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aus Heft 02/2015 Fotografie

Wie der Name schon sagt

Till Krause  Fotos: Heinrich Holtgreve

Wenn Südkoreaner wollen, dass ihre Läden und Bars besonders aufregend klingen, geben sie ihnen exotische Namen - und zwar deutsche. Eine Expedition in Bildern.



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Was Menschen in anderen Ländern zu Deutschland einfällt, zeigt sich oft daran, welche deutschen Wörter sie in ihrer Sprache verwenden. In den Niederlanden sind Begriffe wie Einzelgänger und Schadenfreude beliebt – Eigenschaften, die als typisch deutsch gelten. Im Albanischen hingegen sind es Wörter wie baushtel (Baustelle), gepek (Gepäck) und pena (Penner), die an Gastarbeit und Ausgrenzung denken lassen.

Ganz anders in Südkorea: Dort sind populäre Lehnwörter arubaitu (Arbeit), kullokensyupil (Glockenspiel), mesushillindo (Messzylinder) und hof (wie in Hofbräuhaus – ein Synonym für Kneipe). Begriffe also, die zum Deutschlandklischee passen: eine Mischung aus Märchenschloss, Werkstatt und Brauerei. Eine weltweite Marke.

Der Bielefelder Fotograf Heinrich Holtgreve hat in Südkoreas Hauptstadt Seoul so viele Läden und Bars mit deutschen Namen entdeckt, dass er daraus eine Fotoserie gemacht hat. Seine Bilder werfen Fragen auf. Was ist ein »Kleine Liebe Hof«? Wie sprechen Koreaner die Bäckerei »Ach so! Lecker« aus? Und: Wer kauft dort ein?

Die meisten Läden, wie die Galerie »Liebe Art Hall« oder die Kneipe »Lowen Hof«, werden von Koreanern betrieben und richten sich nicht an westliche Touristen, sagt Holtgreve. Er hat die Erfahrung gemacht, dass Koreaner kaum Deutsch verstehen, die Schrift aber lesen können, weil sie Englisch gelernt haben. »In Europa haben Firmen oft französisch oder englisch anmutende Namen«, sagt Holtgreve, »in Korea mag man auch deutsche Begriffe.« Deutsche gelten als streng und organisiert, und das sind in Korea geachtete Tugenden.

Allerdings ist es ja auch typisch deutsch, solche Fundstücke auf ihre vermeintlich deutschen Bezüge abzuklopfen. Deutsche sind so um ihr Ansehen in der Welt besorgt, dass sie alles auf sich münzen. Ein Café heißt »Hans« – was mag das wohl bedeuten? Vielleicht gar nichts: In Korea ist Han ein häufiger Nachname, daher ist »Hans Café« vielleicht einfach nach dem Eigentümer benannt.

Im Koreanischen gibt es ein Wort für allzu selbstbezogenes Verhalten: noiroje. Es stammt aus dem Deutschen und bedeutet Neurose.
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Heinrich Holtgreve liebt die koreanischen Grillrestaurants. Dort ist nicht nur das Essen toll, sondern auch der Service: Jacken werden an der Garderobe luftdicht verpackt, damit man später nicht nach Rauch riecht.

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