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aus Heft 51/2015 Kino/Film/Theater

What shall that?

Von Max Fellmann 

Sehr seltsam: Amerikanische Filme kommen bei uns oft nicht mit deutschem Titel ins Kino - sondern mit anderen englischen Titeln.

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Dass der Kinohit Miss Undercover in der US-Fassung Miss Congeniality hieß, wissen die wenigsten. Der Superhelden-Film Thor – The Dark Kingdom heißt im Original Thor – The Dark World. Der Thriller Unknown, eigentlich schlüssig betitelt, wurde in Deutschland zu Unknown Identity. Samuel L. Jackson hatte die Hauptrolle in The Man und weiß vermutlich bis heute nicht, dass der bei uns unter dem sagenhaft doofen Namen Cool & Fool lief.

Vielleicht muss man es sich so vorstellen: Irgendwo in Deutschland sitzt ein einsamer Mann an einem Schreibtisch, inmitten von DVD-Stapeln, Filmplakaten, zerlesenen Drehbüchern und Marketing-Unterlagen. Es ist spät in der Nacht, ihm ist heiß, er ist nervös. Ein amerikanischer Blockbuster kommt bald in Deutschland ins Kino, der Mann muss sich überlegen, wie der Film hier heißen könnte. Der Filmverleih wartet, der Mann braucht auf der Stelle eine Idee. Einen deutschen Titel ausdenken? Na ja, so haben sie es früher gemacht. Da wurde dann so etwas Nüchternes wie The Cannonball Run zu Auf dem Highway ist die Hölle los. Nein. Den Titel einfach wörtlich übersetzen? Lieber nicht. So wurde der Bond-Film Quantum of Solace zu Ein Quantum Trost. Brrr. Der Mann schwitzt. Titel einfach englisch lassen? Ja, denkt der Mann, das wirkt doch cool! Er lockert seine Krawatte. Dann fällt ihm ein: Avengers oder The Dark Knight Rises oder Interstellar - nein, war alles viel zu rätselhaft, die Leute müssen den Titel verstehen. Hilfe! Was tun? Auf einmal klatscht der Mann in die Hände und lacht: Ha, ich denke mir einfach einen neuen englischen Titel aus! Einen neuen englischen Titel statt des Original-Titels. Für den amerikanischen Film! Im deutschen Kino! Total logisch! Yeah!

In Wahrheit sind es meistens Marketing-Gründe, die Filmverleiher dazu bringen, sich absurde englische Neu-Titel auszudenken. Der Blockbuster, mit dem Liam Neeson vor ein paar Jahren plötzlich zum Actionstar wurde, hieß Taken. Bedeutet auf deutsch »Entführt«, aber die Gefahr war groß, dass die Leute das nicht so genau verstehen, der Verleih entschied sich für 96 Hours. Klingt das cooler? Na ja, wer spricht Zahlen auf Plakaten schon englisch aus? Geschätzte achtzig Prozent der Kinobesucher verabredeten sich dann eben für den Film »Sechsundneunzig Auas«. Letztes Jahr kam Locke ins Kino, der Film war nach seiner Hauptfigur benannt, einem Mann, der allein bei einer Autofahrt schwere Lebensentscheidungen treffen muss. Aber Locke in deutschen Kinos, das hätte nach Waschen-Schneiden-Legen geklungen. Also lief der Film bei uns als No Turning Back. Was in ziemlich selbst gebasteltem Englisch »Kein Zurück« heißen soll, und das hat mit der Handlung, äh, ungefähr ein bisschen was zu tun. Egal, englisch, super, weiter.

Bei dem Actionfilm Cradle 2 - The Grave, wörtlich »Von der Wiege bis zur Bahre«, war das Problem, dass der Originaltitel nicht richtig nach Action klingt, und sowieso versteht ihn kein Mensch, also wurde er zu Born 2 Die. High five bei den Übersetzern, englischer Titel UND der Riesengag mit der 2! Die Beispiele sind endlos. A Man Apart lief in Deutschland als Extreme Rage (klingt gleich brutaler). Crash wurde zu L.A. Crash (spezifischer). Horrible Bosses zu Kill the Boss (siehe »Extreme Rage«). Begin Again hieß Can A Song Save Your Life? (hä?). Und immer so weiter.

Manchmal geht das nach hinten los. Im Sommer lief ein Science-Fiction-Film mit George Clooney, da ging es um ein Paralleluniversum namens Tomorrowland, so hieß der Film auch in den USA. Leider war der Titel in Deutschland geschützt, es gibt in Belgien ein Musikfestival gleichen Namens. Kurze Rückfrage bei Disney, Erklärung: Die wörtliche Übersetzung »Morgenland« kam nicht in Frage, so entschied man sich für den Titel A World Beyond. Dass viele Kinobesucher nicht so genau wissen, was »beyond« heißt: Egal, vielleicht haben sie bei Disney einfach gehofft, dass sich ein paar Leute an den Madness-Hit One Step Beyond erinnern. Hat vielleicht sogar geklappt - nur sind die dann alle offenbar lieber tanzen gegangen. Der Film war nicht gerade ein Hit.
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Max Fellmann

fragt sich, ob bald auch andere Branchen so vorgehen, zum Beispiel Buchverlage: Ernest Hemingway - Senior And The Water? F. S. Fitzgerald - Gatsbyland? Jonathan Franzen - The Changings?

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