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aus Heft 40/2014 Neue Fotografie

Begossene Pudel

Von Meike Mai (Interview) Fotos: Sophie Gamand

Genervt, wütend, um Mitleid heischend oder stoisch gelassen – Sophie Gamand hat die unterschiedlichsten Ausdrücke nasser Hunde in einem New Yorker Schönheitssalon fotografiert.



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Name:
Sophie Gamand
Geboren: Lyon, Frankreich
Ausbildung: Learning by doing
Webseite:  http://www.sophiegamand.com


SZ-Magazin: Frau Gamand, sind Sie selbst Hundebesitzerin?
Sophie Gamand: Nein, in meinem New Yorker Appartment sind keine Hunde erlaubt. Ich würde mich auch nicht als Hundeliebhaberin bezeichnen. Vielmehr sind Hunde so eine Art Muse für mich. Wenn ich Hunde ablichte, sehe ich auch immer den Menschen. Wie wir unsere Tiere behandeln sagt viel über uns aus. Mit Hunden haben wir Menschen uns über die Jahrtausende perfekte Begleiter geschaffen. Begleiter, die oft auch Bedürfnisse erfüllen, die unsere Mitmenschen nicht mehr erfüllen können oder wollen.

Sie haben Hunde in einem New Yorker Beautysalon fotografiert. Wie kamen Sie auf diese Idee?
Anfangs haben mich die Vorher-Nachher-Situationen im Hunde-Schönheitssalon meines Freundes Ruben Santana fasziniert. Doch dann habe ich beobachtet, wie er die Tiere gewaschen hat, wie das Wasser mit den Hundehaaren spielt, wie es die Vierbeiner in Skulpturen verwandelt. Also habe ich die pitschnassen Hunde abgelichtet - und die Wet Dog-Serie war geboren.

Die Hunde haben alle ganz unterschiedliche Mimiken während des Waschens...
Ja, das Baden zeigt sie alle in einem verletzlichen Moment - auf den sie emotional unterschiedlich reagieren. Gerade die ärgerlichen Blicke und die anklagenden Augen sollten uns darüber nachdenken lassen, wie wir Hunde behandeln. Schließlich haben wir uns eine ganze Spezies Untertan gemacht. Das bringt viel Verantwortung mit sich.

Was war das Schwierigste beim Fotografieren dieser Serie?
Außer dass ich mein Equipment vor Nässe schützen musste? Nichts! Ich finde es einfach Hunde zu fotografieren, und habe vom Straßenhund in Puerto Rico bis zum Hunde-Supermodel schon einige vor der Kamera gehabt. Mehrere Tage im Monat mache ich außerdem Fotos vom Hunden in Tierheimen, die helfen sollen den Adoptionsprozess zu beschleunigen. Diese Aufnahmen sind das beste Training, denn gerade diese Hunde sind häufig verängstigt und man hat nur wenige Sekunden, wenn sie sich endlich aus ihrem Zwinger herausgetraut haben.

Mögen die Hunde das Herausgeputzwerden im Salon Ihrer Erfahrung nach?
Meistens stresst es die Hunde von einem Fremden gewaschen zu werden. Dazu ist es in den Salons oft laut vom Föhnen, die Hunde werden herumgetragen, nass gemacht, eingeseift. Viele Hunde mögen das nicht. Auch deshalb, weil sie nicht wissen, was als nächstes kommt. Umso wichtiger ist ein guter Salon.

Wie findet man einen guten Hundesalon?
Hunde fühlen sich dort wohl, wo ihr Herrchen sich wohlfühlt. Achten Sie also auf Ihren ersten Eindruck! Natürlich sollte man dort auch liebevoll mit Ihrem Tier umgehen, denn für die Hunde ist so eine Session ganz schön anstrengend. Sie sind danach meistens sehr müde und stolz. Schließlich hatten sie einen Job und den haben sie erfolgreich gemeistert. Das ist alles, was ein Hund will.

Die Wet-Dog -Serie mit rund 80 Fotos erscheint in Deutschland im Hebst 2015 als Buch im Riva-Verlag


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