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Neue Fotografie 06. Mai 2015

Einsam in der Wüste

Interview: Ines Abraham  Fotos: Stefanie Moshammer

Wie sieht das Leben einer Stripperin in Las Vegas aus? Die Österreicherin Stefanie Moshammer verbrachte zwei Monate in der Stadt der Extreme und merkte dabei, dass dort die Liebe oft nur inszeniert ist.



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Name:
Stefanie Moshammer
Geboren: 15. November 1988
Ausbildung: Kolleg Grafikdesign, Höhere Graphische Bundes-Lehr- und Versuchsanstalt in Wien, Bachelorstudium Grafikdesign und Fotografie an der Universität Linz, »Advanced Storytelling« an der School of Media and Journalism in Dänemark
Wohnort: Wien
Website: stefaniemoshammer.com

Sie waren für Ihr Projekt zwei Monate lang in Las Vegas. Wie haben Sie Kontakte zu Stripperinnen geknüpft?

Ich war erstaunt, wie viele Stripclubs es dort gibt und habe einige besucht. Über einen Bekannten lernte ich dann eine ehemalige Tänzerin kennen. Sie wurde meine erste Bezugsperson und stellte mich anderen Mädchen vor. Ich unterhielt mich mit allen Stripperinnen und interessierte mich für ihre Geschichte, weshalb sie mir gegenüber positiv eingestellt waren. Ich habe ja auch niemanden für die Fotos bezahlt.

Wer sind die Frauen, die sie fotografiert haben?
Ich habe insgesamt sieben Frauen fotografiert, von denen die jüngste 21 und die älteste 50 Jahre alt ist. Die erste Stripperin, die ich kennen lernte, begann mit 19 Jahren, in einem Stripclub zu kellnern. Um mehr Geld zu verdienen, fing sie dann mit dem Tanzen an. Heute ist sie 35, hat einen Sohn und findet, dass das Strippen sie unabhängig macht. Sie erzählte aber auch, dass viele junge Mädchen sehr naiv mit diesem Job umgehen. Prostitution ist in Las Vegas ja offiziell illegal. Da spielt sich eben viel im Graubereich ab. Manche lassen sich mit dem Manager ein, weil sie sich dadurch Vorteile erhoffen. In den Stripclubs gibt es auch Privaträume, wo die Tänzerinnen nur für einen Kunden tanzen. Wie weit die Mädchen dort gehen, hängt von ihnen selbst ab.

Konnten Sie sich mit den Frauen identifizieren?

Hätten sie gespürt, dass ich ihrer Welt komplett fremd bin, hätten sie mich gar nicht so weit eingelassen. Ich könnte mir zwar nicht vorstellen, selbst in Las Vegas als Stripperin zu arbeiten, aber ich hatte doch eine emotionale Verbundenheit.

Was hat es mit dem Brief auf sich, der auch Teil der Fotostrecke ist?

Während ich in Vegas war, klopfte einmal ein Mann an meine Tür, weil er glaubte, seine Ex-Freundin wohne noch dort. Er begann, mich auszufragen. Eine Woche später bekam ich diesen Brief von ihm. Er schrieb, dass er sich in dieser kurzen Zeit, in der wir gesprochen hatten, total in mich verliebt hätte. Diese Art, wie er versuchte, mich an sich zu reißen, war übertrieben und fast schon inszeniert. Ich finde, das spiegelt Las Vegas gut wieder.

Das Projekt heißt »Vegas and She«. Auf den Fotos sind auch Männer zu sehen. Ist es dennoch eine Strecke über Frauen?
Dieses »She« ist nicht auf die Stripperinnen, sondern auf mich selbst bezogen. Es werden zwar hauptsächlich diese Frauen dargestellt, aber im Endeffekt bin ich es, die ihre Wahrnehmung der Stadt zeigt.

Welche Gefühle verbinden Sie mit Las Vegas?

Ich habe Einblick in eine Welt bekommen, die abseits meiner Norm ist. Trotzdem war ich erleichtert, als ich die Stadt wieder verlassen habe. Es ist sehr anstrengend dort. Man ist ja mitten in der Wüste. Ich hab gemerkt, wie mein Körper dehydriert und meine Haut austrocknet. Ich hatte das Gefühl, an einem Ort zu sein, an dem der Mensch eigentlich nicht sein sollte. Die Ansässigen meinten, das ist nur die ersten Wochen so. Danach passt sich der Körper wohl an, man muss eben viel Wasser trinken. Leben möchte ich aber auf keinen Fall in Vegas.

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