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aus Heft 25/2014 Liebe & Partnerschaft

Zusammen ist man weniger allein

Wolfgang Luef und Lena Niethammer (Interview)  Fotos: Ramon Haindl

Wir haben bei den großen Online-Dating-Seiten nachgefragt, wer die meisten Zuschriften erhält - und die sechs erfolgreichsten Singles zum Gespräch gebeten: Was ist das Geheimnis guter Kontaktanzeigen? Wie wählt man den besten Partner aus? Und warum sind die meisten von ihnen immer noch solo?

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Im Bild: die sechs beliebtesten Singles Deutschlands. Nicht im Bild: der große schwarze Hund eines Teilnehmers, auf den gerade alle Blicke gerichtet sind.

SZ-Magazin: Hier sitzen die beliebtesten Singles von Deutschlands Online-Partnerbörsen am Tisch. Gratulation!
Dana K.: Danke. Mich hat das überrascht, dass mein Profil das erfolgreichste sein soll.
Rüdiger K.: Als die Anfrage von Shopaman kam, ob ich als »Nummer eins« bei einem Interview mitmachen will, hielt ich das erst für einen Scherz. Oder für Spam.
Meike D.: Ich dachte mir: Was heißt hier »erfolgreich«? Ich bin ja immer noch Single.

Sie bekommen mehr Anfragen als alle anderen, die auf Ihrem Portal angemeldet sind.
Alexandro D.:
Bei mir sind es im Moment 350 Nachrichten pro Woche.
Meike D.: Ich bin jetzt bei 700 Männern angelangt, die mich treffen wollen.

Was machen Sie denn besser als andere?
Alexandro D.:
Bei GayRoyal ist es so: Wenn man einmal ganz besonders viele Likes oder Nachrichten bekommen hat, wird man hervorgehoben und direkt auf der Startseite vorgestellt. Und bekommt dadurch noch mehr. Das wird zum Selbstläufer.
Diana K.: Ich habe versucht, authentisch rüberzukommen und beim Ausfüllen des Profils nicht lange nachzudenken. Zum Beispiel die Frage: »Was macht dich glücklich?« Mich machts glücklich, wenn ich meine Eltern besuche, und deren weiße Schäferhündin kommt freudespringend, um mich zu begrüßen. Das klingt nach mir, ist konkret und ehrlich.
Meike D.: Bei mir zum Beispiel (liest vor): »Wofür würden Sie Ihr Leben riskieren? Schokolade!«
Axel L.: Ich glaube, bei mir hat es mit dem Beruf zu tun. Ich bin Psychotherapeut und arbeite mit Pferden. Vor dem Therapeuten haben zwar die meisten Frauen erst mal einen Heidenrespekt. Aber das mit den Tieren – das macht mich attraktiv.

Wie sehen das die Frauen am Tisch?
Kathrin S.:
Nein. Nichts für mich.
Dana K.: Ich mag Tiere, aber das wäre mir zu viel.
Kathrin S.: Was steht denn noch in deinem Profil?
Axel L. (liest vor) »Das sollten Sie über Axel wissen: Unkonventionelles Herangehen begleitet mich bis heute. Neue Blickwinkel sind eine Selbstverständlichkeit. Eher der Natur als dem modernen Leben verbunden. Sensibel, kraftvoll, den Rest finde selbst heraus.«
Kathrin S.: Okay, das finde ich jetzt wieder total ansprechend. Knapp, auf den Punkt. Mit Charme und Tiefgründigkeit.

