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aus Heft 19/2014 Kino/Film/Theater

Glock gehabt

Seite 2: 1989 läuft der Name Glock erstmals über eine Kino-Leinwand

Roland Schulz  Illustration: Gluekit


Im Januar 1987 schafft es das Produkt das erste Mal ins Fernsehen. Miami Vice, Staffel 3, Folge 14, ein komplettes Kommando von Exil-Kubanern ist mit den kantigen Pistolen bewaffnet. Eine Platzierung in Miami Vice ist nicht übel. Außer Sakkos in Pastell hat die Serie eine weitere Mode befeuert: Als sie 1984 anläuft, wünscht der Produzent für seinen Helden Sonny Crockett eine Pistole, die ebenso schmuck wie schwer ist. Die Wahl des Waffenmeisters fällt auf ein neues, teilweise verchromtes Modell, die Bren Ten. Der Preis der Pistole schießt in die Höhe. Ihr Hersteller war inzwischen pleitegegangen. Aber auch andere Knarren in Chrom verkaufen sich vorzüglich.

1989 läuft der Name Glock erstmals über eine Kino-Leinwand. Eine Danksagung, im Abspann des Films Johnny Handsome. In dem Thriller sucht Mickey Rourke für einen Rachefeldzug eine saubere Waffe, nicht registriert. Sein Schieber drückt ihm erst eine Beretta in die Hand, damals die neue Dienstpistole der US-Armee – und hält dann eine Glock in die Höhe: »Und hier haben wir die neue Nummer Eins. Halbautomatik. Aus Österreich. Bauen das Teil aus Plastik, damit’s nicht festfriert in den Bergen dort.« Rourke kauft. Glock hat die erste Sprechrolle bestanden. Nur der Film ist kein Erfolg. Was noch fehlt, ist ein Kracher.

1990 ist es so weit. Ein aufstrebender Waffenmeister, Michael Papac, erhält den Auftrag, die Fortsetzung des Kassenschlagers Stirb langsam auszustatten, in dem Bruce Willis einen Polizisten spielt, der es allein mit Terroristen aufnimmt. Gewünscht sind Sturmgewehre, ein Haufen Maschinenpistolen und der übliche Kleinkram. Welche Marken? Das Drehbuch lässt dem Waffenmeister weitgehend freie Hand, zweimal taucht eine Typenbezeichnung auf: MAC-10, eine militärische Maschinenpistole, schwer zu kriegen – und Glock. Die hat der Waffenmeister da. Ganz frisch, gerade reingekommen.

Im Film stürmt Bruce Willis nach einer ersten Schießerei auf einem Flughafen zum Sicherheitschef, um Alarm zu schlagen: »Der Punk hat eine Glock 7 gezogen! ’Ne Ahnung, was das ist? Eine Pistole aus Porzellan, hergestellt in Deutschland – taucht nicht auf Metall-Detektoren auf und kostet mehr, als Sie im Monat verdienen!« Wer diese Zeilen schrieb, verstand sein Werk. Alles, was Willis über die Waffe sagt, ist falsch – und doch eine perfekte Anspielung auf den Ruf, der Glocks damals vorauseilt.

Die Tupperware-Knarre hatte für Aufregung gesorgt, weil US-Behörden fürchteten, sie könne leichter in Flugzeuge geschmuggelt werden. Zeitungen warnten, Glocks seien »Hijacker Specials«, die Waffe der Wahl für Luftpiraten. Kaum einer kannte die Marke. Gesehen oder gar geschossen hatten sie die wenigsten Amerikaner. Die erste Lieferung für den US-Markt hatte nur 800 Stück umfasst. Auch als amtlich feststand, dass Metall-Detektoren auf Glocks anschlagen, wucherten Gerüchte über die geheimnisvolle Pistole weiter.

Diese Gerüchte werden von Bruce Willis 1990 geadelt. Es ist eine geniale Schleichwerbung: Es gibt keine Glock 7, die Pistolen sind weder aus Deutschland noch aus Porzellan und kosten damals kaum 600 Dollar – lauter Fehler, die nur den Menschen auffallen, die Glock als Kunden gewinnen will: Waffenliebhaber. Meist technikbesessene Männer, überschlagen sie sich, um Bruce Willis seine Fehler nachzuweisen. Seine Sätze sind bis heute ein Hit in der Waffenszene. Karl Walters Traum ist wahr geworden. Glock hat einen legendären Auftritt in einem Kassenschlager hingelegt. Walter freut sich nicht lange an dem Erfolg. 1992 feuert ihn die Firma nach einem Streit. Aber seine Saat geht auf.

