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Neue Fotografie 07. Mai 2015

Doppelt allein

Interview: Ines Abraham  Fotosammlung: Erik Kessels

Pärchenfotos waren schwierig, als es noch keine Selfies gab. Wie Liebespaare sich beholfen haben, zeigt eine Sammlung Erik Kessels - und sie beweist: Urlaub zu zweit kann echt einsam sein.

 



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Name:
Erik Kessels
Geburtsdatum: 11. März 1966
Ausbildung: Academy of Art and Design St. Joost in Breda
Wohnort: Amsterdam
Website: kesselskramerpublishing.com, kesselskramer.com

SZ-Magazin: Herr Kessels, warum sammeln Sie Fotos?
Erik Kessels: Ich habe eine Leidenschaft für Bilder, die von Amateuren fotografiert werden. Ich finde solche Fotos auf Flohmärkten oder im Internet und obwohl ich sie sammle, sehe ich mich nicht als Sammler. Das klingt vielleicht seltsam, aber ich möchte diese Alben nicht besitzen, sondern die Fotos in einen Kontext setzen. Eine Geschichte erzählen.

Die Serie Couples zeigt Paare, die sich gegenseitig fotografieren. Welche Idee steht denn dahinter?

Mir ist aufgefallen, dass es Momente in unserem Leben gibt, in denen wir besonders viel fotografieren. Bei einer Sammlung an Alben der gleichen Familie zeigt sich meist ein gewisses System: Im ersten Album sieht man das junge verliebte Paar. Das zweite ist dem ersten Kind gewidmet, danach folgen Alben mit Fotos aus dem Familienleben. Schließlich sind die Kinder außer Haus und das letzte Album zeigt die Eltern allein. Sie beginnen, sich gegenseitig zu fotografieren. Man merkt, dass etwas fehlt.

Heute machen nur noch die wenigsten Menschen Fotoalben.

Manche schon, aber das sind die Fanatiker. Man macht jetzt öffentliche Fotoalben auf Facebook oder Flickr. Vielleicht kommen analoge Alben irgendwann wieder - ähnlich wie Musikplatten. Wer hätte gedacht, dass es wieder so viele Vinylläden geben wird? Manche Leute haben nicht mal einen Plattenspieler und kaufen Platten nur, weil sie das cool finden.

Haben Sie jemals versucht, mit den Menschen auf den Fotos Kontakt aufzunehmen?
Wenn die Fotos mit Namen versehen waren, versuchte ich, die Besitzer zu finden. Es stellte sich aber heraus, dass alle von ihnen schon tot waren. Mir geht es aber auch nicht darum, nachzuforschen und die Menschen ausfindig zu machen. Ich möchte den Fotos eine neue Funktion, ein neues Leben geben und interessante Verhaltensstrukturen aufzeigen.

Welche Verhaltensweisen konnten sie denn beobachten?

Ich sehe selten Close-ups von Frauen in ihren Sechzigern. Wenn Paare Urlaub machen, ist oft der Mann derjenige, der fotografiert. Je älter die Frau wird, desto größer ist die Distanz zwischen ihr und der Kamera. In einem Album konnte ich die Frau förmlich schrumpfen sehen. Möglicherweise wollte die Frau ihre Falten verstecken. Vielleicht wollte der Mann aber auch einfach mehr von der Landschaft zeigen. Das Schöne ist, dass man über diese Dinge fantasieren kann.

Wie hat sich die Amateurfotografie durch Smartphones verändert?

Sie hat jetzt eine ganz andere Funktion. Der Lebenszyklus eines Fotos ist viel kürzer. Es ist da, um geteilt zu werden. Man schickt es seinen Freunden, die dann darüber lachen oder es bewundern. Gibt es ein neues Foto, ist das alte vergessen. Die Tatsache, dass es diese Momente gibt, in denen man besonders viel fotografiert, hat sich aber nicht geändert.

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