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Nackte Zahlen: Sexkolumne 30. November 2015

Läuft bei euch!

Von Alena Schröder  Illustration: Sammy Slabbinck

Paare die gemeinsam joggen, haben laut Studie angeblich mehr und besseren Sex. In Wahrheit versauen sie allen anderen Paaren den Spaß am Bettsport.

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Paare, die gemeinsam joggen gehen, haben mehr und besseren Sex. Das jedenfalls sagen 66 Prozent der befragten Läufer in einer Studie, die von einem in dieser Frage sicherlich vollkommen neutralen amerikanischen Sportartikelhersteller in Auftrag gegeben wurde.

Und auf den ersten Blick leuchtet das Ergebnis ja auch ein: Man läuft ein paar Kilometer mit der oder dem Liebsten, kommt schließlich schwitzend, keuchend und randvoll mit Endorphinen zuhause an und wirft sich noch mal schnell zusammen aufs Bett, quasi als Cool Down. Leider verschweigt die Studie die tiefer liegenden Gründe für das Ergebnis: Im Mittel haben gemeinsam joggende Paare nur deshalb mehr und besseren Sex, weil all die anderen Paare durch die direkte Konfrontation mit joggenden Paaren deutlich weniger Sex miteinander haben.

Ein Beispiel:
Frau und Mann sitzen im Straßenkaffee, beide vor einem großen Cappuccino und einem Schokocroissant. Ein Joggerpärchen läuft vorbei.

Er: Guck mal, die da.
Sie: Oh Gott, ist das peinlich.
Er: Ich hasse joggende Pärchen, das sieht so affig aus.
Sie: Ja, vor allem die beiden mit ihren farblich abgestimmten Tchibo-Läufer-Jäckchen.
Er: Und diese engen Hosen, lächerlich.
Sie: So ist das wahrscheinlich, wenn man sich nichts mehr zu sagen hat. Dann geht man halt zusammen joggen.
Er: Aber nur, wenn man sich noch zu hip zum Golfen fühlt.
Sie: Mich nervt einfach dieser Gestus von moralischer Überlegenheit: Schaut her, wir tun was für uns, wir machen alles zusammen.
Er: Diese Totalsymbiose ist ja echt der Tod für jede Beziehung. Ich meine, hallo? Gehen die auch zusammen aufs Klo?
Sie: Hahaha, du bist so lustig, Mausebär!
Er: Ich könnte auch mal wieder laufen gehen. War jetzt bestimmt schon seit vier Monaten nicht mehr.
Sie: Na, mach ruhig. Aber ohne mich.
Er: Pff, NATÜRLICH ohne dich, was denkst du denn.
Sie: Wie meinste das denn jetzt? Wieso NATÜRLICH ohne mich?
Er: Du hast doch gesagt: Ohne mich
Sie: Ja, aber du betonst das jetzt so. Das klang jetzt, als wär es dir peinlich mit mir zusammen laufen zu gehen.
Er: Nee, gar nicht. Aber ich wär ja auch viel schneller als du, das würde ja so oder so nicht passen.
Sie: Wieso das denn? Wieso glaubst du, du wärst schneller? Weil du so viel mehr Sport machst als ich oder was?
Er: Na komm, du mit Deinem bisschen Yoga alle drei Wochen.
Sie: Na, ich geh immerhin regelmäßig. Übrigens kommt es ja auch gar nicht auf Schnelligkeit an beim Laufen.
Er: So so.
Sie: Ja, wer Fett verbrennen will, der soll seinen Puls gar nicht so in die Höhe jagen.
Er: Wer sagt denn, dass ich Fett verbrennen will beim Laufen?
Sie: Täte Dir ja vielleicht ganz gut.
Er: Männer machen Sport, um sich zu spüren, um sich auszupowern, um Aggressionen abzubauen. Nicht um Fett zu verbrennen.
Sie: Hör doch auf mit diesem Männlichkeitsscheiß. Schau mal, die beiden, die da jetzt angelaufen kommen. Denen sieht man doch schon an, dass sie viel fitter ist als er. Aber wahrscheinlich zügelt sie sich, damit er sich bloß nicht in seiner scheiß Männlichkeit gekränkt fühlt.
Er: Nee, die beiden da sind doch kein Paar. Das ist Thorsten mit seiner Personal Trainerin.
Sie: Ach echt? Wieso hat der ne Personal Trainerin?
Er: Na, weil's geil ist, mit so ner heißen Sechsundzwanzigjährigen durch den Park zu joggen. Das motiviert.
Sie: Ach, deswegen willst du nicht mit mir laufen gehen? Ich bin dir nicht heiß genug?
Er: Komm hör doch auf. Du hast doch gesagt, ich soll ohne dich laufen gehen.
Sie: Ach, leck mich doch!
Er: Du mich auch!

Währenddessen steht unser joggendes Pärchen nach vollendetem Liebesakt gemeinsam unter der eiskalten Dusche. Das verbindet und ist auch sehr gut für's Immunsystem.

 



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Alena Schröder

Alena Schröder ist freie Autorin und lebt in Berlin. Sie gelobt, keine »arm, aber sexy«-Kalauer in dieser Kolumne unterzubringen, die sie im Wechsel mit Till Raether schreibt.

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