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Klickbringsel: das Souvenir 31. Oktober 2015

Die Kraft der Kastanie

Von Susanna Bingemer  Foto: gourmemaison.de

Früher waren die Maronen, die auf Korsika wachsen, vor allem Wildschweinfutter. Dann hatte ein Insulaner eine bessere Idee. Und braute Bier daraus.



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Meine Freunde verbringen fast jeden Sommerurlaub auf Korsika. Längst haben sie ein kleines Ritual: Schon bei der Anfahrt zum Campingplatz decken sie sich im Supermarkt mit ein paar Flaschen Pietra ein. Das ist eine korsische Biersorte, die aus Malz und Esskastanien auf der Insel gebraut wird. Es war die erste und viele Jahre die einzige korsische Biersorte. Jedenfalls öffnen meine Freunde gegen Ende des langwierigen Zeltaufbaus eine oder auch mehrere Flaschen und stoßen richtfestmäßig auf ihre neue Bleibe für die nächsten Wochen und ihre Ferien an. Während ihres gesamten Urlaubs trinken sie – wenn es Bier sein soll – nur Pietra, das es auf Korsika fast überall zu kaufen gibt.

Das war nicht immer so. Vor 1994 gab es überhaupt kein korsisches Bier. Bis Dominique Sialelli sich der Sache annahm. Der damalige Manager bei der France Télékom in Paris fand es beim Urlaub auf seiner Heimatinsel extrem frustrierend, dass er dort nur Importbier trinken konnte. Es ärgerte ihn so, dass er seinen Job in Paris kündigte, zurück nach Korsika ging und sich – entgegen aller Unkenrufe seiner Freunde – fortan dem Bierbrauen widmete. Zusammen mit seiner Frau Armelle. Seit 1996 wird in ihrer Brauerei nahe Bastia korsisches Bier gebraut. Mit Kastanien, einem für die Insel sehr traditionellen Nahrungsmittel. In der Waldregion Castagniccia, der die Kastanien ihren Namen gaben, fressen zwar noch Wildschweine die Früchte, doch der größte Teil verrottet ungenutzt. Sialelli kennt die Gegend gut, er ist hier geboren. Ganz in der Nähe seines Heimatdorfs lässt er heute die Kastanien für sein Bier sammeln und teils noch von Eseln zum nächsten Ort transportieren, heißt es. Inzwischen müssen das größere Eselherden sein: das Korsenbier wurde ein so großer Erfolg, dass sogar diejenigen Festlandfranzosen große Augen machten, die Korsika als ökonomische Nullnummer angesehen hatten.

Meine Freunde jedenfalls beladen vor der Heimfahrt nach Deutschland ihr Auto immer mit einem gewissen Vorrat an Pietra – um zuhause in Erinnerungen schwelgen zu können und als Mitbringsel für blumengießende Nachbarn und Freunde. Mir haben sie dieses Jahr auch zwei Fläschchen mitgebracht. Dazu muss ich sagen: Ich bin nicht so die Biertrinkerin, aber dieses Korsenbier finde ich nicht nur wegen seiner Geschichte aufregend. Es ist ein dunkles und sehr kräftiges Bier, das schön würzig schmeckt, ein kleines bisschen karamellig und leicht bitter. Nach Korsika eben. Hier kann man Pietra bestellen.

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