Warum suchen Sie im Internet nach einem Partner?
Kathrin S.: Manchmal wünschte ich, ich könnte wieder so wie früher, nachts in der Disco und so. Aber ab einem gewissen Alter ist es im Nachtleben schon echt schwierig. Und ich habe bestimmt keine Lust, dort mit 37 die Älteste zu sein und belächelt zu werden.
Axel L.: Wenn man ein bisschen abseits wohnt, so wie ich, dann hat man ja gar keine andere Möglichkeit als das Netz. Manche Bereiche in Deutschland sind fast völlig entvölkert: Thüringen, Sachsen, Brandenburg. Die Leute ziehen weg. In Mecklenburg-Vorpommern gibt es überhaupt keine Frauen mehr. In Städten ist das einfacher.
Rüdiger K.: Ich wohne in der Großstadt. Aber ich könnte im realen Leben nie eine Frau ansprechen. Ich würde hochrot anlaufen und wüsste nicht, was ich da sagen soll. Nicht im Club und nicht an der Supermarktkasse, um Gottes willen.
Dana K.: Du bist doch voll der hübsche Typ. Probiers doch mal!
Rüdiger K.: Ich habe es ein einziges Mal versucht. Wir waren tanzen, und ich bin zu der Frau hingegangen und habe gesagt: »Was würde die schönste Frau im Club sagen, wenn ich sie ansprechen würde?« Und sie guckt mich an: »Ja, wer denn?«
Dana K.: (lacht) Entschuldige, aber der Spruch ist auch doof.
Rüdiger K.: Ich fand den genial. Aber ich hab gemerkt, im Netz ist das einfacher, ich bin einfach mutiger. Es gibt ja im realen Leben so Singlepartys, das wäre nichts für mich: Jeder bekommt ein Bändchen, und …
Kathrin S.: Oh Gott!

Oh Gott? So schlimm?
Dana K.:
Und wie.

Was unterscheidet denn Singlepartys vom Online-Dating?
Meike D.:
Die Männer betrinken und vergessen sich. Sie verstehen kein Nein mehr.
Kathrin S.: Man fühlt sich da wie Freiwild. Als könnte man zur Beute werden, auf eine ganz unangenehme Art und Weise.
Meike D.: Da wäre Rüdigers Spruch von eben noch oberste Klasse!
Kathrin S.: Im Netz kann ich einfach jemanden blocken. Oder nicht mehr antworten.
Rüdiger K.:
Bei Shopaman ist es sogar so, dass die Frauen entscheiden, welcher Mann sie kontaktieren darf. Die Frau sagt: Den finde ich interessant, der darf mir schreiben. Dann weiß ich schon: Hier habe ich Chancen. Das ist für mich das Beste.

Wie haben sich die anderen für das jeweilige Portal entschieden?
Dana K.:
Ich war erst bei Friendscout, das ist kostenlos. Aber ich wurde da mit Nachrichten zugemüllt.
Meike D.: Ich bin bei Friendscout. Ich finde das gut dort, aber ja, stimmt: Derzeit habe ich 60 ungelesene Nachrichten.
Dana K.: Es kamen immer mehr Anfragen nach dem Motto: Na, wie siehts aus, bist du geil? Ich hab mich dann bei ElitePartner angemeldet, was richtig Geld kostet. Dort sind die Nachrichten und Anfragen respektvoller.

Bei Secret und GayRoyal ist das anders. Da will man schnell zur Sache kommen, oder?
Alexandro D.:
GayRoyal ist ein Männerchat, und das ist schon eine ganz andere Schiene als die seriösen Portale. Es geht da oft nur um das Eine.
Kathrin S.: Angeblich richtet sich secret.de an Leute in Beziehungen, die Seitensprünge suchen oder spezielle Neigungen haben. Aber man findet dort unheimlich viele Singles. Letzten Endes sind auch da alle auf der Suche nach der großen Liebe. Man trifft sich und hofft, dass mehr draus wird.

Und warum hat das noch bei keinem von Ihnen geklappt?
Diana K.:
Ich bin gerade frisch verliebt! Den Mann habe ich aber nicht online kennengelernt.

Die anderen sind derzeit Singles. Warum?
Rüdiger K.:
Vielleicht bin ich einfach zu kompliziert. Gerade am Anfang einer Beziehung braucht man viel Geduld mit mir.
Axel L.: Man muss auch sagen: Wer trifft sich denn in diesen Portalen? Die Beziehungsgescheiterten.
Kathrin S.: Also bitte.
Axel L.: Ist doch so. Die anderen sind nicht online.
Meike D.: Also ich war kürzlich schon einmal vergeben, an einen Mann von Friendscout. Er war nicht der Richtige.

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Als Lena Niethammer und Wolfgang Luef 45 Minuten nach dem Interview auf die Straße traten, standen dort zwei der Teilnehmer zusammen und unterhielten sich. Sie hatten bereits Nummern ausgetauscht. Unsere Autoren wollen aber nicht verraten, wer die beiden waren.