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Neue Fotografie 20. Februar 2015

Freies Geistern

Sina Pousset (Interview)  Fotos: Alexandra Vogt

Im tiefsten Winter werden Allgäuer Dörfer von Dämonen heimgesucht. Das Fotografieren des Kostümsumzugs wurde für die Künstlerin Alexandra Vogt zu einer schmerzhaften Angelegenheit.



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Name:
Alexandra Vogt
Geboren: 1970

Wohnort: Kammlach, Unterallgäu
Ausbildung: Studium Bildende Kunst/Malerei an der Kunstakademie München, Glasgow School of Art, Kunsthögskolan Stockholm
Website: alexandravogt.de

SZ-Magazin: Seit Jahrhunderten ziehen die Klausen durch Dörfer im Allgäu und treiben dort einmal im Jahr die bösen Geister des Winters aus. Was fasziniert Sie daran?

Alexandra Vogt: Die Bildfindung hat möglicherweise autobiografischen Ursprung. Schon als Kind waren meine liebsten Begleiter Tiere, die ich vorm Menschen beschützen wollte. Die Umgebung, in der das Klausentreiben stattfindet, ist gleichzeitig faszinierend und befremdlich. Inmitten gesichtsloser Fußgängerzonen erscheinen die Klausen wie Phantome einer domestizierten Archaik. Für die Zuschauer ist das Klausentreiben gleichzeitig Folklore und Nervenkitzel. Für viele Jugendliche aus der Region ist die jährliche Konfrontation mit den Klausen ein legaler Streetfight.

Wie ist die Serie entstanden?
Nachdem ich seit Jahren mit der Kamera am Fasching in der Region teilnehme, bin ich am 6. Dezember 2014 zum ersten Mal zum Klausentreiben ins Oberallgäu gefahren. Am ersten Abend blieb ich unversehrt, ohne zu wissen, dass das nicht selbstverständlich ist. Die Klausen erschienen mir als wilde, niedliche Fellknödel. Einen Tag später wollte ich die Expedition mit der Kamera fortsetzen und hatte innerhalb weniger Minuten blaue Beine.

Was denken Sie: Wie viel Tier steckt noch im Menschen?
Leider wenig. Das Zerlieben und Zernützen der Tiere sollten wir lassen. Als Menschen.

Ihre Werke umfassen auch Mixed Media und Malerei. Was ist für Sie das Besondere am Medium der Fotografie?
Mit der Kamera betreibe ich so etwas wie äußere und innere Heimatpflege. Eine Art regressives Vorankommen.

Wie muss man sich das vorstellen?
Ich arbeite recht spontan und versuche immer, mich freizuhalten, um impulsiv meiner Arbeit folgen zu können. Im Sommer fotografiere ich so gut wie nie. Da male ich. Der künstlerische Wille steht bei meiner Arbeit nicht im Vordergrund. Ich lasse mich oft über Jahre auf etwas ein, begleite zum Beispiel einen Einsiedler, sammle und dokumentiere die Überbleibsel der Marienkinder - alles im eigenen Auftrag.
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