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Klickbringsel: das Souvenir 25. Juli 2015

Im Namen des Mufflons

Von Susanna Bingemer 

Auch wenn man gerade kein Schaffell zerteilen muss: Unsere Autorin schwört auf sardische Hirtenmesser - und weiß auch, wo man diese kleinen Kunstwerke, die schnell ein paar hundert Euro kosten können, etwas günstiger bekommen kann.

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Damit mir nicht vor jeder Gepäckkontrolle bei Flugreisen der Angstschweiß ausbricht, checke ich noch vor der Fahrt zum Flughafen mein Handgepäck doppelt und dreifach. Der Grund: Gewöhnlich habe ich mein sardisches Hirtenmesser in der Tasche und ich wäre absolut untröstlich, wenn man mir das am Flughafen abnähme.

Ich bin keine übertriebene Freundin von Schneidewerkzeugen, doch dieses kleine Messer ist ein ganz besonderes. Ich liebe es, seit meine Freundin Barbara es vor vielen Jahren aus Sardinien mitgebracht hat. Das Messer ist unglaublich praktisch, weil es eine perfekte Göße hat: Mit eingeklappter Klinge passt es auch in die Jackentasche, ausgeklappt hat man ein solides, alltagstaugliches Messer in der Hand. Mit dem lässt sich zum Beispiel elegant fast jede Art von Reiseproviant in mundgerechte Stücke schneiden und es ist nicht so ein Gefriemel wie mit der kleinen Klinge eines gewöhnlichen Taschenmessers.

Dann ist da auch noch der optische Aspekt: Ich finde mein sardisches Messer richtig anmutig und gleichzeitig archaisch mit seinem leicht geschwungenen Griff aus Mufflon-Horn. Das europäische Mufflon stammt aus Sardinien und Korsika und ist wahrscheinlich eine Art verwilderter Nachfahre einer sehr ursprünglichen Hausschafrasse. Jedenfalls macht dieser Griff aus Horn jedes Messer einzigartig, denn die Maserung und Farbe ist bei jedem Exemplar ein bisschen anders - mal beige, mal eher bräunlich, mal fast durchscheinend. Barbara kann sich meistens nicht entscheiden, wenn sie im sardischen Messerladen ihres Vertrauens steht und kauft dann auch gerne mal zwei oder gar mehr Exemplare. Von ihr habe ich auch den Tipp, mein Messer ab und zu in Olivenöl zu legen. So bleibt das Horn des Griffs schön geschmeidig.

Sardinien ist für seine Hirtenmesser berühmt. Typisch für sie ist: sie sind ausklappbar, aber nicht zu verriegeln. Ihre Stahlklinge deutet die Form eines Myrtenblatts an und der Griff ist eben aus Mufflonhorn, das schon früher als sehr festes Naturmaterial geschätzt wurde. Vor allem sardische Hirten benutzten diese Messer, weil sie damit auch das Fleisch und das Fell ihrer Schafe verarbeiten konnten. Das sardische Messer par excellence heißt Sa Pattadesa und stammt aus dem Ort Pattada. In diesem Bergdorf in der Provinz Sassari, heißt es, habe sich die uralte Tradition der Messerfertigung am besten erhalten. Die Handwerker aus Pattada gelten als die geschicktesten. Für eines der wertvolleren handgearbeiteten Stücke, zum Beispiel mit Verzierungen auf Klinge oder Griff, zahlt ein Liebhaber viele hundert Euro. Unser Exemplar war preiswerter. Barbara hat es in Santu Lussurgiu gekauft, das zusammen mit den Dörfern Guspini, Gavoi, Arbus und Fonni auch bekannt für seine Messer ist und wo sie teilweise ganz eigene Formen und Namen haben.



An dieser Stelle schrieb ich schon einmal, was ich für den Aufenthalt auf der einsamen Insel für unabdingbar halte - ein Messer gehört auf jeden Fall dazu. Und für mich sollte es ein sardisches Hirtenmesser sein. Gut, dass man diese Messer auch online bestellen kann, zum Beispiel hier oder hier.



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