Es geht Schlag auf Schlag. In Hollywood zwei Actionfilme, ein Thriller in Hongkong. Auf seiner Flucht als Dr. Kimble schießt sich Harrison Ford den Weg mit einer Glock frei. Stars wie Tommy Lee Jones, John Malkovich, Willem Dafoe werden von Waffenmeistern mit der Pistole ausstaffiert, nur bei Arnold Schwarzenegger ist es anders. Er verlangt von sich aus nach der neuen Attraktion aus seiner alten Heimat.

Glock hat das Glück, dass Anfang der 1990er-Jahre eine Kultur aufblüht, die aus eigenem Antrieb von der Pistole fasziniert ist – Hip-Hop. Für den Sprechgesang des Rap bietet die Waffe einen unschlagbaren Vorteil: Glock reimt sich gut. 1991 singt der kommende Superstar Tupac Shakur auf seinem Debutalbum: »I chose droppin’ the Cop, I got me a Glock / and a Glock for the niggas on my block.« Parallel zum Aufmarsch auf der Leinwand tauchen die Pistolen auch in der Hitparade auf. Als Tupac Shakur 1996 in Las Vegas erschossen wird, wirkt sein Tod wie ein Zitat seiner Lieder: Der Mörder schießt mit einer Glock.

Ende der Neunzigerjahre stecken die Waffen, die in Miami Vice und Stirb langsam noch schwarze Schemen in der Hand von Bösewichten waren, auch in den Holstern der Helden. In Fernsehserien wie Law & Order – Aus den Akten der Straße steht die Waffe auf der Seite des Gesetzes, ein Spiegelbild des Erfolgs, den die Firma mit der Strategie hatte, an erster Stelle Polizisten als Kunden zu gewinnen. Längst gehen viele Konkurrenten den Weg Glocks, ihre Waffen über die Schlüsselstelle der Requisite in Filmen unterzubringen. Filme wie Matrix werden Feste für Waffenhändler: Schießereien in Zeitlupe, Arsenale voller Feuerwaffen – alles Markenprodukte. Heute sind Waffen neben Autos die Ware, die am häufigsten als Requisite in Hollywood eingesetzt wird.

Glock ist dabei eine Macht. Im Jahr 2010 treten Pistolen der Firma in 22 Filmen auf, die es auf Spitzenplätze der amerikanischen Kinocharts schaffen – Inception, der vier Oscars gewinnt, Das A-Team, Kick Ass oder The Expendables. Zwei Filme ragen heraus: Cop Out mit Bruce Willis, der mit dem Slogan »Rock out with your Glock out« wirbt – und Killers mit Ashton Kutcher. Um den Film anzupreisen, ist der Star überall, auf Facebook, Youtube, Chatroulette, ein Gewinnspiel rund um eine schwarze Pistole, die er seine »handy dandy gun« nennt – bis er plötzlich eine einzelne Patrone in ihr Magazin schiebt und die Waffe durchlädt. Was kostet so was?

Auf Anfrage schreibt die Firma Glock, dass sie keinerlei Auskünfte erteilt. Sie kann sich Schweigen leisten. Glock hat es geschafft, eine Ikone zu werden, die sogar symbolisiert, ab welchem Punkt Waffen nicht mehr erlaubt sind. Auf den Schildern der US-Bundesbehörden, die in amerikanischen Flughäfen Feuerwaffen verbieten, prangt eine stilisierte Pistole. Es ist die Silhouette einer Glock.

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Welcher Filmstar welche Waffen benutzt, verzeichnet die Internetseite imfdb.org. Die Datenbank ist allerdings unbrauchbar, findet Roland Schulz: Die wichtigste Waffe der Filmgeschichte fehlt - die Heilige Handgranate von Antiochia, mit der Monty Pythons Ritter der Kokosnuss das Killerkarnickel besiegen.