Marken angeben wollen. Menschen mit gutem Geschmack gibt es selbstverständlich überall.

Obwohl Sie global agieren, legen Sie Wert auf lokales Handwerk. Sie bilden sogar selber Fachkräfte aus.
Inzwischen arbeiten etwa 3000 Menschen bei Bottega Veneta, aber wir können nicht so viel herstellen, wie wir absetzen könnten, weil wir keine guten Leute mehr finden. Deswegen haben wir die »Schule für Lederhandwerk« ins Leben gerufen. Etwa 60 Prozent der Absolventen fangen anschließend bei uns an.

Überall in Europa sind junge Leute ausbildungs- und manchmal sogar perspektivlos. Wie kann es da sein, dass Sie über Personalmangel klagen?
Junge Menschen scheinen zu denken, dass Handwerk keine Zukunft hat. Ich halte das für Idiotie, denn gute Handwerker werden seltener und ihre Arbeit dadurch wertvoller.

Ist das nicht auch eine Spätfolge davon, dass Modefirmen Teil von börsennotierten Unternehmen geworden sind, die alles weggespart haben, um den Shareholder Value hochzutreiben? Auch Bottega Veneta gehört zu 100 Prozent der französischen Holdinggesellschaft Kering, die auch Firmen wie Gucci, Saint Laurent und Puma unter ihrem Dach versammelt.
Trotzdem geht es bei Bottega Veneta viel um soziale Verantwortung. Wir wollen die ganze Region Venetien fördern. Wir haben ein Programm für arbeitslose Frauen entwickelt, die Schwierigkeiten haben, zurück in den Job zu finden – wenn sie über 45 Jahre alt sind, will sie niemand mehr einstellen. Wir haben nach Fukushima ein Austauschprogramm mit japanischen Studenten gestartet. Derzeit planen wir, afrikanische Lehrlinge auszubilden, damit sie später eigene Betriebe in ihren Heimatländern gründen können. Gleichzeitig haben wir an unserem Stammsitz in Vicenza eine wunderschöne Fertigungsstätte eröffnet und dabei besonderen Wert auf gute Arbeitsbedingungen gelegt.
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Kommentare

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  • Jan Markus Linhof (0) Guter Mann. Hat verstanden, um was es gehen muss, im 21. Jahrhundert.